Panorama

"Es ist sensationell"Mehrere Tausend Brenner-Anwohner demonstrieren

30.05.2026, 13:14 Uhr
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Teilnehmer der Demonstration habe sich zur Protestaktion gegen die Verkehrsflut am Brenner versammelt. Alle Straßen im Brenner-Korridor sind wegen einer Demonstration für den Transitverkehr gesperrt. +++ dpa-Bildfunk +++ (Foto: picture alliance/dpa)

Die Anwohner des Brennerpasses machen Ernst: Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung durch die Alpen ist gesperrt. Der verantwortliche Bürgermeister stellt klare Forderungen.

Mehrere Tausend Menschen haben sich am Brenner-Pass in Österreich zu einer Demonstration gegen die hohe Verkehrsbelastung an der wichtigen Transitstrecke versammelt. Die Teilnehmer der Veranstaltung in Matrei am Brenner brachten Schilder mit Slogans wie "Genug ist genug!" und "Ruhe im Tal!" mit.

"Es ist sensationell", sagte Protest-Initiator Karl Mühlsteiger zur Zahl der Demonstranten. "Das geht heute in die Geschichte Tirols ein", meinte Mühlsteiger, der Bürgermeister der nahen Gemeinde Gries am Brenner ist. Wegen des Protests ist die Brenner-Route bis zum Abend für Transitfahrten gesperrt. Viele Demonstranten reisten mit Zügen und Fahrrädern an.

Kritik an deutscher Verkehrspolitik

Auf manchen Schildern war auch Kritik an der verzögerten Planung der Bahn-Zulaufstrecke in Bayern zu sehen, die nach der Fertigstellung des Brennerbasistunnels für eine Entlastung der Autobahn sorgen soll. 

Mühlsteiger hatte zuvor gesagt, es gehe bei dem Protest darum, "dass wir ein Zeichen setzen gegenüber Brüssel, gegenüber der Bundesregierung in Wien, dass es so mit dem stetig steigenden Verkehr bei uns nicht mehr weitergehen kann und nicht mehr weitergehen darf". Das massive Verkehrsaufkommen mit seinen Folgen sei "für die Bevölkerung nicht mehr schaffbar, nicht mehr aushaltbar".

Das Gebiet muss weiträumig umfahren werden. Die Brennerstraße B182, die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183) dürfen am Samstag nur Fahrer nutzen, die in der Gegend zu tun haben. Sie müssen dafür einen Nachweis erbringen, wie die Buchungsbestätigung für ein Hotel in der Region oder einen Lieferschein.

Der ADAC und das Auswärtige Amt in Berlin hatten vorab gewarnt, dass auf den Ausweichstrecken bis in den Sonntag hinein mit Staus zu rechnen sei. Das befürchtete Verkehrschaos blieb aber zunächst aus. Am Samstagmorgen war die Lage auf den Straßen in der Region ruhig.

Auf deutscher Seite gab es am Morgen laut ADAC keine Staus wegen der Sperrung. Am Freitagabend hatte sich der Verkehr demnach auf der A93 Richtung Grenzübergang Kiefersfelden auf einer Strecke von bis zu 16 Kilometern gestaut, was zu bis zu einer Stunde Zeitverlust führte. Der ADAC ist mit mehreren Staubeobachtern auf Motorrädern vor Ort im Einsatz, um Tipps zu geben und gegebenenfalls Unterstützung zu leisten.

Vom Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) hieß es am Vormittag, es gebe "überhaupt keine wesentlichen Staus", es sei "bis jetzt sehr ruhig". "Wir haben schon mit mehr gerechnet", hieß es weiter. Anscheinend hielten sich aber viele Fahrerinnen und Fahrer an die Aufforderung, am heutigen Samstag nicht über die Alpen zu fahren.

Schwerverkehr halbieren

Über die Brennerautobahn sind laut dem österreichischen Mobilitätsverein VCÖ im vergangenen Jahr mehr als 2,4 Millionen Lastwagen gefahren. Auf den Transitrouten der benachbarten Schweiz seien es hingegen nur rund 860.000 Lkw gewesen.

Mühlsteiger wirbt daher dafür, die Lkw-Maut auf der Brennerautobahn auf das Schweizer Niveau anzuheben. In der Folge würde sich am Brenner "der Schwerverkehr halbieren, das wäre für uns schon eine sensationelle Errungenschaft", sagte er am Freitag dem Bayerischen Rundfunk.

Die Protestkundgebung war laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA von den Tiroler Landesbehörden zweimal nicht erlaubt worden. Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gab dann jedoch einer Beschwerde gegen den entsprechenden Bescheid wegen Verletzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit statt.

Quelle: ntv.de, Julia Zappei, AFP