Panorama

Nachkommen des Scherrifs empört"Billy the Kid" soll begnadigt werden

07.08.2010, 10:00 Uhr
AP80010102820
"Billy the Kid" um circa 1880. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Gesetzloser und Mythos: Westernlegende "Billy the Kid". 129 Jahre nach seinem Tod soll er begnadigt werden. Die Nachfahren des Scheriffs, der ihn zur Strecke brachte, sind empört.

1881. Eine staubige dunkle Hütte in Fort Sumner, US-Bundesstaat New Mexico. Es ist heiß kurz vor Mitternacht, als William H. Bonney mit einem Messer in der Hand in Richtung Küche schleicht. "Wer ist da?", fragt er auf Spanisch. Die Antwort wird er nicht mehr hören, nur den Schuss. Ein Stück Blei bohrt sich in Bonneys Herz und löscht sein Leben aus.

So beschreibt die Legende den Tod des Mannes, der als Westernheld "Billy the Kid" in die Geschichte einging. Er galt als Gesetzloser, Revolverheld und Mörder. Jetzt könnte er begnadigt werden - 129 Jahre nach seinem Tod.

Aufregendes Leben endet mit 21

8501107
Bob Dylan bei Dreharbeiten zum Film "Pat Garrett and Billy the Kid" in Mexiko (Archivfoto von Dezember 1972). (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Viele Mythen ranken sich um den Mann, der 1859 in New York auf die Welt gekommen sein soll - selbst sein richtiger Name ist nicht eindeutig überliefert. Mehr als ein Dutzend Kinofilme und unzählige Legenden haben ihn für Western-Fans dennoch zum Helden gemacht. Sein Leben war aufregend und gilt als Sinnbild für den Wilden Westen. Doch es endete schon mit 21 Jahren.

In der Nacht zum 15. Juli 1881 soll "Billy the Kid" gestorben sein, erschossen von Sheriff Pat Garrett. Der Gesetzeshüter hatte ihn gejagt, nachdem Billy aus dem Gefängnis ausgebrochen war, wo er auf seine Hinrichtung gewartet hatte. Doch wie fast alles rund um "The Kid" bleibt auch das nur eine von vielen vagen Überlieferungen. Ein hartnäckiges Gerücht sagt, Garrett habe den Falschen erschossen und Billy starb erst als 91-Jähriger, also 1950, in Texas.

Wallace betrügt Billy

2003 wollte der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, endlich Licht ins Dunkel bringen. Vor allem der Tod der Legende sollte kriminalistisch erforscht werden - auch, ob die verhängte Todesstrafe rechtens war. Denn der Gouverneur von New Mexico 1881, Lew Wallace, soll "Billy the Kid" damals versprochen haben, ihn zu begnadigen, wenn er in einem anderen Mordfall als Kronzeuge fungiert. Billy tat dies, doch Wallace hielt sich nicht an die Abmachung.

Nach 27 Tagen Haft gelang dem nun verurteilten Mörder die Flucht. Sie endete wenige Wochen später jäh in Fort Sumner, wo die Westernlegende auch begraben sein soll. Viele Touristen wandeln hier auf seinen Spuren. Ein einträgliches Geschäft für die Region.

Gebrochenes Versprechen wiedergutmachen

Jetzt rumort es in den US-Medien wieder. Steht die Rehabilitation des Westernhelden bevor? "Wenn es Beweise gibt, werde ich die Begnadigung von 'Billy the Kid' prüfen", sagte Gouverneur Richardson dem Fernsehsender ABC. Er wolle auch das gebrochene Versprechen von Wallace wiedergutmachen, ergänzte seine Sprecherin Alarie Ray-Garcia.

Historiker Drew Gomber sieht dahinter einen "Reklame-Stunt", um Touristen anzulocken. "Es macht keinen Sinn, die Zivilrechte eines Toten wiederherzustellen", sagte er der Zeitung "El Paso Times".

Gouverneur erfindet eigene Geschichte

AP10072816305
Die Enkelin des Scheriffs, Susan Floyd Garrett, ist gegen eine Begnadigung. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Richardson hat mit seiner Ankündigung auch den Zorn der Nachfahren von Sheriff Pat Garrett auf sich gezogen. "Seit Anfang an haben wir das Gefühl, dass der Gouverneur seine eigene Version der Fakten geschaffen hat, die nichts mit der wahren Geschichte New Mexicos zu tun hat", erklärte die Enkelin des Scheriffs, Susan Floyd Garrett, der Zeitung "Las Cruces Sun News". Die Familie Garrett befürchtet, dass eine Begnadigung das Ansehen ihres Großvaters beschädigen würde. Es könnte der Eindruck entstehen, der Sheriff habe einen Unschuldigen getötet.

Doch unschuldig war "Billy the Kid" sicher nicht. Die Legenden schreiben ihm 21 Morde zu, geschichtlich überliefert sind vier. Die vermeintliche Begnadigung sei deshalb nur Show, vermutet Bernie Sargent, der Vorsitzende der historischen Kommission in El Paso. "Er hat schlimme Dinge getan. Also ist er ein falscher Held."

Showdown muss warten

Gouverneur Richardson hat sich nicht mehr weiter zu dem Vorgang geäußert. Seine Sprecherin Alarie Ray-Garcia erklärte aber, dass viele Gespräche geführt würden. So muss der Showdown noch ein wenig warten. Würde "Billy the Kid" heutzutage leben, hätte Richardson ihm übrigens schon einen lebensrettenden Gefallen getan. Vergangenes Jahr hat er in New Mexico die Todesstrafe abgeschafft.

Quelle: Peter Astashenko, dpa