Panorama

Brand in Kathedrale eingedämmt Ermittler vermuten Brandstiftung in Nantes

Erneut steht ein Gotteshaus in Frankreich in Flammen: In der Stadt Nantes bricht ein Feuer in der katholischen Kathedrale aus. Einsatzkräfte sprechen von einem Großbrand, die Staatsanwaltschaft geht von Brandstiftung aus.

In der Kathedrale der westfranzösischen Stadt Nantes ist ein Feuer ausgebrochen. Der Brand sei jedoch eingedämmt, sagte der Leiter der örtlichen Feuerwehr, Laurent Ferlay. Völlig beschädigt wurde etwa die Orgel, nur ein verkohlter Trümmerhaufen sei noch übrig. Die Plattform, auf der das Instrument stehe, sei instabil und drohe zusammenzubrechen, sagte Ferlay. Nach Medienangaben waren mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz, um den Brand zu löschen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Brandstiftung. An drei Stellen sei das Feuer ausgebrochen, sagte der Staatsanwalt von Nantes, Pierre Sennes, dem lokalen Radiosender France Bleu Loire Océan. Das könne kein Zufall sein. Ermittler würden die Kirche im Laufe des Tages besuchen. Erste Untersuchungen hätten allerdings keine Spuren eines Einbruchs in die Kirche gezeigt, sagte Sennès.

Ein Brandherd sei bei der großen Orgel und zwei weitere links und rechts im Kirchenschiff festgestellt worden, berichtete der Fernsehsender BFMTV unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Der Brand war laut Feuerwehrangaben am Samstagnachmittag unter Kontrolle. Es wurde aber davon ausgegangen, dass die Arbeiten noch bis in die Nacht fortgeführt werden.

Auf einem Video der Feuerwehr war zuvor schwarzer Rauch zu sehen, der aus einem Fenster der Hauptfassade aufstieg. Hinter den Fenstern waren Flammen zu sehen. Die Feuerwehr des zuständigen Département Loire-Atlantique hatte dazu aufgerufen, den Bereich zu meiden.

Mit einem Kran sollten Medienberichten zufolge Überreste der verbrannten Orgel abgetragen werden, um an die letzten Glutherde zu gelangen. Die Diözese veröffentlichte Bilder der Schäden. Große Teile der Orgel waren in den Innenraum der Kirche gefallen. Die Orgel und auch ein großes Buntglasfenster aus dem 15. Jahrhundert seien komplett zerstört, teilte die Diözese mit. Auf den Bildern waren zudem ein schwarz ausgebrannter Schrank und großflächige Rußspuren an der Wand dahinter zu sehen.

Die Feuerwehr sei am Morgen gegen 7.30 Uhr alarmiert worden, teilte die Diözese von Nantes mit. Die Hauptorgel sei vollständig verschwunden, sagte Diözesanverwalter François Renaud nach einem Besuch in der Kirche. Der Verlust sei unbezahlbar. Die Orgel stammte demnach ursprünglich aus dem Jahr 1619 und wurde mehrfach erneuert und erweitert. Orgeln seien sehr brandanfällig, weil dort viel Holz und Blei sei, das gut brenne, erklärte die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner dem Kölner Domradio. "Orgeln sind einfach das brennbarste Material, das es in Kirchen gibt." Schock-Werner ist die Koordinatorin der deutschen Hilfe für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame.

Die Kathedrale von Nantes aus dem 15. Jahrhundert ist den Aposteln Peter und Paul geweiht und gehört zur französischen Spätgotik. Bei einem Feuer 1972 wurde nach Angaben der Diözese von Nantes der Dachstuhl der Kirche komplett zerstört. Nach Restaurierungsarbeiten öffnete die Kirche 1985 wieder ihre Türen. 2015 hatte in Nantes zudem ein spektakuläres Feuer das Dach der Basilika Saint-Donatien zerstört.

Schmerzhafte Erinnerung an den Brand von Notre-Dame

Die Kathedrale wurde schon einmal durch einen Brand teilweise zerstört. Am 28. Januar 1972 hatte ein Dachdecker das Gebäude versehentlich mit einer Lötlampe entflammt. Die Kathedrale konnte erst im Mai 1985, nach mehr als 13 Jahren Arbeit, wieder für Gottesdienste verwendet werden.

Im Juni 2015 stand zuletzt eine Kirche in Nantes in Flammen. Im Dachstuhl der Basilika Saint-Donatien war ein Feuer ausgebrochen. Die Sicherung des Gewölbes und der Tragpfeiler nach dem schweren Brand nahm mehr als zwei Jahre in Anspruch.

Der Brand in der Kathedrale weckte in Frankreich außerdem Erinnerungen an das verheerende Feuer in der weltberühmten Pariser Kirche Notre-Dame vor mehr als einem Jahr. "Nach Notre-Dame steht die Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul im Herzen von Nantes in Flammen", schrieb Staatschef Emmanuel Macron auf Twitter. Die Kirche sei ein "gotisches Juwel".

Frankreichs Premierminister Jean Castex bedankte sich bei den Feuerwehrleuten auf Twitter für ihren Einsatz. Den Menschen in Nantes wolle er seine Solidarität aussprechen, schrieb Castex. Er kündigte an, am Samstagnachmittag gemeinsam mit Kulturministerin Roselyne Bachelot und Innenminister Gérald Darmanin nach Nantes zu fahren, um den Schaden zu sehen.

Quelle: ntv.de, mba/agr/AFP/dpa