Panorama

Peter O'Toole ist gestorbenBlaue Augen im Wüstensand

16.12.2013, 08:15 Uhr
imageVon Markus Lippold
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O'Toole als Lawrence, Omar Sharif als Sherif Ali Ibn El Kharisch in "Lawrence von Arabien". (Foto: dpa)

Er ging nur drei Jahre zur Schule, spielte aber bereits mit 23 Jahren den Hamlet. Peter O'Toole war der geborene Schauspieler. Doch es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Ire aus ärmlichen Verhältnissen seinen größten Erfolg als britischer Offizier feierte. Geadelt wollte er trotzdem nicht werden.

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2003 erhielt O'Toole einen Ehrenoscar. Seine blauen, stechenden Augen hatte er da immer noch. (Foto: REUTERS)

Bereits seine dritte Kinorolle brachte ihm den internationalen Durchbruch. Doch es war auch eine Rolle, die er nie wieder loswurde. Peter O'Toole, der am Samstag im Alter von 81 Jahren in London gestorben ist, wird in den Gedanken der Zuschauer immer als Lawrence von Arabien durch die Wüste reiten.

Die hagere Gestalt, die blonden Haare, die blauen Augen im Wüstensand: O'Tooles Darstellung des britischen Offiziers, der im Ersten Weltkrieg die arabischen Stämme zum erfolgreichen Aufstand gegen die osmanische Herrschaft anstachelte, gehört zu den großen Leistungen der Kinogeschichte. Kritiker feierten seine Leinwandpräsenz und die Entschlossenheit, die er mit seiner Mimik ausdrückte, zum Beispiel beim Sturm auf Akaba. Viel später erzählte O'Toole in einer Talkshow, dass er und Kollege Omar Sharif in jener Szene sternhagelvoll waren. Sie hatten zu viel Respekt vor der Massenszene mit unzähligen Statisten, Pferden und Kamelen.

Es war nicht der einzige ironische Moment in Peter O'Tooles Karriere. Der Schauspieler, der immer wieder als britischer Offizier oder Angehöriger der Oberschicht reüssierte, kam aus ärmlichen Verhältnissen in Irland. Er wurde am 2. August 1932 in Connemara im Westen des Landes geboren. Schon früh siedelte die Familie allerdings nach Großbritannien über, O'Toole wuchs in einem irischen Viertel von Leeds auf.

Laufbursche, Fotograf und Journalist

Erst mit elf Jahren kam O'Toole in eine Schule, verließ diese aber nach nur drei Jahren wieder. Fortan schlug er sich als Laufbursche, Fotograf und Journalist durch, bevor er zur Royal Navy ging. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann O'Toole in Laienspielgruppen seine Schauspielkarriere. Nach einem Stipendium an der Royal Academy of Dramatic Arts fand er schnell Arbeit, unter anderem bei der Royal Shakespeare Company.

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Mit Aubrey Hepburn in "Wie klaut man eine Million?" (Foto: imago stock&people)

Die Zeit war günstig. Die britische Schauspieler-Kaste öffnete sich und bot vielen jungen Talenten einen Platz. Davon profitierte eine ganze Generation: Michael Caine aus London, der Schotte Sean Connery und der Ire O'Toole. Sie alle stammten aus einfachen Verhältnissen und wurden zu internationalen Kinostars. "Peter war vermutlich der wildeste von uns allen", konstatierte Caine in seinen Erinnerungen - und berichtete von einer gemeinsamen Sauftour.

O'Toole allerdings hielt es nicht lange am Theater. Nach einigen Fernsehauftritten brachte ihm seine dritte Kinorolle den großen Durchbruch. Für Regisseur David Lean spielte er jenen britischen Offizier, dessen Name seitdem mit O'Toole in Verbindung gebracht wird. Für "Lawrence von Arabien" erhielt er seine erste von acht Oscar-Nominierungen, einen Golden Globe und einen British Film Academy Award.

In den Folgejahren zeigte sich der Ire äußerst vielseitig. Er spielte Hauptrollen in "Was gibt's Neues, Pussy?" nach einem Drehbuch von Woody Allen, in "Wie klaut man eine Million" an der Seite von Audrey Hepburn, in dem Historienfilm "Die Bibel" von John Huston und einen deutschen Wehrmachtsoffizier in "Die Nacht der Generale". Zu seinen bekanntesten Rollen zählten aber immer wieder Vertreter der britischen Oberschicht: ob als "Lord Jim", als Earl von Gurney in "The Ruling Class" oder als König Heinrich II. in "Der Löwe im Winter".

Ritterehren lehnte er ab

Doch auch hier fehlte nicht die Ironie: O'Toole, der in seiner Karriere immer wieder gekrönte Häupter spielte, lehnte ab, als er Mitte der 80er Jahre zum Ritter geschlagen werden sollte. Er gab persönliche und politische Gründe an. Immerhin hatte er sich bereits gegen die Kriege in Korea und Vietnam stark gemacht.

Bereits in den 70er Jahren geriet O'Tooles Leben allerdings aus dem Ruder. Sein ausufernder Alkoholkonsum zerrüttete seine erste Ehe. Er bekam Magenkrebs und Diabetes, musste sich etlichen Operationen unterziehen. 1978 starb er fast an einer Blutkrankheit. Doch er erholte sich wieder und trat noch in einigen bemerkenswerten Filmen auf, etwa als schottischer Lehrer des letzten Kaisers von China oder als Berater von "King Ralph". Er spielte Kaiser Augustus, den trojanischen König Priamos in Wolfgang Petersons "Troja" und schließlich, in einer seiner letzten Rollen, den greisen König in dem Fantasy-Abenteuer "Der Sternwanderer".

2003 erhielt O'Toole endlich seinen Academy Award. Doch es war ein Ehrenoscar. Schriftlich bat er die Academy, damit noch zu warten. Schließlich sei er noch im Spiel und wolle versuchen, einen regulären Preis zu bekommen. Erst seine Kinder konnten ihn umstimmen. Seinen Rückzug von der Schauspielerei gab er erst 2012 bekannt. "Ich habe nicht mehr das Herz dafür, und es wird auch nicht mehr zurückkommen", hieß es in einer Pressemitteilung. Eines aber hatte er in all den Jahren nicht verloren: sein Aussehen. Die hagere Gestalt, die blonden, später weißen Haare, die leuchtend blauen Augen begleiteten O'Toole bis zum Schluss.

Quelle: ntv.de