Essen und Trinken

Lieblingsrezepte mit GeschichtenPatricia Kelly lädt in ihre Welt ein

12.03.2026, 18:01 Uhr 20210831-145536Von Heidi Driesner
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"Etwas Irischeres als Irish Stew kann man gar nicht bekommen", heißt es über den traditionellen Lamm-Eintopf im Buch. (Foto: Hubertus Schüler)

Patricia Kellys biografisches Kochbuch ist eine liebevoll erzählte Reise durch sechs Länder. Jedes Land spiegelt ein Stück ihres Lebenswegs und die Freude über die unterschiedlichen Küchen wider. Die Familienrezepte werden begleitet von berührenden, lustigen oder nachdenklich stimmenden Geschichten.

Männer sollten uns Frauen endlich die gleiche Kraft zutrauen, wie sie es stets von sich selbst behaupten! Bediene ich da etwa ein Klischee? Mag sein, aber wie meine Oma schon sagte: In jedem Klischee steckt ein Körnchen Wahrheit. Jedenfalls fängt die Entstehungsgeschichte eines Kochbuchs an, als eine starke Frau, Ehefrau, Mutter, Musikerin und Unternehmerin sich sagt: Euch werde ich es zeigen! "'Mama, du schreibst ein Kochbuch?', fragte einer meiner Söhne. Haha, er konnte gar nicht aufhören, darüber zu lachen. Mein Mann Denis stimmte mit ein. Ich wurde plötzlich ganz still und fühlte mich getroffen - davon, dass meine eigenen Kinder von meiner Vergangenheit als langjährige Köchin unserer Kelly Family so wenig wussten. Und offensichtlich kannten sie auch diesen alten Traum von mir nicht: all die Rezepte von unseren Reisen und unserer Familie eines Tages aufzuschreiben." So leitet Patricia Kelly ihr Kochbuch ein, mit dem sie ein Herzensprojekt verwirklicht.

"Patricia Kelly's Family-Kochbuch" ist im Becker Joest Volk Verlag erschienen und steckt voller Lieblingsrezepte und Erinnerungen. Die Fans der Kelly Family werden es lieben! Winken Sie nicht gleich ab, weil Sie einen anderen Musikgeschmack haben. Ob Sie nun lieber begeistert rappen oder bei Verdis Gefangenenchor ins Schwärmen geraten - das Buch ist definitiv nicht nur etwas für Kelly-Fans. Falls Sie sich gerne durch die Küchen dieser Welt kochen, werden Sie bei über 70 traditionellen Gerichten aus sechs Ländern fündig. Die Kapitel sind in Irland, Spanien, Frankreich, USA, Niederlande und Deutschland gegliedert, eingeschlossen sind eigene Kelly-Style-Rezepte für Brot, Müsli oder Bratkartoffeln. Generell gilt: Die Rezepte sind übersichtlich, verständlich geschrieben und leicht nachzukochen; die Gerichte kommen ohne Chichi aus. Landestypische Klassiker wie Irish Stew, spanische Tortillas oder die berühmten französischen Saucen, Käsekuchen oder Crème caramel, Gulasch oder Burger sind oft zu beliebten Gerichten der großen Kelly Family geworden. Persönliche Geschichten begleiten jedes Familienrezept. Schwarz-Weiß-Illustrationen nach alten Familienfotos, lebensfrohe Porträts und lecker aussehende Food-Fotos untermalen Storys und Rezepte.

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Patricia Kelly´s Family-Kochbuch: Meine Lieblingsrezepte und persönliche Erinnerungen. SPIEGEL-Bestseller mit köstlichen traditionellen Gerichten aus ... traditionelle Gerichte aus 6 Ländern
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29,95 €

Höhen und Tiefen

Patricia Kellys Erinnerungen an Kindheit und Jugend berühren; auch Nicht-Kelly-Fans dürften so empfinden. Die Anekdoten sind zum Teil herrlich amüsant, machen jedoch auch nachdenklich. Aber stets sind sie eine freimütige Sicht auf ein außergewöhnliches Familienleben: immer unterwegs, mitunter im Tourbus "wohnend", den Unterhalt mit Straßenmusik verdienend und das nicht immer erfolgreich, oft von Existenzangst geplagt. Und wie aus Medien bekannt sein dürfte: bewundert oder beneidet wegen ihrer "alternativen Lebensform", dafür aber auch belächelt oder gar verspottet. Patricia ist noch ein Kind, als ihre Mutter Barbara-Ann in einem kleinen spanischen Dorf stirbt: 12 Tage vor Patricias 13. Geburtstag. Fortan sorgt sich die 13-Jährige gemeinsam mit älteren Geschwistern um das Wohl der Familie, da lastet eine große Verantwortung auf Kinderschultern. Später wird sie zur rechten Hand ihres Vaters im Geschäft und ist für vieles zuständig. Erst 1974 gelingt der musizierenden Familie der kommerzielle Durchbruch.

