Mafioso StrangioItalien statt Deutschland
Dem in den Niederlanden gefassten Hauptverdächtigen der Duisburger Mafia-Morde kann doch nicht in Deutschland der Prozess gemacht werden. Amsterdam gibt dem Antrag Italiens auf Auslieferung statt.
Der mutmaßliche Haupttäter bei den Mafia-Morden von Duisburg wird von der niederländischen Justiz nicht nach Deutschland ausgeliefert. Stattdessen gab Richter Fred Salomon in Amsterdam einem Gesuch Italiens nach Überstellung von Giovanni Strangio statt.
Richter Salomon befand, dass die von Italien vorgelegten Beweismittel gegen den 30-jährigen Strangio stärker seien als die Unterlagen der deutschen Justiz. Hinzu komme, dass die Morde zwar in Deutschland begangen, die Opfer aber Italiener gewesen seien. "Deshalb hat der Antrag Italiens Vorrang."
Strangio war im März von niederländischen Elitepolizisten am Stadtrand von Amsterdam verhaftet worden. Nach Vorstellungen der deutschen Justiz sollte er an Deutschland ausgeliefert werden. Strangio wird in Italien außerdem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung gesucht, der kalabrischen Mafia-Variante 'Ndrangheta. Eine Entscheidung zugunsten Italiens war in den letzten Wochen allgemein erwartet worden.
Drahtzieher der Da-Bruno-Morde
Der Mafioso gilt als Drahtzieher der Bluttat, bei der im August 2007 sechs Mitglieder eines rivalisierenden Clans in einem Kugelhagel vor der Duisburger Pizzeria Da Bruno starben. Die sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 38 Jahren waren in zwei Autos mit zahlreichen Schüssen regelrecht hingerichtet worden. Strangios Schwager Francesco Romeo war möglicherweise sein Komplize. Beide waren lange Zeit im Visier der Ermittler und waren von dem nächtlichen Zugriff in Amsterdam überrascht worden.
Die Bluttat ging nach Einschätzung der Ermittler auf eine seit Jahren andauernde Fehde zwischen verfeindeten Clans der 'Ndrangheta im Dorf San Luca zurück. Motiv war demnach Rache für den Mord an einer Verwandten Strangios im Dezember 2006 durch Angehörige des rivalisierenden Mafia-Clans.