Zwischen Historie und ModerneGartenkunst in Schwerin
Ungehindert schweift der Blick über den Burgsee zum Schloss. Das Wahrzeichen Schwerins bildet den Mittelpunkt der Bundesgartenschau 2009.
Ungehindert schweift der Blick über den Burgsee zum Schloss. Das Wahrzeichen Schwerins - neben Neuschwanstein in Bayern und dem Berliner Dom wohl eines der bedeutendsten Bauwerke des Historismus in Deutschland - bildet den Mittelpunkt der Bundesgartenschau 2009, die am Donnerstag (23.4.) feierlich eröffnet wird und Besucher in sieben Gärten verschiedener Epochen lockt.
"Das ist seit vielen Jahren mal wieder eine BUGA direkt im Herzen einer Stadt. Eine Gartenschau der kurzen Wege, in die Sehenswürdigkeiten wie das Schloss mit eingebunden sind", beschreibt BUGA-Chef Jochen Sandner die Besonderheiten der Blumenschau in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt. Bis Oktober, hofft er, kommen knapp zwei Millionen Gäste und machen so die BUGA auch zu einem finanziellen Erfolg.
Steuerzahlerbund ist skeptisch
Viele dieser Gartenschauen, die seit 1951 alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt zu sehen sind, hatten Schuldenberge hinterlassen. Der Steuerzahlerbund sieht angesichts der Millionensubventionen derartige Projekte mit Skepsis. "Die großen Gartenbauverbände wollen diese regelmäßigen Schauen - weil ihre Mitgliedsbetriebe von den Aufträgen erheblich profitieren. Die Risiken bleiben aber allein bei der öffentlichen Hand hängen", kritisiert der Geschäftsführer des Deutschen Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel. Und Umweltverbände sehen die teilweise erheblichen Eingriffe in bestehende Naturräume ebenso kritisch.
Auch in Schwerin hatten BUGA-Planer und Umweltschützer erst nach teilweise heftigem Streit einen Kompromiss zur Freilegung der Uferbereiche an Burgsee und Schweriner See gefunden. Promenaden wurden angelegt und Straßen neu gestaltet. "So ist Schwerin wieder als Stadt am Wasser erlebbar", hebt Sandner hervor. Nach Ansicht der Präsidentin des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten, Andrea Gebhard, ist wichtig, dass nach jeder BUGA etwas für die Menschen bleibt. Die Anlagen müssten nach der Schau öffentlich zugänglich sein. So sei zur BUGA in München 2005 ein 200 Hektar großer Park entstanden - mit See und Rodelhügel auch heute eine Attraktion.
Das sieht der Hamburger Gartengestalter Henning Breimann nicht anders. Seine Firma Breimann&Bruun war für die Gestaltung des "Gartens des 21. Jahrhunderts" verantwortlich. Die künstliche Insel, die auf dem Burgsee zu schweben scheint und das Entree der BUGA 2009 bildet, soll später von der Stadt genutzt werden. Ein idealer Ort für Feste, Märkte oder einfach zum Verweilen, findet er. Mit der "schwimmenden Wiese" sei ein Kontrapunkt zum historischen Schlossgarten, dem Herzstück der BUGA, gesetzt worden. "Wir wollten etwas Leichtes, Verspieltes schaffen und damit einen Gegensatz zur beherrschten Natur des Barock mit seiner strengen Achsenführung bilden", erklärt der Landschaftsgestalter.
"Sieben Gärten mittendrin"
Silbrig glänzende Gräser wiegen sich auf einer Vielzahl kleiner Hügel im Wind. Leuchtende Blüten setzen frische Farbtupfer. Auf den Wegen glitzert grüner Glassplit. Das gut dreieinhalb Hektar große Areal, auf das ein Säulengang führt, ist nach BUGA-Angaben mit mehr als 20 Millionen Euro die größte Einzel-Investition der Schau. Der Burgsee wurde für die neue Insel vergrößert und freigebaggert. Er war zu DDR-Zeiten mit Abrissmaterial teilweise zugeschüttet worden. Doch nun öffnet sich von hier der Blick über den See bis hin zur malerischen Kulisse der Stadt.
Neben dem Garten des 21. Jahrhunderts und dem Schlossgarten gehören auch Burg-, Küchen-, Ufer- und Naturgarten zur BUGA 2009. Zum Garten am Marstall führt über die Schlossbucht eine 340 Meter lange Pontonbrücke. "Sieben Gärten mittendrin" lautet das Motto der bis 11. Oktober dauernden Schau, die am Donnerstag im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler eröffnet werden soll. Für Investitionen und Durchführung der Schau sieht das Budget rund 74,5 Millionen Euro vor.