Panorama

Gewalt in Mexiko nimmt zuDrogenkrieg im Grenzgebiet

16.04.2009, 11:04 Uhr

Die Schmugglerkartelle rüsten auf, es herrscht Drogenkrieg im Grenzgebiet. Seit Anfang 2008 sind in Mexiko etwa 7000 Menschen im Zusammenhang mit Drogenkriminalität getötet worden.

Die mexikanischen Polizisten staunten nicht schlecht, als sie Anfang der Woche ein Drogenschmuggler-Versteck an der Grenze zu den USA stürmten. Sie stießen in dem Haus im Bundesstaat Sonora auf ein mobiles Flugabwehr-Geschütz, einen Granatwerfer, Maschinengewehre und massenweise Munition. Die Schmugglerkartelle rüsten auf, es herrscht Drogenkrieg im Grenzgebiet. Seit Anfang 2008 sind in Mexiko etwa 7000 Menschen im Zusammenhang mit Drogenkriminalität getötet worden, die Gewalt schwappt über die Grenze in die USA. Das Thema steht beim ersten Mexiko-Besuch von US-Präsident Barack Obama am Donnerstag ganz oben.

Machtdemonstration mit spektakulären Morden

Auf der US-Seite der Grenze, im Bundesstaat Arizona, steigt die Furcht. Justiz und Regierung registrieren schockiert einen Anstieg haarsträubender Gewalttaten. "Das hat ein Maß erreicht, wie wir es noch nicht erlebt haben", sagt Jonathan Paton, Mitglied des Senats von Arizona. Durch spektakuläre Morde demonstrieren die Kartelle ihre Macht, Leichen werden als Mahnung irgendwo abgeladen. Unlängst wurde in der Wüste ein ermordeter Mann mit Folterspuren gefunden, der mumienähnlich in Klebeband eingewickelt war. "Solche betont sichtbaren Botschaften nehmen immer mehr zu", sagt Senator Paton besorgt.

Seit Mexikos Präsident Felipe Caldern 2008 den Drogenkartellen militärisch den Kampf ansagte und 36.000 Soldaten für die Aufgabe abkommandierte, ist die Gewalt eskaliert. In nur einem Jahr sind mehr Menschen getötet worden als etwa in dem jahrzehntelangen Nordirland-Konflikt. Obamas Regierung will die mexikanischen Behörden mit 1,4 Milliarden Dollar im Kampf gegen die mächtigen Drogenkartelle unterstützen, sogar Kampfhubschrauber vom Typ Blackhawk sollen an den Nachbarn geliefert werden. Denn die über 3000 Kilometer lange Grenze lässt sich nicht lückenlos kontrollieren, die Gewalt hat die USA erreicht.

Alarmierend und furchteinflößend

Der Krieg unter der glühenden Wüstensonne an der Grenze ist schmutzig und brutal. "Es ist wirklich alarmierend und furchteinflößend", gibt Leutnant James Warriner von den Sicherheitsbehörden in Arizona zu. "Wir haben hier Mordfälle, die wirklich jenseits aller Menschlichkeit sind." Erst kürzlich wurden mehrere Leichen in einem Vorort der Arizona-Metropole Phoenix gefunden. Die rivalisierenden mexikanischen Kartelle tragen ihren Kampf mit demonstrativer Gewalt aus, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

Zu den Opfern der Kartelle in den USA zählen nicht nur rivalisierende Gangmitglieder, sondern auch illegale Einwanderer. Die Drogenringe sind in das profitable Geschäft mit der Einwanderung eingestiegen und schleusen Lateinamerikaner gegen viel Geld über die Grenze - nur, um sie dort zu erpressen und zu misshandeln. Allein in Phoenix gebe es etwa tausend sogenannter "Safehouses", in denen die Schmuggler die Zuwanderer einpferchen und ihnen mit roher Gewalt weiteres Geld abpressen, sagt Leutnant Warriner.

Moderne Sklaverei schrecklichen Ausmaßes

Senator Paton hat kürzlich ein solches Haus besucht. "Nebenan ist dann gleich das Folter- und Vergewaltigungszimmer", berichtet er im Gespräch mit AFP. "Sie sagen den Immigranten: Hey, wir wollen von euch 2000 Dollar, sonst werden wir einen von euch foltern und vergewaltigen." Der Politiker ist entsetzt: "Das ist das Böse schlechthin, es ist moderne Sklaverei von schrecklichem Ausmaß."

Mit seinem Besuch in Mexiko, der ersten Station seiner Lateinamerika-Reise, will US-Präsident Obama seinen Willen zu einer gemeinsamen Lösung des Problems demonstrieren. Zu lange, kritisieren Experten, habe die US-Regierung den Drogenkrieg als rein mexikanisches Problem betrachtet. "Zum ersten Mal seit Jahrzehnten erkennen die USA nun an höchster Stelle eine Mitverantwortung für das Drogenproblem an", lobt die Lateinamerika-Expertin Rosanna Fuentes-Berain vom Politikmagazin "Foreign Affairs".

Quelle: Scott Seckel, AFP