Panorama

Lufthansa-Raub im Dezember 1978FBI nimmt betagten Mafioso fest

23.01.2014, 18:27 Uhr
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Vincent Asaro ist ein Mitglied des berüchtigten Bonanno-Mafiaclans. (Foto: dpa)

Die meisten Verdächtigen wurden ermordet, aber das FBI gab seine Suche nach den Tätern niemals auf. Mehr als 35 Jahre nach einem millionschweren Raufüberfall auf einen New Yorker Lufthansa-Hangar geht den Ermittlern ein betagter mutmaßlicher Mafia-Boss ins Netz.

Es war einer der spektakulärsten - und vermeintlich einträglichsten - Raubüberfälle in der Kriminalgeschichte der USA. Mitten in der Nacht zum 11. Dezember 1978 fuhr mehr als ein halbes Dutzend Schurken mit einem Laster vor die Lufthansa-Frachthalle des New Yorker Kennedy-Flughafens.

Mit Skimasken getarnt und Pistolen im Anschlag verschafften sie sich Zugang zum Tresorraum. Mit Handschellen ketteten die Gangster die Airport-Angestellten zusammen. "Wir kriegen Deine Familie, wenn Du nicht aufschließt", drohten sie einem Beschäftigten, als sie ihm die Pistole an die Schläfe hielten.

Dann verluden die Räuber seelenruhig ihre Beute: Fünf Millionen Dollar und italienische Lira in bar (heutige Kaufkraft 13 Millionen Euro). Dazu Gold, teure Perlen und Schecks. "Das ganze lief wie ein Uhrwerk ab", sagte ein Sprecher des Flughafens damals. Das Geld war von der Commerzbank gekommen. Die Afghanistan Bank hatte es nach dem Putsch der Opposition über Frankfurt außer Landes gebracht.

Filmreife Fahndung

Der Hollywood-Regisseur Martin Scorsese nahm den Raub als Vorlage für seinen Mafia-Hit "Good Fellas". Auch die Fahndung nach den Tätern war filmreif - und extrem frustrierend für die Polizei. Die Verdächtigen tauchten zwar nach und nach auf, jedoch fast immer als Mordopfer. Mit Kugeln im Körper lagen sie in ihren Wohnungen, in Autos, auf der Müllkippe. New Yorks Mafia führte einen Krieg um die Beute - von einem Geldsegen konnte für viele der Räuber keine Rede sein.

Nur einen Unterstützer konnten die Ermittler überführen. Der damalige Lufthansa-Angestellte Louis Werner hatte dafür gesorgt, dass sich das Geld in der Frachthalle ansammelte. Mit seinem Anteil wollte er seine Wettschulden begleichen. Er wurde wenige Jahre nach der Tat vorzeitig aus der Haft entlassen und erhielt von den Behörden eine neue Identität, damit er sich vor der Mafia verstecken konnte. Auch ein anderer wichtiger Mitwisser kam schnell ins Zeugenschutzprogramm.

Trotz aller Rückschläge hat die Bundespolizei FBI die Fahndung nie aufgegeben. Bei einer Razzia am Donnerstag verhaftete sie nun den 78-jährigen Vincent Asaro. Die Anklageschrift führt ihn als "Führungsmitglied, Kapitän, Soldat" des berüchtigten Bonanno-Mafiaclans auf: Das war eine der mittelgroßen Verbrechergruppen neben den "Familien" Colombo, Luchese und Gambino - alle kleiner als die Genovese. Wie genau Asaro in den Lufthansa-Raub verwickelt war, ließ die Staatsanwaltschaft aber offen.

Leichen im Keller

Auf die Schliche gekommen sei das FBI ihm, nachdem Ermittler im vergangenen Sommer das Haus des 1996 im Gefängnis gestorbenen Mafiosi Jimmy Burke durchsuchten - und im wahrsten Sinne Leichen im Keller fanden, berichteten New Yorker Medien. Der "Gent", also Gentleman, wie sein Spitzname lautete, galt als eigentlicher Drahtzieher des Überfalls am Kennedy-Flughafen. Das konnte aber nicht nachgewiesen werden - ins Gefängnis kam er wegen Mordes in einem anderen Fall.

Irgendwie muss die Spur dann zu fünf Bonanno-Mitgliedern geführt haben, die allesamt am Donnerstag hinter Gitter kamen, unter ihnen Asaro. Der Lufthansa-Raub ist dabei nur einer von vielen Punkten in der 26 Seiten dicken Anklageschrift. Die liest sich "wie die Greatest-Hits-Sammlung der Mafia", kommentierte die "New York Times" treffend. Von Mord ist da die Rede, von Aufträgen zum Mord, Brandstiftung, illegalen Wettgeschäften, Erpressung und Raubüberfällen auf gepanzerte Geldfahrzeuge. Für die große Mafia war der Überfall im Dezember 1978 offenbar nur eine Nummer von vielen.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa