Panorama

Fünf Jahre Papst Benedikt XVI. Der Zauderer auf dem Heiligen Stuhl

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"Tu' mir dies nicht an", betete Ratzinger zu Gott. Doch er wurde trotzdem Papst.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zum päpstlichen Amtsjubiläum ist die katholische Kirche in einer tiefen Krise. Ob Missbrauchsskandal oder Holocaust-Leugnung - der Papst schweigt zu oft.

Vielleicht ahnte Joseph Kardinal Ratzinger bereits Unheil, als das Konklave im April 2005 zusammentrat, um einen Nachfolger für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. zu bestimmen: "Ich habe mit tiefer Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu' mir dies nicht an", bekannte er kurz nach seiner Wahl zum neuen Papst Benedikt XVI. Fünf Jahre später steckt die katholische Kirche mit Benedikt an der Spitze in einer tiefen Krise. Immer neue Missbrauchsfälle kommen ans Licht, die oft jahrzehntelang in den Kirchenarchiven versteckt blieben - und wie schon im Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson wirkt der zögerliche Papst mit der Situation überfordert.

Reformkräfte schon immer skeptisch

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20. April 2005: Die "Bild"-Zeitung in München jubelt.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir sind Papst", jubelte die "Bild"-Zeitung noch, als erstmals seit fast 500 Jahren wieder ein Deutscher an der Spitze der 1,1 Milliarden Katholiken der Welt stand. Auf seiner ersten Reise nach Deutschland im Sommer 2005 wurde Benedikt XVI. begeistert empfangen, beim Weltjugendtag in Köln jubelten ihm eine Million Gläubige zu. Vergessen schien der Ruf als "Panzerkardinal", den sich Ratzinger als erzkonservativer Chef der vatikanischen Glaubenskongregation erworben hatte. Doch der Papst fremdelte mit der Rolle des Popstars in weißer Soutane: Anders als der Charismatiker Johannes Paul II. gilt der frühere Professor für Dogmatik als kühler Intellektueller.

Reformkräfte in der katholischen Kirche waren von Beginn an skeptisch, dass das Pontifikat Benedikts einen theologischen Aufbruch markieren würde. An der rigiden Sexualmoral mit Verhütungsverbot und Ablehnung von Homosexualität hält der Papst ebenso fest wie am Zölibat. In einigen Fällen drehte Benedikt das Rad des Zweiten Vatikanischen Konzils sogar zurück: Mit der Wiederzulassung der sogenannten tridentinischen Messe in lateinischer Sprache erfüllte er eine langjährige Forderung von Traditionalisten.

Affäre um den Holocaust-Leugner Williamson

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Für den Piusbruder Bishop Richard Williamson hat es den Holocaust nie gegeben (Archivfoto vom 25.02.2009).

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Doch es waren vor allem die Affäre um den Holocaust-Leugner Williamson und der aktuelle Missbrauchsskandal, die das Verhältnis der Öffentlichkeit zum Papst nicht nur in Deutschland deutlich abkühlen ließen. Im Januar 2009 hob Benedikt die Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Bischöfen der erzkonservativen Pius-Bruderschaft wieder auf. Fast gleichzeitig strahlte das schwedische Fernsehen ein Interview aus, in dem Williamson die Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus bestritt.

Der Papst verurteilte eilig jede Form der Holocaust-Leugnung, doch nicht nur jüdische Organisationen beklagten das zaghafte Vorgehen des Vatikans. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sah sich genötigt, vom Papst eine Klarstellung zu fordern. Ausgerechnet während des päpstlichen Amtsjubiläums steht Williamson nun in Regensburg, der langjährigen Heimatdiözese Benedikts, wegen Volksverhetzung in Abwesenheit vor Gericht.

Missbrauchsvorwürfe bis hin zum Papst

Den längsten Schatten über das Jubiläum am 19. April wirft allerdings der Missbrauchsskandal. Die seit einigen Monaten über mehrere Kontinente rollende Enthüllungswelle offenbarte, dass katholische Würdenträger über Jahrzehnte Fälle sexuellen Missbrauchs verschleierten, um das Ansehen der Kirche nicht zu beschädigen. Die Vorwürfe reichen in die höchsten Kreise des Vatikans, bis hin zu Benedikt selbst.

Doch wie beim Fall Williamson zögerte der Papst bislang, eine klare Linie einzuschlagen: Einerseits verurteilte Benedikt sexuellen Missbrauch mehrfach mit scharfen Worten, hatte sich auf seiner US-Reise 2008 sogar als erster Pontifex mit Missbrauchsopfern getroffen. Andererseits verlor er in seiner Osterbotschaft kein Wort zu dem Thema - während sein ranghöchster Kardinal die Kritik als "Geschwätz des Augenblicks" abtat.

Keine Erholung in Malta

Am Wochenende will der Papst nach Malta reisen, die Mittelmeerinsel ist eines der katholischsten Länder der Welt. Eine Atempause vor dem Amtsjubiläum dürfte dem 83-Jährigen aber auch hier nicht vergönnt sein: Die maltesische Kirche hat jüngst eingeräumt, dass in den vergangenen elf Jahren 45 der 850 Priester des Landes unter Missbrauchsverdacht standen.

Quelle: n-tv.de, Gregor Waschinski, AFP

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