BBC-Skandal um Kinderschänder Fahrer von Savile tot aufgefunden

Im Skandal um den langjährigen Sextäter und BBC-Starmoderator Jimmy Savile ist ein Verdächtiger tot aufgefunden worden. Der Ex-Chauffeur war wegen Missbrauchs eines Zwölfjährigen angeklagt.
Im Sex- und Missbrauchsskandal um den verstorbenen BBC-Moderator Jimmy Savile ist ein Verdächtiger tot aufgefunden worden. Der frühere Fahrer des britischen Rundfunksenders, der am Montag zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines 12-jährigen Jungen vernommen werden sollte, sei tot in seinem Haus im Süden Londons gefunden worden, berichteten britische Medien. Die Polizei teilte lediglich mit, Beamte hätten die Leiche eines Mannes gefunden, der zuvor nicht zu einer Anhörung vor Gericht erschienen sei. Einen Namen nannte sie dabei nicht. Britische Medien berichten, dass es sich bei dem Toten um David Smith handelt.
Der 67-jährige frühere Fahrer war im Zuge der Operation Yewtree festgenommen worden, die nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Starmoderator Savile eingeleitet worden war. Der Fahrer war der erste Verdächtige, der im Rahmen der Ermittlungen offiziell angeklagt wurde. Er wurde verdächtigt, im Juli 1984 einen Jungen sexuell missbraucht zu haben.
Vorwurf lange bekannt
Savile selbst war 2011 im Alter von 84 Jahren gestorben. Savile war eine BBC-Ikone. In den 1960er Jahren moderierte er die enorm populäre Musiksendung "Top oft he Pops" in Radio und Fernsehen. Dabei war er stets umgeben von jungen Frauen, die ihn anhimmelten.
Savile war ein Mann aus der Arbeiterklasse, mit langer weiß-blonder Mähne und stets einer Zigarre im Mund. Nach einer harten Jugend hatte er den Sprung in die BBC geschafft, damals mehr noch als heute eine Bastion der gehobenen Mittelschichten. Mit seiner Sendung "Jimmy will fix it" (Jimmy wird's richten) etablierte er sich als Helfer junger Menschen. Er unterstützte Kinderheime und Sonderschulen für "schwierige, gestörte Mädchen" und gründete diverse Stiftungen. Savile sammelte unermüdlich Geld und wurde für seinen Einsatz vom britischen Establishment mit vielen Auszeichnungen bedacht, inklusive des Ritterschlages durch die Queen.
"Sexuelles Raubtierverhalten"
Bereits Jahre vor seinem Tod kursierten Gerüchte über sein "sexuelles Raubtierverhalten", so die Formulierung der Polizei. Jahrelang soll Savile Minderjährige missbraucht, nach Lage der Dinge auch vergewaltig haben. Das Schlimme für die BBC: Das Ganze fand teilweise in den Örtlichkeiten des Senders statt, wurde von Kollegen gedeckt, teils vertuscht. Und noch dramatischer: Es war kein Einzelfall. Ein Jahr, nachdem die Vorwürfe laut wurden, sind mindestens 20 ehemalige BBC-Leute unter Verdacht.
Allein gegen Savile sagten 450 Zeuginnen und Zeugen aus. Die Vorfälle sollen sich in den Jahren zwischen 1959 und 2009 abgespielt haben - über 50 Jahre. Die Betroffenen waren zwischen acht und 47 Jahre alt. Allein 30 Vergewaltigungen wurden ihm angelastet, in einem Fall soll er in einem Krankenhaus ein sterbendes Kind unsittlich berührt haben. Auch gegen den Musiker Gary Glitter und den aus Australien stammenden Entertainer Rolf Harris gibt es Anklagen.
Erst nach Saviles Tod im Oktober 2011 begannen Redakteure von BBC Newsnight den Vorwürfen nachzuspüren. Seit gut einem Jahr erschüttert die Affäre um Savile die britische Öffentlichkeit.