Panorama
Freitag, 06. Mai 2011

Comic, Fürst und Panoramablick: Keltenwelt auf historischem Grund

Fernrohr in die Vergangenheit: Das neue Museum "Keltenwelt am Glauberg" bietet mit seinen Panoramafenstern freien Blick auf Alltag, Kultur und Siedlungsland der Kelten. Die ersten Besucher finden es "überwältigend" und "sehr anschaulich", manche auch "zu dunkel" bis hin zu "etwas wenig zu sehen für das Geld". Besonders das architektonische Konzept und die breite Fensterfront kommen an: "Der Ausblick ist überwältigend".

Das neue Museum steht da, wo in den 1990er Jahren Funde aus dem 5. Jahrhundert vor Christus entdeckt wurden, in Herrschergräbern auf dem Glauberg.
Das neue Museum steht da, wo in den 1990er Jahren Funde aus dem 5. Jahrhundert vor Christus entdeckt wurden, in Herrschergräbern auf dem Glauberg.(Foto: dpa)

Der Raps blüht knallgelb im Keltenland. Auch grüne Felder gibt es hier, alte Wälle, Gräben - und ein neues Museum, das wie ein Fernrohr in die Vergangenheit aus einem Hang herausragt. Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit feierte die "Keltenwelt am Glauberg" am Donnerstag Eröffnung. Das Museum in der Wetterau-Gemeinde Glauburg soll Leben und Kultur der Kelten sowie Arbeit der Archäologen vermitteln - am Originalschauplatz der Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Funde, die in den 1990er Jahren in Herrschergräbern auf dem Glauberg ausgegraben wurden. Star der Ausstellung: Der "Keltenfürst vom Glauberg", eine mannshohe Sandsteinstatue aus dem 5. Jahrhundert vor Christus.

Vor 2500 Jahren bedeutendes Zentrum der Kelten

Die Panoramafenster des fast neun Millionen Euro teuren Museumsneubaus geben den Blick nicht nur auf die Felder und die hügelige Landschaft frei, sondern auch auf eine alte Prozessionsstraße, rekonstruierte Holzpfähle und einen Grabhügel. Das rund 30 Hektar große Areal war vor 2500 Jahren ein bedeutendes Zentrum der Kelten. Diese antike Volksgruppe siedelte etwa in den letzten fünf Jahrhunderten vor Christus in ganz Mitteleuropa.

Landesfürst neben Keltenfürst: Hessens Ministerpräsident Bouffier neben der steinernen Skulptur des sogenannten "Keltenfürsten", die Hauptattraktion im neuen Museum.
Landesfürst neben Keltenfürst: Hessens Ministerpräsident Bouffier neben der steinernen Skulptur des sogenannten "Keltenfürsten", die Hauptattraktion im neuen Museum.(Foto: dpa)

Die Nähe des Museums zum Originalschauplatz ist laut "Keltenwelt"-Leiterin Katharina von Kurzynski wichtig, "weil man diesen Ort und die Funde nur versteht, wenn man weiß, wie es hier aussieht". Ministerpräsident Volker Bouffier sagte bei der feierlichen Eröffnung, die "Keltenwelt" sei ein "Meilenstein" für die Museumslandschaft in Hessen und stärke die ganze Region. Die bislang getätigten Investitionen von insgesamt etwa 17 Millionen Euro seien auch Strukturförderung für die Wetterau. Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann sprach von einem "mutigen" Projekt.

Beide Politiker betonten, es sei richtig gewesen sei, die Relikte an ihrem Fundort zu zeigen - gemäß dem Konzept eines dezentralen archäologischen Landesmuseums. Zu "Keltenwelt" gehört auch ein archäologischer Park, der derzeit noch im Aufbau ist, und ein Forschungszentrum. Der Grundstein für den Neubau wurde 2008 gelegt. Im Jahr kostet der Unterhalt von Kurzynski zufolge einen sechsstelligen Betrag. Besonders teuer: Die aufwändigen Sicherungsmaßnahmen für das einsam gelegene Haus.

Preisgekröntes Gebäude

Das preisgekrönte, kubische Gebäude mit 1300 Quadratmetern Nutzfläche und einer Dachterrasse ist so geplant, dass Besucher von den Ausstellungsräumen ihren Blick über das Keltenland schweifen lassen können - im Rücken den "Keltenfürsten". Die Statue ist zum Greifen nah. Anders als die anderen Funde - darunter Keramiken, Schmuck oder Waffen - steht die 1,86 große Figur nicht in einer Vitrine, sondern auf einem runden Podest im freien Raum.

Landesarchäologe Egon Schallmayer erklärte, die Entdeckung des "Keltenfürsten" 1996 sei eine Sensation gewesen. "Sie ist ein klares Abbild des Verstorbenen, den wir in einem der Gräber gefunden haben." Die Figur zeigt viele Details wie einen imposanten Kopfschmuck, einen Hals- und Armring. Diese Gegenstände konnten in fast gleicher Form ausgegraben werden.

Düstere Räume

Im Kontrast zur Fensterfront gibt sich der Ausstellungsraum düster. Grau dominiert. In den Wänden eingelassen sind beleuchtete Vitrinen mit den Fundstücken. Schautafeln, multimediale Installationen, Mitmachangebote wie Spiele und ein Comic sollen Besucher zum Mitdenken, Mitmachen und Miträtseln anregen, wie "Keltenwelt"-Leiterin von Kurzynski erläuterte. Groß und Klein dürfe selbst zum Archäologen werden und überlegen, was für ein Ort der Glauberg - befestigtes Bauerndorf, Handelsplatz, religiöse Zentrum? - war. Viele Rätsel seien bis heute ungelöst.

Eine Besucherin auf dem Außengelände des Museums.
Eine Besucherin auf dem Außengelände des Museums.(Foto: dpa)

Die Spurensuche dürfe durchaus mit "Witz und Augenzwinkern" erfolgen, sagte von Kurzynski. Dabei helfen soll etwa der Comic, der die fiktive Geschichte eines Honighändlers erzählt, der zur Bestattung des "Keltenfürsten" zum Glauberg kommt. Oder der Monitor, an dem Kelten und Keltinnen eingekleidet werden können. An einer anderen Stelle erklingt keltische Musik, ein Video zeigt, wie es auf dem Glauberg vor 2500 Jahren ausgesehen haben könnte.

Die Aussagen der ersten Besucher zum Museum reichen von "überwältigend" und "sehr anschaulich" über "zu dunkel" bis hin zu "etwas wenig zu sehen für das Geld". Für einen Besucher ging insbesondere das architektonische Konzept auf: "Der Ausblick ist überwältigend", sagte er vor der Fensterfront. "Man kann sich richtig vorstellen, wie die Kelten hier lebten und wie sie fühlten."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de