Heineken-EntführungEx-Gangsterboss bedauert Tat

Er ist der bekannteste Verbrecher der Niederlande. Mehr als 30 Jahre lang galt er als Kopf der Amsterdamer Unterwelt. Die Rede ist von Willem Holleeder. Nun stellte sich der kriminelle Mann, der wegen seines großen Riechorgans auch "Die Nase" genannt wird, einem Millionenpublikum.
Der bekannteste Verbrecher der Niederlande, Willem Holleeder, hat erstmals ein großes Fernsehinterview geben. Holleeder, der mit der Entführung des Biermagnaten Freddy Heineken 1983 international bekanntwurde, stellte sich in Utrecht den Fragen von gut 100 Studenten und eines Journalisten. Rund 1,3 Millionen Niederländer sahen das heftig umstrittene Interview. Doch große Enthüllungen blieben aus.
Der 54-jährige räumte allerdings ein, dass er die Entführung des Bierbrauers Heineken und dessen Chauffeurs heute bedaure. "Das war naiv und falsch." Er wollte damals schnell an Geld kommen. "Und Heineken konnte das locker ausspucken." Vom damals bezahlten Lösegeld von heute rund 15 Millionen Euro blieben 3,5 Millionen verschwunden. "Das ist auf dem Strand verbrannt", sagte Holleeder. "Alles ist weg."
Holleeder, der wegen seines großen Riechorgans "Die Nase" genannt wird, galt mehr als 30 Jahre lang als Kopf der Amsterdamer Unterwelt. Zuletzt wurde er 2007 wegen Erpressung zu neun Jahren Haft verurteilt und kam im Januar vorzeitig frei. Zu Beschuldigungen der Staatsanwaltschaft wegen mehrerer Auftragsmorde wollte er sich nicht äußern. "Dazu sage ich nichts."
Polizei, Politiker und viele Niederländer hatten das Interview im Vorfeld heftig kritisiert. Der Sender verherrliche eine Kriminellen. "Er wird zu einem Kulthelden gemacht", sagte eine Sprecherin der rechtsliberalen Regierungspartei VVD. In der Sendung interviewen traditionell ein Journalist und Studenten einen Prominenten. Gäste waren bisher etwa der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, der Dalai Lama und der wegen Betrugs verurteilte britische Börsenspekulant Nick Leeson.