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Nach drei Monaten im Koma Hirntote bringt gesundes Baby zur Welt

Zwölf Wochen nachdem eine Frau in Ungarn wegen Hirnblutungen ins Koma fällt, holen Ärzte ihr Kind gesund auf die Welt. Der Fall zeigt erneut, dass hirntote Menschen nicht mit Toten gleichzusetzen sind - und regt zum Nachdenken über Organspenden an.

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Wie auch dieses Kind kam das Baby in Ungarn deutlich zu früh zur Welt - doch konnte es das Krankenhaus inzwischen verlassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Ungarn ist ein Baby drei Monate nach dem Hirntod seiner Mutter gesund zur Welt gekommen. Die Universitätsklinik Debrecen im Osten des Landes teilte mit, dass das Kind bereits im Sommer per Kaiserschnitt entbunden wurde. Mit nur 1,42 Kilogramm brachte das in der 27. Schwangerschaftswoche geborene Baby weniger als die Hälfte des Durchschnittsgewichts auf die Waage, als nach den normalen 40 bis 42 Wochen Schwangerschaft üblich. Inzwischen befindet es sich bei seiner Familie, die jedoch anonym bleiben möchte.

In der 15. Woche der Schwangerschaft war bei der 31-jährigen Mutter nach Blutungen im Gehirn der Hirntod festgestellt worden. Nachdem ihr Kind zur Welt gekommen war, wurden der Frau Herz, Bauchspeicheldrüse, Leber und Nieren entnommen, mit denen vier auf ein Organ wartenden Menschen geholfen werden konnte.

Frage nach der Definition des Todes

Entbindungen nach dem Hirntod der Mutter sind zwar selten, aber doch möglich. In der Regel ist dafür ein enormer medizinischer Aufwand nötig, da der Körper der betroffenen Frauen nach und nach seine Funktionen einstellt. Durch Beatmung, Kreislauftherapie und Hormonersatz können die Grundfunktionen des Körpers und damit auch des Uterus aufrecht erhalten werden. Aufgrund der Tatsache, dass eine Schwangerschaft auch nach dem Hirntod der Mutter noch erfolgreich zu Ende gebracht werden kann, stellen einige Mediziner gar das Konzept des Hirntodes als Definition vom Ende des Lebens infrage, wodurch auch eine Organentnahme bei hirntoten Menschen problematisch wird.

"Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen", sagt beispielsweise der Internist Paolo Bavastro in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Seitdem er 1991 als Chefarzt miterlebte, wie eine Schwangere nach über 80 Tagen im Koma ein gesundes Kind gebar, setzt sich Bavastro dafür ein, dass das Konzept des Hirntodes neu definiert wird. "Wenn der Hirntod als Tod definiert wird, würde dies bedeuten, die Patientin war eine Leiche und in einer Leiche entwickelt sich ein Embryo bis zur Lebensfähigkeit. Das ist ein Widerspruch in sich", erklärt er. Im Jahr 1996 präsentierte Bavastro sein Anliegen vor dem Deutschen Bundestag, stieß jedoch nicht auf Zustimmung.

Im darauffolgenden Jahr trat das Transplantationsgesetz in Kraft, welches den Ausfall aller messbaren Hirnaktivitäten als Mindestkriterium für eine Organentnahme festlegt. Bavastro will jedoch bis heute erreichen, dass potentiellen Organspendern eine bessere Aufklärung beim Thema Hirntod zukommt.

Quelle: n-tv.de, bwe/AFP

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