Was sonst noch passierteEin Schlafzimmer voller Mahnungen
Diese Woche flog die Sammelleidenschaft eines Postboten auf, ein Waschbär entpuppte sich als echter Feinschmecker und die Sexindustrie entdeckte den Klimaschutz.
Diese Woche flog die besondere Sammelleidenschaft eines Postboten auf, ein Waschbär entpuppte sich als echter Feinschmecker und zu guter Letzt entdeckte die Sexindustrie den Klimaschutz.
Weil ihm die Arbeit über den Kopf wuchs, hat ein Brandenburger Briefträger eines privaten Zustelldienstes rund 1000 amtliche Schreiben und Mahnbescheide zu Hause gehortet. Ein Schöffengreicht verurteilte den geständigen 29-Jährigen deshalb zu einem Jahr und sechs Monaten Bewährungsstrafe. In der Verhandlung erläuterte der Mann, dass er trotz eines langen Arbeitstages die Postflut nicht vollständig bearbeiten konnte.
Der Mann sei für mehrere Städte in Brandenburg sowie Teile von Berlin zuständig gewesen. Die übrig gebliebene Postsendungen habe er zwischen Mai 2007 und Januar 2008 im Schlafzimmer gelagert. Welche Auswirkungen die nicht zugestellten Mahnbescheide und auch andere offizielle Schreiben haben, konnte das Brandenburger Justizministerium zunächst nicht sagen. Die Sache werde geprüft. Das wird noch einige Zeit dauern, sagte ein Sprecher des Potsdamer Ministerium.
Waschbär als "Naschbär"
Ein tierischer Feinschmecker ist in einen Supermarkt im hessischen Romrod eingebrochen und hat sich den Bauch mit Markenschokolade vollgeschlagen. Eine Alarmanlage hatte in der Nacht den vierbeinigen Einbrecher gemeldet, hieß es im Polizeibericht. Der Waschbär sei vermutlich durch einen Lüftungsschacht in den Supermarkt geklettert. Als die Polizei eintraf, hatte er mehrere Packungen Schokolade aufgerissen. Der Diensthund spürte den Dieb hinter einer Palette mit Kaminholz auf. Der Waschbär wurde "nach den polizeilichen Maßnahmen in die freie Natur entlassen", hieß es im Polizeibericht.
Vermeintliche "Treffer"
Der US-Präsident wurde nicht ermordet, weder in Berlin noch in Frankfurt am Main gab es schwere Terroranschläge: Wahrsager tappten auch 2009 im Dunkeln, teilte die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) im südhessischen Roßdorf mit. "Zum Ausgang der Bundestagswahl haben sie das angekündigt, was viele Menschen sowie schon dachten: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin", sagte der Mathematiker Michael Kunkel aus Wuppertal. Er wertete rund 140 Prognosetexte aus. Ein "Treffer" war der Tod des Popstars Michael Jackson. Aber das war auch schon in den Vorjahren vorhergesagt worden.
Die GWUP zählt nach eigener Darstellung mehr als 900 Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte. Der Verein sei als gemeinnützig anerkannt und trete für Aufklärung und kritisches Denken ein.
Recyclebarer "Erdenengel"
Während Staats- und Regierungschefs bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen um ein Abkommen zur wirksamen Bekämpfung der Erderwärmung ringen, hat die Sexindustrie bereits mit einem Öko-Vibrator ihren Beitrag geleistet. Das kleine irische Unternehmen Canden erfand Vibratoren mit dem poetischen Namen Earth Angel ("Erdenengel), die nicht mit Batterien, sondern mit einer Handkurbel betrieben werden. Wenn der Besitzer oder die Besitzerin die Kurbel am Boden des Geräts ausklappt und vier Minuten lang betätigt, kann er oder sie sich bis zu eine halbe Stunde lang mit dem Vibrator vergnügen. Außer mit seinem klimaneutralen Antrieb punktet das Gerät bei Umweltschützern damit, dass es aus recyclebaren Materialien hergestellt wird.
"Wir wollten ein Sex-Spielzeug entwerfen, das die Umwelt schont und allen Konsumenten gefällt", erklären die Gründer von Canden, das Ehepaar Chris und Janice O'Connor. Schließlich habe jede Branche die "Verpflichtung, ihr Mögliches zu tun, um die Folgen des Klimawandels zu verringern". Seit April wurden etwa tausend Stück unter das Volk gebracht. Sie werden in China hergestellt und von einem englischen Unternehmen verkauft, weil dies im katholischen Irland undenkbar sei, sagen die O'Connors. Chris O'Connor findet religiöse Einwände gegen den Öko-Vibrator allerdings nicht stichhaltig: "Ganz ehrlich, warum sollte Gott was gegen etwas haben, das umweltfreundlich ist und der Umwelt nicht schadet?"