Panorama

Tödliche Strahlung im AKW Fukushima Japan richtet Hilfsfonds ein

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Das AKW Fukushima.

(Foto: dapd)

Müsste die Betreiberfirma des AKW Fukushima auf einen Schlag für die Schäden an Leib, Leben und Umwelt zahlen, wäre das wohl das Ende des Energiekonzerns. Jetzt streckt Japans Regierung 18 Milliarden Euro für einen Hilfsfonds vor. Derweil geht im Land die Angst um - die genaue Stärke der Strahlung am Kraftwerk ist unbekannt, weil sie die Skalen auf den Messgeräten sprengt.

Das japanische Parlament hat ein Gesetz zur Einrichtung eines öffentlichen Entschädigungsfonds für die Betroffenen der Atomkatastrophe von Fukushima verabschiedet. Wie viel Geld der milliardenschwere Fonds auszahlen soll, ist in dem Gesetz nicht festgehalten. Die Regierung will in einem ersten Schritt zunächst umgerechnet 18 Milliarden Euro in Form von Staatsanleihen einzahlen, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Weiteres Geld sollen die Betreiberfirma des Atomkraftwerks Fukushima, Tepco, und weitere Atomunternehmen einzahlen. Laut dem Gesetz soll Tepco letztlich für alle ausgezahlten Entschädigungen aufkommen. Die japanische Regierung und Tepco waren scharf dafür kritisiert worden, dass erste Entschädigungen bislang nur sehr langsam ausgezahlt wurden.

Strahlung sprengt Skala

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Ein Arbeiter misst die Strahlung - und muss nun um sein Leben bangen.

(Foto: REUTERS)

Tepco gab zuletzt an, dass  mit mindestens 10 Sievert in einem Lüftungsschacht tödliche Strahlenwerte am AKW Fukushima gemessen worden seien. Bereits zuvor waren am Boden des Schachts ähnlich hohe Werte festgestellt worden. Ab einer Strahlung von zehn Sievert pro Stunde erleiden Menschen in der Regel nach wenigen Sekunden schwere gesundheitliche Schäden, die zum Tod führen können. Die tatsächlichen Werte könnten sogar noch deutlich höher liegen, weil die von Tepco eingesetzten Messgeräte nur eine Strahlung von bis zu zehn Sievert darstellen können.

Die Strahlenwerte machen das große Gesundheitsrisiko deutlich, dem die Tepco-Angestellten bei den Aufräumarbeiten an dem havarierten Atomkraftwerk ausgesetzt sind. Ungeachtet der Gefahr bekräftigte Tepco aber sein Ziel, die Reaktoren bis Januar zu stabilisieren. Die hohen Strahlenwerte würden die Arbeiten nicht behindern. Dagegen warnten Wissenschaftler den Konzern, er dürfe das Einhalten der Frist nicht über den Schutz seiner Einsatzkräfte stellen.

20 Kilometer Sperrzone

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Ein von einem Hilfsroboter aufgenommenes Bild aus dem Inneren des Reaktorgebäudes.

(Foto: dpa)

Nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März war es in  Fukushima zum schwersten Atomunglück seit Tschernobyl vor 25 Jahren  gekommen. Mehr als 80.000 Menschen mussten ein Evakuierungsgebiet  im Radius von 20 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk  verlassen, auch außerhalb der Zone wurden einige besonders  belastete Ortschaften geräumt. Die Atomkatastrophe hat auch der  Landwirtschaft, Fischerei und Tourismusbranche schwer geschadet.

In der japanischen Bevölkerung geht auch die Angst vor radioaktiv verseuchten Lebensmitteln um. Bei verschiedenen Produkten wurde bereits überhöhte Strahlung festgestellt. In mindestens 14 Präfekturen im Nordosten soll nun noch vor der Ernte untersucht werden, ob im dort angebauten Reis die Menge an radioaktivem Cäsium die Grenzwerte überschreitet.

Quelle: ntv.de, rpe/rts/dpa