Panorama

Der Popstar der Astrophysik Hawking erzählt seine kurze Geschichte

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Im Alter von 21 Jahren rechnete Hawking mit seinem baldigen Tod. 50 Jahre später schaut er auf sein langes Leben zurück.

(Foto: REUTERS)

Es gibt wohl keinen Wissenschaftler, der die Öffentlichkeit so fasziniert wie der Physiker Stephen Hawking. Seinem Bild fügt der Brite mit seiner Biografie jetzt eine neue Facette hinzu: Er offenbart darin überraschende Einblicke in sein bewegtes Leben.

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Trotz seiner Krankheit ist Stephen Hawking viel gereist und hat sogar einen Schwerelosigkeitsflug absolviert.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der britische Physiker Stephen Hawking veröffentlicht seine Biografie "Meine kurze Geschichte" im Rowolth-Verlag. Der gefeierte Wissenschaftler gibt darin Einblicke in sein Privatleben und Teile seiner wissenschaftlichen Arbeit. Bekannt wurde er einem breiten Publikum durch sein populärwissenschaftliches Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit", das in 40 Sprachen übersetzt wurde und sich rund zehn Millionen Mal verkaufte.

Überraschend sind die Geschichten aus den frühen Jahren des Genies. Sein Start in die frühkindliche Bildung sei holprig gewesen, berichtet Hawking. "In meiner frühesten Erinnerung stehe ich im Kindergarten Byron House in Highgate und schreie mir die Lunge aus dem Hals". Erst eineinhalb Jahre später hätten seine Eltern einen erneuten Versuch mit einer Kindertagesstätte versucht. Wegen der modernen Lernmethoden seiner Schule habe er erst mit acht Jahren lesen gelernt. Seine Klassenkameraden hätten ihn "Einstein" genannt, mit den sechs oder sieben guten Freunden aus dieser Zeit stehe er bis heute in Verbindung.

Der Drang, die Dinge zu beherrschen

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Auch wenn Hawkings sich selbst als Atheist bezeichnet, kam es 2008 zu einem Treffen mit Papst Benedikt XVI.

(Foto: REUTERS)

Immer sei er getrieben worden vom Drang, "herauszufinden, wie die Dinge funktionieren, und sie zu "beherrschen". Ständig habe er Sachen auseinandergenommen, um sie zu ergründen. "Aber nur selten ist es mir gelungen, sie wieder richtig zusammenzusetzen", gesteht Hawking. "Seit ich mit meiner Promotion begann, konnte ich dieses Bedürfnis in der kosmologischen Forschung stillen", schreibt der 71-Jährige. "Wenn man weiß, wie das Universum funktioniert, beherrscht man es in gewisser Weise."

Seinen Eltern sei sein Bildungsweg immer sehr wichtig gewesen - wegen einer Erkrankung habe er allerdings die Aufnahmeprüfungen einer Oberschichtschule verpasst. Traurig sei er darüber nie gewesen, denn zumindest in der Physik entstünden daraus keine Nachteile. "Es spielt keine Rolle, welche Schule man besucht hat oder wen man kennt - entscheidend ist, was man macht", schreibt Hawking.

Beide Ehen scheitern an der Krankheit

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Mit Elaine fand Hawking zum zweiten Mal sein Glück. Die beiden blieben zwölf Jahre verheiratet.

Das einschneidende Erlebnis in seinem Leben ist die Diagnose des unheilbaren Nervenleidens Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) kurz nach seinem 21. Geburtstag. Mit dem Tod vor Augen habe er begriffen, wie viele Dinge es noch gab, die er tun wollte. Und er habe seine erste Frau Jane Wilde kennengelernt, Mutter seiner drei Kinder Robert, Lucy und Tim. Doch seine Frau habe zunehmend Depressionen und Zukunftssorgen gehabt und sei schließlich eine Beziehung mit einem Musiker eingegangen. Da er selbst mit seinem baldigen Tod rechnete, habe er dies verstanden und akzeptiert, schreibt Hawking.

Sprechen kann Hawkings seit einer schweren Lungenentzündung nicht mehr - ein Programm zur Wörterauswahl per Handsteuerung erhielt ihm die Möglichkeit zur Kommunikation. Heute schaffe er mit einem solchen Programm bis zu drei Wörter je Minute. "Dank dieses Systems habe ich sieben Bücher und eine Anzahl wissenschaftlicher Aufsätze geschrieben."

1990 zog Hawking in eine Wohnung mit seiner Krankenschwester Elaine, 1995 heiratete er sie. Die Ehe sei "leidenschaftlich und stürmisch gewesen", Elaine habe ihm zudem mehrfach das Leben gerettet. Die vielen gesundheitlichen Krisen hätten aber an ihrer Widerstandskraft gezehrt, die Ehe sei deshalb 2007 geschieden worden.

Er könne heute gelassen auf sein Leben zurückblicken, resümiert Hawking versöhnlich und ohne Bitterkeit. Ihm sei klar, dass er das Klischee des behinderten Genies verkörpere - das mindere aber nicht seine Freude über die aufrichtige Begeisterung seines Publikums wie etwa bei der Moderation der Paralympics 2012 in London. "Ich hatte ein gutes und erfülltes Leben."

Quelle: ntv.de, mkr/dpa

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