Panorama

Kilometerdicke Aschewolke Briten sperren Flughäfen

Der Wind über dem isländischen Gletscher Eyjafjallajökull hat gedreht, die Aschewolke aus dem darunter liegenden Vulkan zieht erneut in Richtung Europa. Der Luftraum über Irland und Großbritannien bleibt teilweise gesperrt. In Deutschland kann "wahrscheinlich bis mindestens Dienstag" uneingeschränkt geflogen werden.

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Kein Ende in Sicht: Der Vulkan auf Island bleibt aktiv.

(Foto: Reuters)

Die Asche des aktiven Gletschervulkans auf Island bremst weiter den Luftverkehr in Europa. Die britische Flugsicherung NATS stoppte alle Starts und Landungen auf einer Reihe von Flughäfen im Norden der Inseln. Dort liegt nach Messungen des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR) eine drei Kilometer dicke Aschewolke in der Luft. Der Luftraum über der Bundesrepublik bleibt nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) aber vorerst frei.

Die britische Flugsicherung NATS verbot Starts und Landungen in Manchester, Birmingham, Liverpool, Leeds sowie in Teilen Schottlands und in der britischen Provinz Nordirland. London war zunächst nicht betroffen. Die Einschränkungen für den Flugverkehr sollen bis mindestens 2.00 Uhr (MESZ) gelten. Auch Irland war betroffen: In Dublin sollen bis voraussichtlich 10.00 (MESZ) die Maschinen stillstehen. Das britische Transportministerium warnte vor möglichen Flugverboten bis mindestens Dienstag.

Deutschland bleibt frei

"Bis auf weiteres kann uneingeschränkt geflogen werden, wahrscheinlich mindestens bis Dienstag", sagte eine DFS-Sprecherin. Unterdessen wurde bekannt, dass Lufthansa-Sicherheitspilot Jürgen Steinberg nach seiner Kritik an den Sichtflügen sein Amt aufgibt. Und Ryanair soll in Italien drei Millionen Euro Strafe zahlen, weil der Billigflieger dort beim Aschealarm im April gestrandete Passagiere im Stich ließ.

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Wiederkehrende Bilder: In Teilen Irlands und Großbritanniens sind Flughäfen gesperrt.

(Foto: AP)

Der DLR-Flug fand Vulkanasche über dem Norden Großbritanniens im Luftraum zwischen 3000 und 7000 Metern, sagte DLR-Sprecher Andreas Schütz nach Rückkehr des Messflugzeugs nach Oberpfaffenhofen bei München. "Die ersten Daten haben wir den Behörden in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland bereits online zur Verfügung gestellt", sagte Schütz. Die Maschine vom Typ Falcon sei momentan das einzige einsatzbereite Messflugzeug in ganz Europa.

Auch eine Lufthansa-Maschine kehrte von einem rund sechsstündigen Vulkanasche-Messflug über Europa am Sonntagnachmittag auf den Frankfurter Flughafen zurückgekehrt, wie eine Sprecherin des Unternehmens mitteilte. Im Bauch der Maschine befand sich der Forschungscontainer "Caribic" des Mainzer Max-Planck-Instituts.

Strafe für Ryanair

Nach seiner Kritik an den Sichtflügen während der Luftraumsperre im April scheidet der Lufthansa-Sicherheitspilot Jürgen Steinberg am 1. August aus seiner Funktion aus. Dies geschehe in beiderseitigem Einvernehmen, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Steinberg hatte sein Ja zu Sichtflügen bedauert und gesagt, dies dürfe sich nicht wiederholen. Er bleibt aber Pilot.

Der Billigflieger Ryanair soll in Italien drei Millionen Euro Strafe zahlen, weil er im Vulkanasche-Chaos gestrandeten Passagieren nicht genug geholfen hat. Das italienische Amt für Flugsicherheit (ENAC) verdonnerte Ryanair zu der Geldstrafe, wie die römische Zeitung "La Repubblica" berichtete. Die Fluglinie sei auf dem römischen Flughafen Ciampino in mindestens 178 Fällen ihren Pflichten nicht nachgekommen. Sie habe Passagiere unzureichend mit Lebensmitteln, Getränken, Hotelbetten oder Ersatzflügen versorgt.

Mitte April waren weite Teile des Luftraums über Europa tagelang gesperrt worden. Zehntausende Flüge fielen wegen der Aschewolke über Europa aus. Hunderttausende Fluggäste strandeten an den Flughäfen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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