Panorama

Kaddisch und WeihwasserJean-Marie Lustiger beigesetzt

10.08.2007, 17:39 Uhr

Mit dem jüdischen Kaddisch und einer christlichen Trauerfeier haben Gläubige beider Religionsgemeinschaften am Freitag in Paris von Kardinal Jean-Marie Lustiger Abschied genommen.

Mit dem jüdischen Kaddisch und einer christlichen Trauerfeier haben Gläubige beider Religionsgemeinschaften am Freitag in Paris von Kardinal Jean-Marie Lustiger Abschied genommen.

Etwa 5.000 Menschen versammelten sich in der Kathedrale Notre-Dame und auf dem Vorplatz, wo die Feier auf Großbildschirmen übertragen wurde. Verwandte des Kardinals sprachen vor Beginn der Messe außerhalb der Kirche das traditionelle jüdische Totengebet und legten ein Gefäß mit Erde aus dem Heiligen Land auf den Sarg.

Der frühere Erzbischof von Paris, der als Jugendlicher vom Judentum zum Katholizismus übergetreten war, war am Sonntag im Alter von 80 Jahren an Krebs gestorben. An der Trauerfeier nahmen zahlreiche jüdische und christliche Würdenträger sowie Politiker teil, unter ihnen der französische Premierminister Franois Fillon und der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte dafür seinen Urlaub im US-Bundesstaat New Hampshire unterbrochen.

"Lustiger hat mit Taten, die wohl nur jemand wie er vollbringen konnte, Juden und Christen einander näher gebracht", sagte Erzbischof Andr Vingt-Trois in der Predigt. "Man kann seinen Weg voller schmerzhafter Abschnitte wie den geprüften Teil des Bundes zwischen Gottes und den Menschen verstehen", sagte er und verwies auf Lustigers Leitspruch: "Für Gott ist nichts unmöglich." Zahlreiche Priester, Bischöfe und Kardinäle besprengten den Sarg mit Weihwasser.

Lustiger, der seine jüdischen Wurzeln nie verleugnet hat, hatte seine Mutter und einen großen Teil seiner Familie während des Holocausts verloren. Er gilt als einer der großen Denker der katholischen Kirche und setzte sich für eine Aussöhnung mit dem Judentum ein. Papst Johannes Paul II., dem Lustiger sehr nahe stand, ernannte ihn 1983 zum Kardinal. Der Sarg wurde nach der dreistündigen Zeremonie in der Krypta von Notre-Dame beigesetzt, wo auch zahlreiche frühere Bischöfe von Paris bestattet sind.