Panorama

Drama über Ersten Weltkrieg Köhler zeichnet 14-Jährige aus

Junge Soldaten im Ersten Weltkrieg - waren sie Helden? Diese Frage stellte sich eine 14-Jährige und schrieb ein Theaterstück, das nun von Bundespräsident Köhler ausgezeichnet wird.

2ndh0201.jpg3832269493958207527.jpg

Luise Maidowski erhält am 6. November den ersten Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

(Foto: dpa)

Superman, James Bond oder Lara Croft beeindrucken Luise Maidowski nicht besonders. Echte Helden sehen für die Schülerin der Marienschule im westfälischen Münster anders aus. Für ihr selbst geschriebenes Theaterstück "Helden im Himmel" hat die 14-Jährige den ersten Preis beim renommierten Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen. Mehr als 6600 Schüler hatten sich mit Arbeiten zum Thema Helden an Deutschlands größten historischem Wettbewerb beteiligt. Die Auszeichnung wird an diesem Freitag im Berliner Schloss Bellevue von Horst Köhler persönlich überreicht.

Dass Luise ausgerechnet ein Bühnenstück eingesandt hat, ist kein Zufall: Das Theater ist schon von Kindesbeinen an ihre ganz große Leidenschaft. Nein, all ihre Auftritte als Schauspielerin kann sie schon nicht mehr an zwei Händen abzählen, sagt Luise. Ihre braunen Kulleraugen schauen dabei selbst ein wenig verwundert durch die rote Brille. Nur die Werke anderer aufzuführen, das war Luise irgendwann nicht mehr genug. Deswegen hat die Schülerin für den Wettbewerb ein eigenes Stück in sechs Szenen geschrieben.

Auseinandersetzung mit "Helden"

2ndh0158.jpg7257135493283270618.jpg

Die 14-Jährige mit dem Text für ihr selbst verfasstes Theaterstück "Helden im Himmel".

(Foto: dpa)

"Es handelt von Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg", erzählt Luise. Und während sie an den bunten Perlenarmbändern an ihrem linken Handgelenk dreht, fügt sie hinzu: "Mir geht es um die Frage, ob sie Helden waren." Für das Stück habe sie Feldpostbriefe ihrer Großväter gelesen und verarbeitet. "Die meisten Briefe waren Todesnachrichten, in denen das Wort 'Heldentod' auftaucht", sagt die Achtklässlerin.

Energisch streicht sich Luise eine braune Locke hinter das Ohr. "Ein Soldat, der nur an der Front kämpft und Menschen tötet, ist für mich aber nicht heldenhaft." Genau so einer komme in ihrem Stück vor. Aber es gebe auch andere: "Einer von ihnen rettet einem feindlichen Soldaten das Leben", erzählt Luise. Für manche sei er deswegen aber ein Vaterlandsverräter. Am Ende müsse jeder selbst überlegen, was Heldentum für ihn bedeutet. Luise ist sich aber sicher: "Ein Held ist jemand, der etwas macht, das eigentlich nicht seine Pflicht ist. Einer, der auch mal gegen Regeln verstößt, wenn er damit etwas Gutes tut."

Luise ist kein "Fernsehkind"

Für ihre 14 Jahre wirkt die Schülerin sehr reif. Neben der Schule arbeitet Luise in einer Bücherei, sie liebt klassische Musik. Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt sie Klavier. Vor allem aber interessiert sich das Mädchen für Geschichte. Auch in dem laufenden Theaterprojekt an ihrer Schule geht es um den Zweiten Weltkrieg: "Ich spiele ein Mädchen, das sehr von Hitler überzeugt ist." Gerade weil diese Figur Luise selbst so fremd ist, sei diese Rolle ihre bisher Liebste: "Das ist für mich der Reiz am Theater, dass man jemanden darstellt, der so gar nicht ist wie man selbst."

Auch Luises Großmutter ist Schauspielerin gewesen. "Ich glaube schon, dass sich das vererbt hat", sagt ihr Vater Ulrich Maidowski. Nesthäkchen Luise sei vor allem auch durch ihre drei älteren Brüder geprägt worden. "Ich denke, dass sie dadurch intellektuell mehr mitbekommt und auch öfter über ernsthaftere Themen spricht", sagt ihre Mutter Antje. "Außerdem ist Luise kein Fernsehkind. Sie liest stattdessen sehr viel auch zu problematischen Themen."

Quelle: ntv.de, Antonia Lange, dpa