Panorama

"Serienkiller von Cleveland"Frauenmörder zum Tode verurteilt

12.08.2011, 20:32 Uhr

2009 findet die Polizei von Cleveland im Haus und auf dem Grundstück eines 51-Jährigen elf Frauenleichen. Nun verurteilt ein Gericht den Mann zum Tode. Die Polizei sieht sich indes heftigen Vorwürfen ausgesetzt.

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Sowell (links) während die Geschworenen ihre Empfehlungen verlesen. (Foto: AP)

Ein als "Serienkiller von Cleveland" bekannter Amerikaner ist wegen elffachen Frauenmordes zum Tode verurteilt worden. Ein Richter in Cuyahoga County im US-Staat Ohio verkündete das Strafmaß und folgte damit der Empfehlung einer Geschworenen-Jury. Sie hatte den heute 51-jährigen Angeklagten Anthony Sowell zuvor in 84 Anklagepunkten schuldig gesprochen, unter anderem auch wegen Kidnappings, versuchter und vollzogener Vergewaltigung.

"Das Gericht misst der Reuebekundung des Angeklagten kein Gewicht bei", sagte Richter Dick Ambrose. Der 51-jährige Angeklagte Sowell hielt bei der Urteilsverkündung seine Augen geschlossen. Bei einer Anhörung am Montag hatte er sich für die Taten entschuldigt. "Das einzige, was ich sagen will, ist, dass es mir leid tut", sagte der bereits früher wegen Vergewaltigung verurteilte frühere Marineinfanterist. Einige Opferangehörige wiesen die Entschuldigung jedoch als nicht ernsthaft zurück.

Die zum Teil skelettierten Leichen der erwürgten Opfer waren im Haus und auf dem Grundstück Sowells gefunden worden. In einem Fall war nur noch ein Schädel übrig: Die Polizei entdeckte ihn in einer Papiertüte im Keller. Mehrere der Opfer hatten noch die Schnur um den Hals, mit der sie stranguliert worden waren.

Polizei schweren Vorwürfen ausgesetzt

Die Morde geschahen von 2007 bis 2009. Die elf Opfer stammten alle aus dem Raum Cleveland. Die Polizei kam Sowell unter anderem deshalb so spät auf die Spur, weil das Verschwinden der meisten Frauen niemandem aufgefallen war. Viele der Opfer seien drogenabhängig gewesen, hätten sich unter anderem durch Prostitution und Diebstahl Geld verschafft, berichteten Medien unter Berufung auf Gerichtspapiere.

Nach der Aufdeckung der Serienmorde in Cleveland waren Vorwürfe laut geworden, die Polizei hätte einige der Taten verhindern können. Eine heute 37-Jährige hatte im Dezember 2008 blutverschmiert von ihrer Flucht aus Sowells Haus berichtet, wo dieser sie vergewaltigt habe. Die Beamten stuften sie aber als nicht glaubwürdig ein und leiteten kein offizielles Verfahren gegen Sowell ein, obwohl sie in seinem Haus Blut und Kampfspuren entdeckten.

Auch auf die Aussage einer zweiten Frau im April 2009, Sowell habe sie über drei Tage hinweg mehrfach in seinem Haus vergewaltigt, reagierte die Polizei nicht. Erst als im September 2009 eine dritte Frau zur Polizei ging und aussagte, dass Sowell sie in sein Haus gelockt, vergewaltigt und stranguliert habe, bevor er sie gehen ließ, wurden die Beamten tätig. Nach einem Monat nahmen sie Sowell fest und fanden die elf Frauenleichen, die mehr als zwei Jahre lang auf seinem Grundstück gelegen hatten.

Quelle: dpa/AFP