Rosenblätter und RegenbogenBestatter erfüllt Wünsche
Urnen in den Farben des Regenbogens, Särge mit Blumenverzierungen in Serviettentechnik oder sexy gekleidete Sargträger: Homosexuelle haben nach Einschätzung von Björn Schulz häufig ganz spezielle Wünsche für Bestattungen.
Urnen in den Farben des Regenbogens, Särge mit Blumenverzierungen in Serviettentechnik oder sexy gekleidete Sargträger: Homosexuelle haben nach Einschätzung von Björn Schulz häufig ganz spezielle Wünsche für Bestattungen. "Die Weise, wie wir trauern, ist so individuell wie das Leben", sagt der aus Hannover stammende Bestattermeister. Die unkonventionellen Vorstellungen von Schwulen und Lesben, aber auch von Heterosexuellen, will der 30- Jährige mit einem besonderen Pietätunternehmen erfüllen, das an diesem Samstag in Frankfurt eröffnet wird.
Die Firma "Gaybestattungen" ist nach Darstellung von Schulz einzigartig in Deutschland. Auch der Bundesverband Deutscher Bestatter hat von dieser Spezialisierung eines Unternehmens noch nichts gehört. Das Bestattungsinstitut solle allen Menschen mit unkonventionellen Ansprüchen offen stehen und "Tod, Trauer und Abschied wieder einen gebührenden Platz in der Gesellschaft einräumen". Als Beispiel nennt Schulz "Leute, die ihr Kind verloren haben und denen eine normale Bestattung zu spießig ist".
Im Rhein-Main-Gebiet sieht der Bestattermeister eine große Nachfrage für sein Angebot. Frankfurt sei nach Berlin und Köln die Stadt mit der größten "Schwulen-Community Deutschlands". Im Großraum Frankfurt lebten mehr als 6000 homosexuelle Paare über 60 Jahre. Im Rhein-Main-Gebiet gebe es Schätzungen zufolge etwa 1,5 Millionen homosexuelle Männer und Frauen.
Viele homosexuelle Männer hätten Scheu, nach dem Tod ihres Partners zu einem Bestattungsunternehmen zu gehen und zu sagen: "Ich habe meinen Mann verloren." Solche Hemmungen machten es ihnen oft schwer, sich auf die Trauer einzulassen. "Konventionelle Bestattungsinstitute gehen da nicht so intensiv drauf ein", meint Schulz, der seit zehn Jahren in der Branche arbeitet. In seinem Team finden die Trauernden homosexuelle Männer und Frauen. Das Unternehmen, das sich einem Trauerzentrum angeschlossen hat, bietet Trauerbegleitung in Männergruppen und anderen Gesprächskreisen, auch für HIV-Infizierte und homosexuelle Singles. "Bei uns braucht sich keiner zu verstecken", betont Schulz.
Für die letzte Ruhe ermöglicht das Unternehmen Erd-, Feuer- und Seebestattungen, Beisetzungen in anonymen Gräberfeldern und das Ausbringen der Asche in Friedwäldern. Auch Hausaufbahrungen werden von den Fachleuten begleitet. Bei der Trauerfeier und der Bestattung wollten viele Homosexuelle ihre "andere, ausgeflippte Kultur" leben, weiß Schulz. "Wir haben um das Grab getanzt und Rosenblätter gestreut", zitiert er einen Mann Mitte 50, der einen Freund mit Aids verloren hat und sich für seine eigene Beerdigung "mehr Ausdrucksmöglichkeiten für Gefühle, mehr Farbe und mehr Lebensbejahung" wünscht.
Manche legten sogar Wert auf "sexy Sargträger" oder eine "Drag Queen" am Grab - einen homosexuellen Mann in glamourösem Frauenoutfit, sagt Schulz. Andere wollten besondere Blumen mit ins Grab nehmen, etwa weiße Callas. Ein anderer habe in seinen "Lieblingsklamotten, mit denen er abends immer unterwegs war", beerdigt werden wollen: Rosa Hemd, rosa Schal und braune Cordhose.