Panorama

Missbrauchsprozess im Auftrag RomsDomkapitular jetzt im Ruhestand

30.04.2012, 15:07 Uhr
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Der Bamberger Dom feiert in diesen Tagen sein 1000-jähriges Jubiläum. (Foto: dpa)

Wegen sexuellen Missbrauchs wird ein früherer Bamberger Domkapitular von einem kirchlichen Gericht dauerhaft in den Ruhestand versetzt. Der Verurteilte ist der bisher ranghöchste deutsche Geistliche, dem sexueller Missbrauch nachgewiesen wurde. Der Prozess wurde im Auftrag der römischen Glaubenskongregation geführt.

Mit einem Schuldspruch endete nach mehr als drei Jahren ein kirchenrechtlicher Prozess. Wegen sexuellen Missbrauchs wurde ein früherer Bamberger Domkapitular dauerhaft in den Ruhestand versetzt. Zugleich untersagte ihm das Gericht jede seelsorgerische Tätigkeit, wie das Erzbistum Bamberg mitteilte. Außerdem darf der Geistliche, der bereits 2008 in den vorläufigen Ruhestand versetzt worden war, nicht mehr den Titel "Domkapitular" tragen.

Der Verurteilte ist der bisher ranghöchste deutsche Geistliche, dem sexueller Missbrauch nachgewiesen wurde. Den Prozess hatte das Gericht des Erzbistums München-Freising im Auftrag der römischen Glaubenskongregation geführt.

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Erzbischof Ludwig Schick entschuldigt sich im Namen des Erzbistums. (Foto: dpa)

Das Kirchengericht war überzeugt, dass der heute 67 Jahre alte Priester vor rund drei Jahrzehnten während seiner Tätigkeit im Erzbischöflichen Knabenseminar Ottonianum in Bamberg Schüler sexuell missbraucht hat. Im Urteil ist von sechs "minderschweren Fällen" die Rede. In früheren Mitteilungen hatte das Erzbistum Bamberg von "in Arm nehmen bis hin zum körperlichen Anfassen" gesprochen.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick habe sich nach dem nun rechtskräftigen Urteil in einem Brief an die Opfer gewandt, berichtete das Bistum. Darin habe er sein tiefes Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, "dass ihnen in einer Institution des Erzbistums durch einen Priester solches Leid zugefügt wurde". Zugleich entschuldigte er sich bei den Opfern.

Ehemalige Zöglinge sagen aus

Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen im Jahr 2009 wegen Verjährung eingestellt. Danach strengte die Erzdiözese das kirchenrechtliche Strafverfahren an. Brisant war der Fall, weil zu den Untergebenen des Personalchefs auch frühere Zöglinge des Ottonianums zählten, die ihn mit ihren Aussagen belasteten. Der Geistliche machte damals Erinnerungslücken geltend.

Das Bamberger Kircheninternat, in dem Jungen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren untergebracht waren, ist seit 1999 wegen mangelnder Auslastung geschlossen. Das "Ottonianum" war das erzbischöfliche Knabenseminar des Bistums zur Förderung des Priesternachwuchses und wurde 1866 innerhalb des Priesterseminars gegründet worden.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa