Panorama

Hundert Jahre HeimlichkeitBritischer Geheimdienst hat Geburtstag

02.08.2009, 15:49 Uhr
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Blick auf die Zentrale des für die Spionage im Ausland zuständigen britischen Geheimdienstes MI6 im Londoner Stadtteil Vauxhall. (Foto: dpa)

Vor hundert Jahren entstand der Secret Intelligence Service. Weltweit ist er allerdings nicht wegen der deutschen Spione berühmt, die überall lauerten und zu seiner Gründung beitrugen, sondern wegen eines Superagenten mit der Nummer 007.

Die deutschen Spione lauerten überall, ja es wimmelte nur so von ihnen. Als Friseure, Pferdehändler oder Kellner getarnt, wollten sie Geheimnisse aus Großbritannien abgreifen. Das zumindest glaubte die britische Presse. Zusammen mit dem Machtstreben des kaiserlichen Deutschlands war das Grund genug für die Briten, einen organisierten Geheimdienst ins Leben zu rufen. Vor 100 Jahren entstand so der Secret Intelligence Service (SIS). Weltweit ist der allerdings nicht wegen der deutschen Spione berühmt, sondern wegen eines Superagenten mit der Nummer 007.

James Bond knallt sich seit den 60er Jahren durch die Kinos dieser Welt, womit der Hype um die Romanfigur von Ian Fleming erst richtig angeheizt wurde. Im Auftrag Ihrer Majestät sind zwar auch die wirklichen Mitarbeiter im Dienst. Mit dem Baller-Leben eines Agenten - mit Martini in der einen und sexy Bond-Girl an der anderen Hand - hat die Realität allerdings weniger zu tun. "Wir sind nicht im Geschäft, um Menschen auf dunklen Gassen abzuschießen", erklärte der ehemalige Chef des Auslandsgeheimdienstes, Colin McColl, in der BBC.

Von Bond profitieren

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Mit dem aufregenden Leben von 007 hat die Agenten-Realtiät eher weniger zu tun. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch der Bond-Rummel hat auch seine guten Seiten. "Jeder schaut Bond. Warum sollte also unser Ruf nicht auch ein bisschen von Bond profitieren", sagte McColl. Der ägyptische Geheimdienst soll sich die Bücher angeblich sogar angeschafft haben, um die eigenen Agenten besser zu trainieren.

Es liegt in der Natur der Sache, dass selbst der exakte Geburtstermin des Dienstes ein Geheimnis ist. Keine Auskunft, heißt es dazu in den zuständigen Stellen. Im August 1909 formierte sich der Dienst, im Oktober nahm der erste Chef Mansfield Smith-Cumming (genannt "C", nicht "M" wie in den Bond-Filmen) die Arbeit auf. Später entwickelten sich der Inlandsgeheimdienst MI5 und der Auslandsgeheimdienst MI6 heraus, für den auch Bond im Einsatz ist.

Zunächst ein chaotischer Verein

Während der Geheimdienst - zunächst ein etwas chaotischer Verein - um den Zweiten Weltkrieg vor allem mit Nazi-Deutschland beschäftigt war, konzentrierte sich die Arbeit im Kalten Krieg auf die "Bedrohung" durch den Kommunismus. Mittlerweile stehen organisierte Kriminalität, Waffenschmuggel und vor allem der Terrorismus radikaler Islamisten im Zentrum. Wurde dem Geheimdienst nach dem Kalten Krieg der Geldhahn zugedreht, bekam er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder mehr finanzielle Unterstützung.

Schritt für Schritt begab sich der Dienst in die Offenheit: Heute hat er eine schicke Website, er lässt seinen Hauptsitz am Themse-Ufer für Bond-Streifen filmen, wirbt im Internet und per Zeitungsanzeige um Mitarbeiter und sucht - ganz modern - nach schwulen Spionen. Die ehemalige MI5-Chefin Stella Rimington schreibt Agentenromane und die Gesichter der Spionenbosse sind in Zeitungen abgedruckt - früher ein Ding der Unmöglichkeit, gab die Organisation doch erst 1994 ihre eigene Existenz zu. Allzu offen zeigte sich allerdings schon der künftige MI6-Chef John Sawers, den kürzlich Millionen Internetnutzer auf der Website Facebook in Badehosen bestaunen könnten.

Dunkelstes Kapitel: Irak-Krieg

Eines der dunkelsten Kapitel in der Agentengeschichte ist aber der Irak-Krieg. So legte der MI6 der Regierung von Tony Blair vor dem Einmarsch in den Irak einen Bericht vor, wonach das Land Massenvernichtungswaffen hatte. Der Bericht war Grundlage für den Einmarsch - aber Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden. Später hieß es, der Dienst habe seine "unzuverlässigen Quellen" nicht ausreichend überprüft. "Es war eine sehr schwere Zeit", erinnerte sich der derzeitige MI6-Chef und Autor jenes Berichts, John Scarlett. Mit anderen Worten: Es war ein Imagedesaster.

Weniger desaströs, dafür umso bizarrer, war die Anschuldigung des Kaufhaus-Millionärs Mohammed Al-Fayed, wonach der MI6 hinter dem Unfalltod von Prinzessin Diana und seinem Sohn Dodi steckte. In dieser Sache musste - bis dato noch nie dagewesen - der damalige Chef Richard Dearlove vor einem Gericht aussagen.

Foltervorwürfe

Zuletzt stand dagegen der Inlandsgeheimdienst wegen Foltervorwürfen am Pranger: So soll ein ehemaliger Terrorverdächtiger unter anderem in Marokko unter der Mitwisserschaft des MI5 gefoltert worden sein. Zum Geburtstag wünscht man sich eigentlich schönere Schlagzeilen.

Quelle: Annette Reuther, dpa