Panorama

Karussell-Unfall auf Bremer Volksfest Experten entdecken "Haarriss"

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Teil des gebrochenen Stahlträgers.

(Foto: dpa)

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Vertreter von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei begutachten die abgerissene Gondel.

(Foto: dpa)

Eine defekte Halterung an einem Karussell hat auf dem Bremer Freimarkt einen tragischen Unfall ausgelöst. Neun Menschen wurden am Donnerstagabend verletzt, als sich eine Gondel von dem Fahrgeschäft löste und in eine Menschenmenge schleuderte. Eine 27-Jährige schwebte zeitweise in Lebensgefahr, ihr Zustand hat sich inzwischen stabilisiert.

Experten von Polizei und Bauordnungsamt untersuchten das Fahrgeschäft "Krake". Dabei entdeckten sie, dass die Bruchstelle angerostet war. Das könne auf einen feinen Riss im Material hinweisen, sagte der Staatsrat im zuständigen Bremer Bauressort, Wolfgang Golasowski. "Die Stelle, wo sich der Haarriss befunden haben muss, ist in aufgebautem Zustand nicht zu sehen."

Umbau erfolgte TÜV-gerecht

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Die Bruchstelle war bereits angerostet.

(Foto: dpa)

Die Sachverständigen stellten an einer zweiten Halterung ebenfalls einen Haarriss fest. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte daraufhin alle Gondel-Aufhängungen. Diese sollen nun genau untersucht werden. "Die Schadensursachen können im Moment mehrere sein", sagte Golasowski. In Betracht komme etwa Materialermüdung oder ein Konstruktionsfehler. Der Betreiber hatte die "Krake" im Winter 2005/2006 umbauen lassen – und zwar an der betroffenen Stelle.

Damals hatte der TÜV Nord den Umbau abgenommen. Dieser hatte das aufgebaute Karussell zuletzt im April überprüft, was jährlich Pflicht ist. Eine Sonderprüfung im abgebauten Zustand ist dagegen für die "Krake" nur alle sechs Jahre vorgesehen.

Peter Habedank, Bautechnik-Experte in der Behörde, zeigte sich überrascht über die Schäden an den noch nicht einmal sechs Jahre alten Halterungen der Gondeln. "Das ist ungewöhnlich." Er regte an, in dem zuständigen Arbeitskreis der Bundesländer den Rhythmus für die Sonderprüfungen zu überdenken.

Betreiber lässt "Krake" weiter kreisen

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Die Betreiber sieht keinen Grund, seinen "Krake" am Boden zu lassen.

(Foto: dpa)

Der Betreiber der "Krake", Christian Uhse, bedauerte den Unfall. Er hatte das Karussell an dem Abend selbst gefahren. An dem Unglück trage er aber keine Schuld, sagte Uhse. Er habe die vom TÜV vorgeschriebenen Stellen an den Aufhängungen regelmäßig kontrolliert. "Dort ist der Fehler nicht entstanden." Er wolle nun abwarten, bis die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen und dann die Konsequenzen daraus ziehen. Die "Krake" will er aber möglichst weiter betreiben. "Ich weiß, dass das Karussell eigentlich sicher ist."

Trotz des Unfalls hatte der Freimarkt am Freitag geöffnet. Viele Schausteller auf einem der ältesten und größten Volksfeste in Deutschland zeigten sich aber geschockt von dem Unfall.

Quelle: ntv.de, dpa

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