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Die Kürbissuppe mit Kokosmilch, Ingwer und Kürbiskernen ist ein Lieblingsessen, gekocht von Ehemann Denis. (Foto: Hubertus Schüler)

Auch die Jahre in Deutschland sind eine prägende Zeit. Von Straßenfesten arbeiten sich die Sänger und Musiker hoch bis in die Hallen und die größten Fußballstadien, dazu kommen 25 Millionen verkaufte Tonträger, unzählige Gold- und Platinplatten. "Wir hatten Höhen und Tiefen", schreibt Patricia Kelly. "Wir hatten große Träume und eine große Vision, aber es gab auch viele Ängste und Unsicherheiten."

Patricia braucht etliche Jahre, um sich vom Vater und den Geschwistern zu lösen und ein eigenes Leben zu beginnen. Sie ist bereits 27 Jahre alt, als sie nach einem Streit mit dem Vater, den sie als liebevoll, aber sehr dominant beschreibt, beschließt, auf eigenen Füßen unterwegs zu sein: "In den Bergen von Killarney hatte ich die Stille lieben gelernt - und ich entdeckte meine eigene Stimme. Nicht die Stimme meines Vaters, die meiner Geschwister, der Plattenfirmen, Medien und so weiter. Meine eigene innere Stimme. Wer war ich und was brauchte ich für mein Leben? Ich wollte die Liebe meines Lebens finden und eine eigene Familie mit vielen Kindern gründen. Und ich wollte eine große Küche für Familienessen und wunderbare Zusammenkünfte." Die Zeit dort an der Westküste Irlands beschreibt die Autorin als "eine ganz besondere Zeit, in der ich den Mut fand, allein zu leben, selbst zu denken und zu entscheiden".

Spanische Heimat

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Das Rezept für den spanischen Kichererbseneintopf stammt aus Patricia Kellys Geburtsort. (Foto: Hubertus Schüler)

In Patricias spanischem Geburtsort (1969) Gamonal, einem kleinen Dorf in Kastilien, wird die Familie heimisch. Die ersten Lieder der Kelly Family sind Weihnachtslieder und Kinderlieder - "wir sangen aus purer Freude". Es gibt keinen Fernseher, kein Internet, kein Handy. Mit großer Liebe und Achtung erinnert sich die Autorin an die Haushälterin und gute Seele des Hauses Tia (Tante) Narcisa, die wie eine zweite Mutter für all die Kelly-Kinder ist. "Ich erinnere mich noch so gut an den Geschmack der Garbanzos (Kichererbsen). Sie schmelzen schon auf meiner Zunge, wenn ich nur daran denke. Bis heute habe ich nichts anderes gegessen, das mir so gut schmeckt. Kichererbsensuppe gehört zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen. Und Tia Narcisa kochte die besten Garbanzos der Welt! Ich weiß noch genau, wie sie für uns kochte und dabei mit mir zusammen am Feuer sang."

Cocido de garbanzos (Eintopf mit Kichererbsen, Schweinefleisch und Chorizo)

Zutaten für 4-6 Personen:

3 Knoblauchzehen

1 Zwiebel

2 EL Olivenöl

2 Karotten

1 Stange Porree

600 g Schweinefleisch (Sorte nach Belieben)

4 Lorbeerblätter (frisch oder getrocknet)

300 g Kichererbsen, über Nacht eingeweicht und abgetropft

Salz

schwarzer Pfeffer aus der Mühle

100 g Chorizo (spanische Paprikawurst)

500 g vorwiegend festkochende Kartoffeln

¼ kleiner Spitzkohl

Zubereitung: 20 Minuten plus 2,5 Stunden Garzeit

Knoblauchzehen und Zwiebel schälen, klein würfeln und mit 1 EL Olivenöl in einem großen Topf bei niedriger Hitze anbraten.

