Panorama

"Sohn des Himmels" Größtes China-Festival in Brüssel

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Eines der spektakulären Ausstellungsstück: Ein königliches Leichenheld, gefertigt aus Jade.

(Foto: dpa)

Nur das Größte ist gut genug. Nach den olympischen Spielen in Peking 2008 und der gigantischen Militärparade zum 60. Gründungstag im Oktober 2009 feiert die Volksrepublik China nun in Brüssel eines ihrer größten Kulturevents in Europa. Mit 450 Veranstaltungen steht das bevölkerungsreichste Land der Welt im Mittelpunkt der diesjährigen "europalia". Das alle zwei Jahre stattfindende Festival wurde vor genau 40 Jahren gegründet und ist eines der größten internationalen Kultur- und Kunstfestivals Europas. Unter den zahlreichen China-Veranstaltungen fällt besonders die Ausstellung "Sohn des Himmels" im Museum für Schöne Künste (BOZAR) auf. Sie widmet sich den Ritualen Chinas und zeigt Kunstschätze, von denen fast die Hälfte noch nie das Land der Mitte verlassen haben.

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Das Bildnis des chinesischen Kaisers Kangxi.

(Foto: dpa)

Von den 250 ausgestellten Kunstschätzen wurden mehr als 100 noch nie außerhalb Chinas gezeigt. Sie stammen aus Ausgrabungen der vergangenen 15 Jahre. So das Leichenhemd aus Jade, das aus einem Königsgrab in Shizishan in der Provinz Jiangsu stammt. Das Totenkleid besteht aus rund 4200 Jadeplättchen und sieht wie ein Schuppenpanzer aus. Bisher wurden nur 40 solcher Leichenhemden entdeckt.

Göttliche Steine

Das in Brüssel ausgestellte Exponat stammt aus der westlichen Han-Dynastie (206 vor bis 9 nach Christus), in der diese mineralischen Panzer in Mode waren. Doch bevor der Leichnam in das Edelsteingewand gelegt wurde, schloss der Priester zunächst alle Körperöffnungen des Toten mit kleinen Jadesteinen. Der grün schimmernde Jade hat für die Chinesen eine ganz besondere Bedeutung: Er ist der Stein des Himmels und eine Art Zaubermineral, der das ewige Leben verleiht. Bereits im Neolithikum war der kostbare Edelstein mit seinem tiefen Glanz ein beliebter Werkstoff für kleine Figuren. Da es den göttlichen Stein in China nicht gab, musste er aus Zentralasien importiert werden.

Glockenspiel aus den Gräbern Jiulandun

Zu den Höhepunkten der Ausstellung, die Kunstobjekte aus mehr als 5000 Jahren chinesischer Geschichte zeigt - angefangen vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis in die Qing Dynastie (1644-1911) - befindet sich eines der größten Glockenspiele aus der antiken Zeit: Es zählt nicht weniger als 34 melodische Bronzeglocken und stammt aus den Gräbern Jiuliandun in der Provinz Hubei. Sie sind die größten und besterhaltenen Gräber aus der Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v. Chr.) und wurden erst 2002 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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Die Ausstellung zeigt eines der größten chinesischen Glockenspiele aus der antiken Zeit. Es zählt 34 melodische Bronzeglocken.

(Foto: dpa)

Für die herrschende Klasse war schöne Musik ein Symbol der Prosperität. Deshalb wurde das Glockenspiel auch zu einem der wichtigen Instrumente der Ritual- und Hofmusik. Ein weiteres Macht- und Statussymbol sind die ausgestellten riesigen Ding, Gefäße mit drei langen Beinen. Je größer und schwerer die Bronzegefäße waren, die ursprünglich zur Zubereitung von Fleischgerichten dienten, desto wichtiger der gesellschaftliche Status. Wie bedeutend diese Bronzegefäße waren, zeigt auch die Architektur des Museums in Schanghai, eines der bedeutendsten Museen zur chinesischen Kulturgeschichte: Es wurde einem Ding nachgeahmt.

Zeitgenössische chinesische Kunst


Das Festival gibt aber auch mit "The State of Things" und großen Namen wie Wang Luyan und Liu Wei Einblick in die zeitgenössische Kunst Chinas. Wieder zweitausend Jahre weiter zurück führt die Parallelausstellung "Die Seidenstrasse" mit 200 Seidenmalereien, Keramiken und Kunstobjekten aus Gold und Bronze. Der Erfolg des diesjährigen Festivals "europalia", das bis zum 14. Februar dauert, ist so groß, dass ab Januar die Öffnungszeiten verlängert werden. Im Jahr 2012 wird Brasilien Gastland bei "europalia" sein.

Quelle: ntv.de, Sabine Glaubitz, dpa