Panorama

Treffen mit der EntführermutterKampuschs beinahe normales Leben

14.12.2009, 15:24 Uhr

Dreieinhalb Jahre nach ihrer spektakulären Flucht ist das Interesse an Natascha Kampusch weiter ungebrochen. Die junge Frau ringt noch immer mit der Vergangenheit.

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Kampusch soll noch immer viele Fragen beantworten. (Foto: dpa)

Demnächst will Kampusch zum ersten Mal mit der Mutter ihres Entführers Wolfgang Priklopil zusammentreffen. "Ich bin der Frau Priklopil nicht begegnet", sagte sie bei der Vorstellung einer TV-Dokumentation über ihre achteinhalbjährige Gefangenschaft. Mittlerweile habe sie aber erfahren, dass sich Waltraud Priklopil ein Treffen durchaus wünsche.

"Ich denke, in den nächsten zwei Monaten wird ein Kontakt zustande kommen. Ich bin ganz gespannt, wie das verlaufen wird." Kampusch war im August 2006 aus den Fängen von Wolfgang Priklopil geflohen, dieser nahm sich daraufhin das Leben. Sie bekam das Haus ihres Peinigers als Teil eines Schadenersatzes, und "die Frau Priklopil wollte ihr Drittel (am Haus) auch nicht mehr behalten".

Zurückgezogenes Leben

Die inzwischen 21-jährige Kampusch berichtetet, sie habe knapp dreieinhalb Jahre nach ihrer Flucht aus der Gefangenschaft weiterhin große Probleme, ins normale Leben zurückzufinden. "Ich lebe ganz zurückgezogen und zeige mich kaum in der Öffentlichkeit", sagte Kampusch. In ihrer österreichischen Heimat schlage ihr viel Missgunst und Aggressivität entgegen, die Medien seien penetrant. "Ein österreichischer Journalist hätte gleich etwas Unangenehmes, Intimes gefragt", im Unterschied zur recht ruhigen und geordneten Pressekonferenz in Hamburg, sagte sie.

Schwierige Heimat Österreich

Andere zu kritisieren und schlecht zu machen, "das ist so eine Wiener Mentalität". Dennoch wolle sie dort bleiben: "Wien ist meine Heimatstadt", sagte Kampusch. Auf die Frage nach Freunden, antwortete sie: "Das ist natürlich auch sehr schwer." Sie habe ja keine normale Sozialisation gehabt, in der sie Freundschaften aufbauen konnte, aber: "Ich hab' schon fast so Leute, die man als Freunde bezeichnen könnte, gewonnen." Und dann sei da noch ihre Familie: "Ich habe regelmäßigen Kontakt zu meiner Familie, aber nicht zu eng." Jeder Mensch sollte auf eigenen Füßen stehen, sagte Kampusch, die sich nicht gerade begeistert zeigte, als ihre Mutter vor zwei Jahren ein Buch über die Zeit ohne ihre Tochter veröffentlichte.

Natascha Kampusch war 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt worden. Achteinhalb Jahre blieb das Kind spurlos verschwunden. Der Kidnapper Wolfgang Priklopil hielt Natascha in einem Kellerverlies unter seiner Garage gefangen. Die Wände waren schalldicht, Fenster gab es keine. Nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft konnte sie am 23. August 2006 aus dem Haus ihres Peinigers fliehen. Priklopil nahm sich noch am selben Abend das Leben.

Die vorgestellte Dokumentation "Natascha Kampusch - 3096 Tage Gefangenschaft" läuft im Januar in der ARD

Quelle: dpa/AFP