Panorama

"Splitterflug in Richtung Hauptbahnhof"Fliegerbombe bedroht Potsdam

24.09.2013, 14:13 Uhr
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Stille Wasser sind tief: Seit mehr als sechs Jahrzehnten ruht potenziell tödliche Weltkriegstechnik in der Nuthe. (Foto: dpa)

Brisante Hinterlassenschaften aus den letzten Tages des Krieges bringen in Teilen Potsdams das öffentliche Leben zum Erliegen: Spezialisten wollen einen US-Blindgänger entschärfen und anschließend vor Ort eine historische Panzerabwehrhandgranate sprengen.

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Er wird den oder die Zünder entfernen: Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg. (Foto: picture alliance / dpa)

Gefährliche Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg haben die Behörden in Potsdam zu raumgreifenden Sicherheitsmaßnahmen im Stadtzentrum veranlasst: Mitten in der Landeshauptstadt Brandenburgs kam es am Morgen zu erheblichen Einschränkungen rund um den Hauptbahnhof.

Behörden, Schulen und Kindertagesstätten blieben geschlossen. Der Verkehr im unmittelbaren Umfeld der Evakuierungszone kam zum Erliegen. Knapp 9000 Menschen mussten bis 8.00 Uhr im Umkreis von anderthalb Kilometern um den Fundort der Weltkriegsbombe und einer sowjetischen Handgranate ihre Wohnungen und Arbeitsplätze verlassen. Auch der Hauptbahnhof wurde geschlossen. Die Sicherheitsmaßnahme legt weite Teile der Potsdamer Innenstadt lahm.

Experten des Kampfmittelräumdienstes konnten die historische Fliegerbombe US-amerikanischer Bauart gegen Mittag problemlos entschärfen. Nach Angaben der Stadtverwaltung dauerten die Arbeiten an der Bombe selbst rund eine Stunde. Aufwändiger waren offenbar die Nachkontrollen im extra eingerichteten Sperrkreis rund um die Fundstelle nahe der Nuthemündung in die Havel. Ein zweiter Sprengkörper sollte vor Ort durch eine gezielte Sprengung zerstört werden.

Die brisanten Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs waren in der vergangenen Woche im Rahmen einer systematischen Suche auf dem Grund des Flüsschens Nuthe entdeckt worden. Den Angaben zufolge handelt es sich beim US-Blindgänger um einen Sprengkörper von mittlerer Größe mit einem Gewicht von 250 Kilogramm.

"Den oder die Zünder entfernen"

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Absperrschilder warnen Passanten am Fundort: Für die Brandenburger Kampfmittelräumer ist die Bergung von Blindgängern Alltag. (Foto: dpa)

"Die Fliegerbombe liegt im Wasser in Ufernähe und ist zu zwei Dritteln im Boden", hatte die Stadtverwaltung im Vorfeld mitgeteilt. "Sprengmeister Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg wird versuchen, die Bombe zu bergen und an Land den oder die Zünder der Bombe zu entfernen und somit den Sprengkörper zu entschärfen."

Die besonderen Eigenschaften der Bombe machten dieses Vorgehen möglich: Die Abwurfwaffe war offenbar nicht mit einem chemischen Langzeitzünder ausgestattet. Zünder dieser Bauart gelten als besonders problematisch, da sie aufgrund der langen Lagerung im Erdreich oder unter Wasser stark korrodiert sein könnten.

Die großräumigen Absperrungen gehen auf die Einschätzung der Sprengmeister zurück: Sie beurteilen, "welche Gefahr bei einer Explosion durch den Splitterflug ausgehen würde", wie es in der Mitteilung der Potsdamer Stadtverwaltung hieß. "Aufgrund der Lage der Bombe käme es zu einem ungehinderten Splitterflug in Richtung Hauptbahnhof, während in Richtung Zentrum-Ost die Bebauung den Splitterflug bremsen würde."

Jahrzehnte alte Zündmechanismen

Bereits vor drei Jahren sei eine Fliegerbombe in der Nuthe gefunden worden, hieß es weiter. Sie konnte damals durch eine Sprengung vor Ort unschädlich gemacht werden. Dieses Standardvorgehen konnte dieses Mal nicht in Betracht gezogen werden, erläuterte Schwitzke, da die Bombe nur 35 Meter entfernt von einem Hochhaus im Zentrum-Ost lag und damit "zu dicht an den Fundamenten." Mögliche Schäden seien unberechenbar.

Bei den übrigen Munitionsresten, die ebenfalls im Rahmen der systematischen Suche aufgefunden worden waren, wollten die Experten des Brandenburger Kampfmittelräumdienstes mit Sitz in Zossen dagegen keine größeren Risiken eingehen. Beim zweiten Sprengkörper handelt es sich um eine russische Panzerabwehrhandgranate, die ebenfalls äußerst gefährlich ist, aber aufgrund ihrer Größe und Bauart eine deutlich geringere Sprengkraft als eine Fliegerbombe aufweist.

Es knallt auf jeden Fall

Schwitzke wollte die Handgranate vor Ort im Nuthewäldchen zerstören. Anwohner und Schaulustige müssen daher in jedem Fall mit einer Detonation rechnen. Bis zum Nachmittag sollten beide Sprengkörper unschädlich gemacht werden. Erst danach ist mit einer Aufhebung der Sperrung zu rechnen.

Hinweis: Für Anwohner und Anlieger bietet die Stadtverwaltung Potsdam Informationen zum Sperrkreis im Internet an. Die Karte im pdf-Format finden Sie hier. Für sonstige Informationen im Zusammenhang mit der Evakuierung wird ein Bürgertelefon geschaltet: 0331 - 289-0 (von 8 bis 18 Uhr).

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Quelle: ntv.de, mmo/dpa