Immer hilfloserHelfer in Afrika gefährdet
UN-Organisationen verloren in der Krisenprovinz in den vergangenen zehn Monaten mehr als 100 Fahrzeuge. Sie wurden den Helfern mit Waffengewalt abgenommen. Einige von ihnen wurden vorübergehend als Geiseln verschleppt. Die UN-Agentur für humanitäre Maßnahmen OCHA registrierte seit vergangenem Januar 60 verletzte Mitarbeiter - einige Helferinnen wurden Opfer sexueller Gewalt.
"Wenn die Lage noch schlimmer wird, müssen wir uns zurückziehen", befürchtet Caroline Nursey. Sie ist Direktorin der britischen Hilfsorganisation Oxfam in der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur. "Helfer werden vergewaltigt und getötet. Das ist einfach nicht akzeptabel." In Darfur sind Helfer in diesem Jahr nicht nur wiederholt in die Schusslinie geraten, sondern auch gezielt angegriffen worden.
UN-Organisationen verloren in der Krisenprovinz in den vergangenen zehn Monaten mehr als 100 Fahrzeuge. Sie wurden den Helfern mit Waffengewalt abgenommen. Einige von ihnen wurden vorübergehend als Geiseln verschleppt. Die UN-Agentur für humanitäre Maßnahmen OCHA registrierte seit vergangenem Januar 60 verletzte Mitarbeiter - einige Helferinnen wurden Opfer sexueller Gewalt.
Zur Hilflosigkeit verurteilt
Die schlimmen Erfahrungen in Darfur sind beileibe kein Einzelfall, sondern immer öfter die Regel in den afrikanischen Konfliktregionen. Dazu gehört vor allem der Kongo, wo unglaubliche Brutalität von Soldaten und Rebellen im Osten des Landes seit Monaten zehntausende Zivilisten in die Flucht treibt. Humanitäre Organisationen können dort häufig nur warten, bis die Flüchtlinge es aus Kampfzonen nach Goma nahe der Grenze zu Uganda und Ruanda geschafft haben. Angesichts andauernder Gewalt ist es auch für Helfer zu gefährlich, sich aus dem relativ stabilen Umland von Goma herauszuwagen.
Auch in Somalia, wo die Gewalt ständig zugenommen hat, sind die Mitarbeiter internationaler Einrichtungen zunehmend zur Hilflosigkeit verurteilt. In den Flüchtlingslagern fehlt es an fast allem, doch mangelnde Sicherheit macht es schwierig, Hilfe zu den Bedürftigen zu bringen. Deshalb eskortierte erst kürzlich die französische Marine Schiffe mit Hilfsgütern in den Hafen der Hauptstadt Mogadischu. In den Gewässern vor der somalischen Küste wimmelt es von Piraten, die durchaus auch Transporte in humanitärer Mission überfallen.
"Wegezoll"-Erpressung
Mogadischu ist oft Endstation. UN-Mitarbeiter berichten von "Wegezoll", den Milizen oder Banditen an Straßensperren zwischen Mogadischu und den Flüchtlingslagern erpressen. Wie gefährlich der Einsatz für die Helfer sein kann, wurde jetzt durch den Fall von Madina Elmi deutlich. Die Leiterin einer somalischen Hilfsorganisation, die eine der bekanntesten Verfechterinnen von Frauenrechten in dem Land am Horn von Afrika ist, wurde von einer verirrten Kugel getroffen. Die Mutter von neun Kindern verblutete in einem der Krankenhäuser, die ihre Organisation inmitten des Chaos und der Gewalt in Mogadischu unterstützt hatte.
"Wer heute in Somalia als Helfer arbeitet, ist ein Held", schrieb Eric Laroche, Koordinator der humanitären Aktionen der UN in Somalia, in seinem Beileidsschreiben an Elmis Familie. "Es ist einer der gefährlichsten Orte für die Arbeit, und einer der Orte, an denen Helfer am wenigsten geschützt werden."
Von Eva Krafczyk, dpa