Panorama

126 Jahre alte Spermaspur gefunden Jack the Ripper war offenbar Friseur

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Die Illustrierten überschlugen sich damals mit immer neuen Spekulationen, wer der Mörder sein könnte.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Neben der englischen Polizei und Scotland Yard haben schon etliche Hobbydetektive versucht, den berüchtigsten Serienmörder der Welt zu entlarven - bisher stets erfolglos. Ein britischer Unternehmer behauptet nun, Jack the Ripper gefunden zu haben.

Rund 126 Jahre nach den grausamen Morden an fünf Prostituierten im Londoner East End hat ein britischer Autor nach eigenen Angaben den Serienmörder Jack the Ripper identifiziert. Der aus Polen eingewanderte Friseur Aaron Kosminski sei für die Verbrechen verantwortlich, schreibt der Autor und Unternehmer Russell Edwards unter Berufung auf DNA-Spuren in seinem Buch "Naming Jack the Ripper".

Der nie aufgeklärte Kriminalfall ist von Gerüchten umwoben: Angehörige des britischen Königshauses wurden mit den Morden ebenso in Verbindung gebracht wie Politiker und einfache Arbeiter. Anders als die angeblichen prominenten Tatverdächtigen hatte die Londoner Polizei Kosminski tatsächlich im Visier. Berichten zufolge hatte ein Zeuge die Ermittler zu dem jüdischen Emigranten geführt, weil er Kosminski mit einem der Ripper-Opfer gesehen hatte. Dann soll der Zeuge aber seine Aussage verweigert haben und der Barbier wurde freigelassen.

Spermaspuren auf Schultertuch

Nun könnte ein Fundstück von einem der Tatorte den wahren Jack the Ripper verraten haben: Buchautor Edwards erwarb im Jahr 2007 ein bodenlanges Schultertuch aus den Archiven von Scotland Yard, der am Schauplatz des vierten Mordes gefunden worden war. Das Tuch lag bei der Leiche der Gelegenheitsprostituierten Catherine Eddowes, deren verstümmelte Leiche am 30. September 1888 mit aufgeschlitzter Kehle gefunden worden war.

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Mit diesem Messer soll Jack the Ripper getötet haben.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Nach einer kleinen Odyssee landete das Tuch schließlich ungewaschen auf der von Scotland Yard veranstalteten Auktion und gelangte in Edwards Hände. Er ließ DNA-Spuren nehmen und diese mit der DNA der weiblichen Nachfahren aller damals Tatverdächtigen abgleichen - sofern sie auffindbar und mitzumachen bereit waren.

Unter den Freiwilligen war auch eine direkte Nachfahrin von Kosminski. Ihre Blutprobe passte zu den zuerst gefundenen DNA-Spuren ebenso wie zur DNA der später entdeckten Samenflecken auf dem Stoff. Die Spermaspuren legen nahe, dass das Schultertuch tatsächlich Kosminski gehörte und nicht wie angenommen seinem Opfer. Er könnte das blutige Tuch am Tatort zurückgelassen haben.

"Kein tatsächlicher Beweis vorgelegt"

Der mögliche Serienmörder wurde am 11. September 1865 in Klodawa geboren, einer Kleinstadt zwischen Posen und Warschau. Wegen antisemitischer Pogrome siedelte die Familie nach London über, wo Kosminski unweit der Tatorte von Jack the Ripper lebte. 1889 ging er in ein Armenhaus, das er bald wieder verlassen musste. Kurz darauf landete Kosminski in einer Irrenanstalt. Er starb am 24. März 1919 und wurde auf dem Friedhof East Ham im Osten Londons beigesetzt.

Ob die Suche nach der wahren Identität von Jack the Ripper nun wirklich an ihrem Ende angelangt ist, bleibt fraglich. In der Vergangenheit glaubten schon viele Autoren und Wissenschaftler, den Fall aufgeklärt zu haben. Auch Edwards DNA-Beweis ist offenbar nicht eindeutig. Der britische Genetiker Alec Jeffreys, der vor 30 Jahren den genetischen Fingerabdruck erfand, meldete Zweifel an. Er forderte im Gespräch mit der Zeitung "The Independent" eine unabhängige Überprüfung von Edwards Funden. Jeffreys sagte dem Blatt: "Noch wurde kein tatsächlicher Beweis vorgelegt."

Quelle: ntv.de, jve/AFP

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