Inzwischen Karotten und Porree putzen und waschen. Karotten würfeln, Porree in Ringe schneiden und beides mitbraten. Das Fleisch mit kaltem Wasser abbrausen, trocken tupfen und kurz mit dem Gemüse anbraten.

Mit 1,5 Liter Wasser auffüllen, Lorbeerblätter und Kichererbsen dazugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen und etwa 2,5 Stunden mit leicht geöffnetem Deckel langsam köcheln lassen. Dabei nach Bedarf Wasser nachfüllen. Den grauen Schaum und überflüssiges Fett gegebenenfalls mit einem Schaumlöffel von der Oberfläche entfernen, da der Schaum die Suppe trübt.

Die Chorizo in dicke Scheiben schneiden und in den Topf geben. Die Kartoffeln schälen, abbrausen und in mundgerechte Stücke schneiden. Den Spitzkohl waschen, Strunk entfernen und den Kohl in etwa 2 cm große Stücke schneiden. Kartoffeln und Spitzkohl in den letzten 45 Minuten Garzeit mit in den Topf geben.

Zum Servieren das Fleisch herausnehmen, von den Knochen lösen, würfeln und wieder dazugeben. Den Eintopf mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit dem restlichen Olivenöl beträufeln.

Tipps: Mittlerweile ersetze ich Schweinefleisch durch Rindfleisch. Um den Kochvorgang zu beschleunigen, kannst du Kichererbsen aus dem Glas nehmen und einen Schnellkochtopf benutzen, so wie wir es heute als Familie tun.

Französische Lehrjahre

Mitte der 1980er Jahre lebt die Familie im Westen Frankreichs, in der Bretagne. Sie kommt in einem Frühjahr am Stadtrand von Brest an, lässt zwei Jahre Stadtleben in Paris und eine schwere Zeit hinter sich. Die Pariser Zeit ist geprägt von Existenzängsten, die Familie kommt gerade so über die Runden. "Im ersten Winter hatten wir nicht einmal das Geld, um unsere drei Zimmer in einem heruntergekommenen Hotel zu bezahlen. Wir sangen in der Metro, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten."

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Die französische Apfeltarte ist noch heute Tradition und erinnert an Bruder Paul. (Foto: Hubertus Schüler)

Die Bretagne "war wie Balsam für unsere Kinderseelen und unsere Sehnsucht nach freiem Auslauf in der Natur" und die Familie kann die schwierige Zeit nach dem Tod der Mutter endlich hinter sich lassen. Frankreich - das sind Patricias Lehrjahre, vor allem am Herd. Ihr Bruder Paul macht in Paris eine Ausbildung zum Koch und bringt ihr einiges bei. Patricia lernt Französisch und gute Manieren, die Kunst der Kulinarik und gewinnt Freunde. "Wie meine französischen Freunde ist auch die Tarte aux pommes bis heute bei mir geblieben. Während ich einige der anspruchsvollen und aufwendigen Rezepte seit Jahren nicht mehr gekocht habe, ist die Apfeltarte zur Tradition in meiner kleinen Familie geworden."

Tarte aux pommes (Apfeltarte)

Zutaten für 8-12 Stücke:

1 Ei (Größe M)

250 g Weizenmehl (Type 405)

125 g Butter plus etwas zum Ausstreichen der Form

5 g Salz

50 g Zucker

800 g Äpfel (z. B. Boskop oder Golden Delicious)

300 g Apfelmus aus dem Glas

Außerdem

Tarteform (Ø 26-28 cm) 

Zubereitung: 20 Min. plus 30 Min. Ruhezeit und 45-55 Min. Backzeit

Das Ei trennen. Mehl in eine Schüssel geben, in der Mitte eine Mulde formen. Das Eigelb und die Butter in kleinen Würfeln in die Mulde geben. Salz, Zucker und 50 ml Wasser dazugeben.

Mit den Fingerspitzen von der Mitte nach außen immer mehr Mehl unterarbeiten. Ist der Teig zu trocken, vorsichtig etwas Wasser dazugeben. Dabei nicht zu lange kneten (es ist kein Brotteig). Teig in Frischhaltefolie wickeln und etwa 30 Minuten kalt stellen.

Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Tarteform mit etwas Butter ausstreichen. Teig passend zur Größe der Form ausrollen und in die Form legen, dabei überall einen Rand hochziehen. Teig mehrfach mit einer Gabel einstechen. Im vorgeheizten Backofen (mittlere Schiene) etwa 10 Minuten vorbacken.

