Anonymes Grab nahe WienKampusch-Entführer beerdigt
Der Entführer von Natascha Kampusch ist in Wien unter falschem Namen beigesetzt worden. Natascha Kampusch nahm an dem Begräbnis nicht teil.
Der Entführer von Natascha Kampusch ist in Wien unter falschem Namen beigesetzt worden. Der 44-Jährige Wolfgang Priklopil sei am Freitag auf einem Friedhof südlich der Stadt begraben worden, sagte Helmut Greiner vom österreichischen Bundeskriminalamt. Der genaue Ort bleibe geheim.
Natascha Kampusch habe an dem Begräbnis nicht teilgenommen. Die 18-Jährige sei aber mit ihren Betreuern am Donnerstag ins Wiener Institut für Gerichtsmedizin gekommen. "Sie war dann ein paar Minuten mit dem Sarg alleine, um sich verabschieden zu können", sagte Greiner. In Interviews hatte die junge Frau ihren Entführer als "paranoid" beschrieben und als "Verbrecher" bezeichnet.
Priklopil hatte Natascha Kampusch am 2. März 1998 auf dem Schulweg in Strasshof bei Wien entführt. Am 23. August gelang ihr die Flucht. Priklopil warf sich noch am selben Tag vor einen Zug.
Bei dem Begräbnis seien nur Priklopils Mutter und die Schwester seines besten Freundes und Geschäftspartners anwesend gewesen, sagte Greiner. Polizisten sicherten den Friedhof, um Schaulustige fernzuhalten. Auch auf dem Grab werde nicht Priklopils Name stehen.
Pause für Kampusch
Die Befragung von Kampusch durch die Ermittler werde in den nächsten Tagen fortgesetzt, sagte Greiner. Ihr Psychiater hatte erklärt, dass die junge Frau nach ihrem ersten TV-Auftritt und zwei Zeitungsinterviews nun Ruhe und Schonung brauche.
Die Polizei will weiter prüfen, ob der Entführer mögliche Mitwisser oder Komplizen hatte und ob er weitere Straftaten verübte. In Österreich war der Mann nicht in Täter-Datenbanken gespeichert. Der Abgleich von Priklopils DNA mit der Interpol-Datenbank brachte nach Angaben eines Polizeisprechers bisher auch keine Ergebnisse.
Im Haus des Entführers gingen die Ermittlungen weiter. Mit Hilfe von Sachverständigen und Archäologen sei das Grundstück genau untersucht worden. Dabei sei auch ein Bodenradar zum Einsatz gekommen, um eventuelle Hohlräume aufzuspüren. Bisher seien jedoch keine kriminaltechnisch relevanten Funde bekannt, sagte ein Polizeisprecher der dpa.
Einladungen nach Berlin und auf das "Traumschiff"
Nach Angaben ihres Betreuers Max Friedrich ist Kampusch auf eigenen Wunsch in der Kinder- und Jugendabteilung der Neurologischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Wien untergebracht. Dort teile die 18-Jährige ein Doppelzimmer mit einer jüngeren Zimmerkollegin. Ihre Berater berichteten, dass sie das Zusammensein mit Gleichaltrigen genieße.
Wie die junge Frau auf erste Einladungen nach Berlin und zu einer Reise auf das "Traumschiff" reagiert hat, war am Freitag noch nicht bekannt. Im Fernsehen hatte sie angekündigt, dass sie viel reisen wolle, etwa nach Berlin, und dass sie von einer Kreuzfahrt träume. Die Berlin Tourismus Marketing GmbH hat Kampusch und ihre Schwester daraufhin zu einem Besuch eingeladen. Die Peter Deilmann Reederei aus Neustadt in Holstein bot Kampusch und ihrer Mutter Brigitta Sirny eine Kreuzfahrt auf der "Deutschland" an, dem "Traumschiff" aus der ZDF-Reihe.