Panorama
Dienstag, 20. Oktober 2009

Arzt geknebelt und verschleppt: Erstes Geständnis im Fall Dieter K.

Ein Rächer hat den deutschen Arzt Dieter K. entführt, dem in Frankreich wegen fahrlässiger Tötung eine mehrjährige Gefängnisstrafe droht, und vor einem Gerichtsgebäude im Elsass abgelegt. Nun gibt es in dem Fall ein erstes Geständnis.

André Bamberski versucht seit Jahren, den Arzt Dieter K. in Frankreich hinter Gitter zu bringen. Hier ein Bild vom Juli 2007, als Bamberski in Coburg im Prozess gegen K. auftrat.
André Bamberski versucht seit Jahren, den Arzt Dieter K. in Frankreich hinter Gitter zu bringen. Hier ein Bild vom Juli 2007, als Bamberski in Coburg im Prozess gegen K. auftrat.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem mysteriösen Tod einer 15-jährigen Französin hat ein Unbekannter den deutschen Stiefvater des Mädchens geknebelt und nach Frankreich verschleppt. Der 74 Jahre alte Arzt wurde mit einer Kopfverletzung in der Nähe eines Gerichts im elsässischen Mülhausen gefunden. Die französische Polizei nahm den Arzt sowie auch den leiblichen Vater des Mädchens, André Bamberski, fest.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kempten hat ein 38-jähriger Mann aus dem Kosovo inzwischen gestanden, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Es soll weitere Komplizen gegeben haben. Die Polizei vermutet, dass der leibliche Vater des Mädchens hinter der Aktion steckt. Die Polizei nahm die Ermittlungen gegen ihn auf. Der 74-Jährige streite die Tat ab, gebe aber zu, dass er den deutschen Arzt von Privatdetektiven beschatten ließ, teilte die Staatsanwaltschaft von Mülhausen mit. Er habe zudem mit den Entführern des Kardiologen telefonischen Kontakt gehabt. Der Vater habe "anständigerweise zugegeben, dass er es nicht hinnehme, dass der Mörder seiner Tochter nicht ausgeliefert wird", sagte der Staatsanwalt.

Verfahren gegen Arzt in Deutschland eingestellt

Der leibliche Vater ist überzeugt, dass der Stiefvater Dieter K. seine Tochter 1982 in Lindau am Bodensee vergewaltigen wollte und ihr eine tödliche Spritze gab. Bei der Obduktion wurden Genitalverletzungen festgestellt. Ein französisches Gericht hatte den Stiefvater 1995 in Abwesenheit wegen fahrlässiger Tötung des Mädchens zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Mann wurde jedoch nie nach Frankreich ausgeliefert. Die deutschen Behörden hatten ein Verfahren eingestellt, weil die Todesursache ihrer Ansicht nach nicht zu ermitteln war. Der leibliche Vater kämpft seit Jahren dafür, dass der Arzt in Frankreich seine Strafe absitzen muss.

Der Kardiologe war 1997 in Kempten zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er eine unter Narkose stehende 16-Jährige vergewaltigt hatte. Er hatte ihr zwei Beruhigungsspritzen gegeben und sich nach einer Magenspiegelung an dem wehrlosen Mädchen vergangen. 1997 verlor er in Deutschland seine Zulassung als Arzt. Vor zwei Jahren verurteilte ihn das Landgericht Coburg wegen Betrugs zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis, weil er seinen Beruf illegal weiter ausgeübt hatte.

Der leibliche Vater sei verzweifelt über die Untätigkeit der Justiz, "aber ich weiß nicht, ob er den Arzt nach Frankreich gebracht hat", sagte ein Bekannter des Vaters und Vorsitzender der Vereinigung "Gerechtigkeit für Kalinka" im französischen Rundfunk. Die Polizei hatte das Alter des getöteten Mädchens zunächst mit 14 Jahren angegeben. Der in Bayern lebende K. befand sich am Dienstag in Mülhausen in Haft und sollte nach Paris gebracht werden.

Quelle: n-tv.de