Inzwischen die Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Apfelmus auf dem Tarteboden verteilen. Apfelscheiben leicht überlappend in Rosettenform darauflegen, dabei von außen beginnen.

Die Tarte im vorgeheizten Ofen (mittlere Schiene) 40-50 Minuten backen. Herausnehmen, auf der Oberfläche und an den Rändern mit Eiweiß bestreichen.

Die Grillfunktion des Ofens einschalten und die Tarte etwa 3-4 Minuten (obere Schiene) backen, bis sie goldfarben wird (das geht schnell). Auskühlen lassen.

Tipps: Ich nehme die doppelte Menge Apfelmus, dann wird es besonders saftig. Serviert wird am liebsten mit Vanilleeis und Schlagsahne.

Amerikanische Wurzeln

Als es den Kellys finanziell besser geht, fliegen sie Mitte der 1980er Jahre von Frankreich aus in die USA, kommen sehr spät am Abend in New York an: "Es muss ein aufsehenerregender Anblick gewesen sein", wie ein Vater mit neun Kindern, vielen, vielen Koffern und einer Menge Instrumenten quer durch den Flughafen eilt. Sie wohnen im Holzhaus von Onkel Bob, ein Bruder des Vaters - und es ist schon voll, denn Bob und Tante Pat haben zehn Kinder. "Zu meinen insgesamt sieben Onkeln und einer Tante väterlicherseits kamen über 40 Cousins und Cousinen sowie ihre Partner dazu. Wir waren die einzigen der Familie, die in Europa lebten, und wir kannten die wenigsten von ihnen." Die Aufnahme der "europäischen" Kellys ist herzlich: "Jedes Wochenende gab es große Treffen, Cousins und Cousinen kamen vorbei und immer wurde ein großes Mahl zubereitet. Es war eine der schönsten Zeiten meiner Jugend. Es tat so gut zu sehen, dass wir so viele Onkel und Tanten hatten, die uns liebten. Das hat meine Wunden etwas geheilt, die nach Mamas Tod noch immer aufgerissen waren."

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Das Rezept für die Einsiedlerkekse der amerikanischen Großmutter wird von Generation zu Generation weitergegeben. (Foto: Hubertus Schüler)

Patricia lernt ihre Großmutter, die Mutter ihrer Mutter, kennen. Sie lebt in einem kleinen Haus im Wald, ohne Heizung, ohne Strom. Die Oma besitzt einen Holzofen für die Wärme, Petroleum und Kerzen für das Licht. "Dort saßen wir, tranken Tee und ich verstand, wie unglaublich gut ihre selbst gemachten Einsiedlerkekse schmecken können. Wie das finnische Brot sind auch diese Kekse ein Rezept, das von meinem Großvater und seinen finnischen Vorfahren stammt. Auch meine Mutter hatte diese Kekse sonntags oder zu Geburtstagen gebacken. Das Rezept wurde von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Hier, in diesem winzigen Einsiedlerhaus, saß ich also mit meiner Einsiedler-Großmutter und wir aßen Einsiedlerkekse."

Granny's Hermit Cookies (Omas Einsiedlerkekse)

Zutaten für ca. 30 Kekse:

115 g Butter

100 g Zucker

120 ml Zuckerrübensirup oder -melasse

2 Eier (Größe M)

240 g Dinkelmehl (Type 630)

½ TL Salz

¼ TL Natron (Baking Soda)

2 TL Backpulver

1 TL Zimtpulver

¼ TL frisch geriebene Muskatnuss

¼ TL Ingwerpulver

150 g Rosinen

Zubereitung: 15 Min. plus 35 Min. Backzeit

Den Backofen auf 175 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Butter und Zucker in einer Schüssel mit den Rührstäben des Handrührgeräts cremig rühren.

Zuckerrübensirup und Eier hinzufügen, alles gut verrühren.

In einer zweiten Schüssel Mehl, Salz, Natron, Backpulver, Zimt, Muskatnuss und Ingwer gut vermischen (am besten durchsieben).

Die Mehlmischung zur Eimischung geben und alles sehr gründlich verrühren. Zuletzt die Rosinen unter den Teig heben.

Den Teig mit zwei Teelöffeln portionsweise auf ein Blech setzen und glatt streichen.

Die Cookies im vorgeheizten Backofen (mittlere Schiene) etwa 35 Minuten backen.

Viel Spaß auf den Spuren der Kelly Family wünscht Ihnen Heidi Driesner

Quelle: ntv.de