Panorama

Bei Festnahme betrunkenCorinnas Mörder gesteht

02.08.2009, 18:08 Uhr

Der Mörder der neunjährigen Corinna aus dem sächsischen Eilenburg ist gefasst worden. Er hat die Tat bei der Vernehmung gestanden. Der 39-Jährige ist vorbestraft, allerdings nicht wegen eines Sexualverbrechens.

Der mutmaßliche Mörder der neunjährigen Corinna aus dem sächsischen Eilenburg ist gefasst und hat die Tat gestanden. Das gab Sachsens Landespolizeidirektor Bernd Merbitz bekannt. Der 39 Jahre alte Tatverdächtige wurde am Samstagabend gegen 23.00 Uhr festgenommen. Inzwischen ist er in Untersuchungshaft. Ihm wird Mord, sexueller Missbrauch von Kindern mit Todesfolge und Vergewaltigung mit Todesfolge vorgeworfen. "Wir sind der Überzeugung: Was er gesagt hat, das kann nur er wissen", sagte Merbitz.

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Noch immer herrscht Fassungslosigkeit in Eilenburg. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Corinna war am vergangenen Dienstag vom Spielplatz nicht nach Hause zurückgekehrt. Am Tag darauf wurde ihre in einem Sack versteckte Leiche in einem Nebenarm des Flusses Mulde gefunden. Nach Aussagen von Merbitz liegt der Tatort in der Nähe des Fundortes der Leiche. Der 39-Jährige habe etwa einen Kilometer von Corinnas Elternhaus entfernt gewohnt. Bei seiner Festnahme sei er betrunken gewesen, teilte der Leiter der Polizeidirektion Westsachsen, Jürgen Georgie mit.

Hinweise aus Bevölkerung

Laut Georgie brachten Hinweise aus der Bevölkerung die Beamten auf die Spur des Mannes. Ein Zeuge habe ihn in Begleitung eines Mädchens gesehen, auf das die von der Polizei herausgegebene Beschreibung von Corinna passte, berichtete Georgie. Ein weiterer Hinweis lautete, der Mann habe sich zu einer ungewöhnlichen Zeit ungewöhnlich verhalten. Darüber hinaus sei der 39-Jährige von einem weiteren Zeugen in nasser und verschmutzter Kleidung gesehen worden.

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Die Polizei war mit Spürhunden im Einsatz. (Foto: dpa)

Details der Tat wurden nicht mitgeteilt. "Wir waren diesmal so schnell mit der Ermittlung des Täters, dass wir uns noch am Beginn der Spurenauswertung befinden", sagte Merbitz. Außerdem wollen die Ermittler keine Einzelheiten zur Tat bekanntgeben, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Strobl (Leipzig) ging davon aus, dass der Fall bis ins Letzte hinein aufgeklärt werden kann. Die Festnahme des Mannes sei ein wesentliches Ergebnis, aber nicht das Wichtigste. "Mein Hauptergebnis ist eine Gerichtsverhandlung, die zur Verurteilung führt und zur Verhängung der gerechten Strafe für diesen Täter." Deshalb könne man noch nichts zu Einzelheiten sagten.

Kein Rückfalltäter

Nach Aussagen von Strobl handelt es sich bei dem Festgenommenen um keinen Rückfalltäter. Er sei vorbestraft, aber nicht wegen sexueller Straftaten, sondern anderer Delikte wie Brandstiftung. Der Mann ist geschieden und arbeitslos. Unklar blieb, ob er selbst Vater eines Kindes ist.

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Mehr als 100 Polizisten durchkämmten die Gegend nach Hinweisen. (Foto: AP)

Die Familie von Corinna habe die Nachricht von der schnellen Ergreifung des Täters mit Erleichterung aufgenommen, sagte die Anwältin der Familie, Ina Alexandra Tust. Sie und auch Merbitz baten die Medien darum, sie in Ruhe zu lassen. "Die Familie braucht jetzt Ruhe, sie braucht Zeit zum Trauern", sagte Tust.

Georgie bedankte sich auch für die Hilfe aus der Bevölkerung. Am Ende seien 164 Hinweise zu der Straftat eingegangen. Vier dieser Hinweise hätten auf eine Person hingedeutet. Allerdings habe es nicht die klassische Aussage gegeben: "Das ist der Täter." Bei dem 39- Jährigen hätten die Beamten weitere Verdachtsmomente ermitteln können.

Spurensuche nicht abgeschlossen

Zugleich stellte der westsächsische Polizeichef klar, dass die Spurensuche nicht abgeschlossen ist. Georgie: "Wir befinden uns jetzt in der Phase der Tatortarbeit und wir werden sie auch in den nächsten Stunden nicht abschließen können." Das Gelände bleibe weiträumig abgesperrt. Die Polizei sucht beispielsweise noch immer nach verschwundenen Kleidungsstücken des Kindes.

Der Mord an der kleinen Corinna hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der Fall rief Erinnerungen an die achtjährige Michelle wach, die vor einem Jahr in Leipzig ebenfalls Opfer eines Sexualverbrechers wurde. Nach ihrem Mörder fahndete die Polizei ein halbes Jahr lang. Mit der Ergreifung des Täters in Eilenburg gelang der Polizei nun ein schneller Erfolg. Im Fall Corinna waren zuletzt 122 Polizisten rund um die Uhr im Einsatz.

Quelle: dpa