Panorama

Stasi-VerhöroffiziereHalle nennt Namen

23.07.2007, 08:29 Uhr

Die Gedenkstätte "Roter Ochse" in Halle hat die Namen einstiger Stasi-Offiziere veröffentlicht.

Die Gedenkstätte "Roter Ochse" in Halle hat die Namen einstiger Stasi-Offiziere veröffentlicht. "Wir sind die erste Gedenkstätte, die über dutzende hauptamtliche Untersuchungsführer namentlich und mit Foto informiert", sagte Gedenkstättenleiter Andr Gursky der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe um diejenigen, die für Verhöre zuständig waren. "Das sind wir den Opfern schuldig." Die gesetzliche Grundlage für die Namensnennung sei das Stasi-Unterlagengesetz. Die Birthler-Behörde habe auch die Fotos freigegeben.

Einen Teil des 1842 gebauten königlich-preußischen Gefängnisses in Halle nutzte die Stasi als Untersuchungshaftanstalt. Zuvor waren im "Roten Ochsen" hunderte NS-Gegner inhaftiert, mehr als 500 wurden hingerichtet. "Es kann nicht sein, dass in der Gedenkstätte die Täter aus der NS-Zeit benannt werden und die aus der Stasi-Zeit nicht", sagte Gursky. "Es ist bundesweit ein Defizit der Geschichtsaufarbeitung, dass die Zeit nach 1945 hinterherhinkt, wenn es brisant wird." Er habe nun für die vor elf Jahren eröffnete Gedenkstätte das Stasi-Unterlagengesetz offensiv genutzt.

Die Angaben stammen aus Personalakten, die von der Stasiunterlagenbehörde verwaltet werden. "Wir haben Karteikarten erstellt, auf denen unter anderem Name, Geburtsjahr, Schulabschlüsse und Informationen über die Berufsausbildung stehen, zusammen mit einem Foto vom Zeit des Eintritts in den Dienst", sagte der Gedenkstättenleiter. Zu erkennen sei, dass die Stasi-Offiziere meist den Abschluss "Dr. jur." trugen. "Dieser Titel ist in der Bundesrepublik anerkannt worden, damit konnten sie zum Beispiel eine Rechtsanwaltskanzlei eröffnen", sagte Gursky.