Panorama

"Das sind Detailfragen" Die Verantwortlichen schweigen

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Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Loveparade-Organisator Rainer Schaller, der Chef der Duisburger Polizei, Detlef von Schmeling, und Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe im Rathaus der Stadt Duisburg (v.r.n.l.).

(Foto: dpa)

19 Tote und 340 Verletzte habe es gegeben, sagt Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland. Danach sagt er nicht mehr viel. Es gebe viele Fragen, "und diese Fragen brennen mir auch unter den Nägeln". Doch die Beantwortung dieser Fragen "übernimmt jetzt die Staatsanwaltschaft". Der amtierende Polizeipräsident überrascht mit der Bemerkung, sein "persönlicher Eindruck bestätigt eine Massenpanik nicht".

Vier ratlose Gesichter schauen in die Menge. Die Journalisten sind aufgebracht, sie wollen Antworten. Einige von ihnen haben am Vortag von der Loveparade berichtet, haben mit Augenzeugen gesprochen oder die Panik selbst erlebt. "Wir können solche Fragen nicht beantworten, das sind Detailfragen, die jetzt analysiert werden", sagt der Pressesprecher des Loveparade-Veranstalters.

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Im Tunnel selbst soll niemand zu Tode gekommen sein.

(Foto: dpa)

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Loveparade-Organisator Rainer Schaller, Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe und der Chef der Duisburger Polizei, Detlef von Schmeling, sitzen im Rathaus der Stadt Duisburg und sollen erklären, warum am Vortag 19 Menschen am Rande der Massenpanik ums Leben gekommen und 340 Menschen verletzt worden sind. Vor allem Schaller und die Vertreter der Stadt verweisen jedoch darauf, dass sie angesichts der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nichts sagen wollen.

Keine Loveparade mehr

"Worte reichen nicht aus, um das Ausmaß meiner Erschütterung zu erklären", sagt Schaller. Er verkündet das Aus für die Loveparade. Ursprünglich hätte die Veranstaltung im nächsten Jahr nach Gelsenkirchen gehen sollen.

"Dieses Unglück ist so entsetzlich, dass man es nicht fassen kann", sagt Oberbürgermeister Sauerland. Die "Frage nach dem Warum" will der Oberbürgermeister nicht beantworten. Er appelliert "an alle, den ermittelnden Behörden ihre Zeit zu lassen, ihre Arbeit zu tun und keine voreiligen Schuldzuweisungen zu machen". Und er bittet um Verständnis, dass er "auch zum Schutze meiner Mitarbeiter" zu dem "Ereignis" nichts mehr sagen könne.

Staatsanwaltschaft hat Akten abgeholt

Auch Rabe verweist auf die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft, "deswegen haben Sie Verständnis, dass ich zu dieser Angelegenheit nicht mehr Stellung nehmen kann". Rabe und Sauerland teilen mit, sie hätten am Morgen alle Akten der Staatsanwaltschaft übergeben.

Die meisten Fakten kommen von Schmeling. Zwei Strafanzeigen lägen der Staatsanwaltschaft vor. Im Tunnel selbst seien keine Personen zu Tode gekommen. "Alle 16 vor Ort Verstorbenen sind auf der westlichen Seite der Zugangsrampe aufgefunden worden", mit anderen Worten, auf der Seite des ehemaligen Bahnhofsgeländes. Bislang seien erst 16 Opfer identifiziert, darunter ein Niederländer, ein Australier, ein Italiener und ein Chinese. Die Toten seien "zwischen etwas über 20 und knapp 40 Jahren". Später teilt die Duisburger Polizei mit, dass es sich bei den Getöteten um elf Frauen und acht Männer handelt. Sechs von ihnen seien Ausländer, sie kamen aus den Niederlanden, Australien, Italien, China, Spanien und Bosnien.

105.000 oder 1,4 Millionen Besucher?

Nicht bestätigen will Schmeling die Zahl von 1,4 Millionen Besuchern, die vor der Katastrophe am Samstag von der Stadt Duisburg verkündet worden war. Dezernent Rabe betont, dass das Gelände in Duisburg größer gewesen sei als das in Dortmund. Dort hatte die Loveparade 2008 mit angeblich 1,6 Millionen Besuchern stattgefunden.

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Der Platz war zu keiner Zeit vollständig gefüllt, sagt Detlef von Schmeling.

(Foto: dpa)

Der Platz des ehemaligen Güterbahnhofs in Duisburg sei zu keiner Zeit vollständig gefüllt gewesen, betont Schmeling. Die einzig belastbare Zahl komme von der Bahn. Diese habe bis 14.00 Uhr 105.000 Personen zur Loveparade befördert.

Rabe sagt, der Platz könne "weit über 250.000 bis 300.000 Menschen" aufnehmen. Die Diskrepanz zwischen diesen Zahlen und der erwarteten Zahl von über eine Million Besucher kann keiner der vier Männer auf dem Podium erklären. Auch die Zahl von angeblich 1,4 Millionen Besuchern wird nicht erklärt.

"Mein Eindruck bestätigt Massenpanik nicht"

Schmeling verteidigt das Verhalten seiner Beamten gegen scharfe Kritik von Augenzeugen. Auf die Frage, warum die Polizei nicht auf Warnungen von Augenzeugen reagiert habe, sagt er: "Eine Massenpanik ist ein wertender Ausdruck über den Umfang des Geschehens. Mein persönlicher Eindruck bestätigt eine Massenpanik nicht."

Die Polizei habe "ihr Möglichstes" getan, so Schmeling. Vor den Tunneln habe es "Vereinzelungssperren" gegeben. Schon vor dem Unglück habe die Polizei eine zweite Zugangsrampe geöffnet, damit der Druck auf den ersten Zugang nachlassen könne. Er bestätigt allerdings, dass der Tunnel bis 16.00 Uhr der einzige Zu- und Abgang zum Gelände war.

Quelle: n-tv.de

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