Klatten-ErpressungKomplize muss in Haft
Die Erpressung durch ihren betrügerischen Liebhaber bringt die Milliardärin Susanne Klatten vor vier Jahren in die Schlagzeilen. Nun wird ein Hintermann der Tat verurteilt. Er soll die Treffen der beiden in einem Hotel gefilmt haben.
Im zweiten Prozess um die
Erpressung von BMW-Großaktionärin Susanne Klatten 0 ist der Komplize des Haupttäters
Helg Sgarbi zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Richter im mittelitalienischen
Pescara sprach Ernano Barretta des schweren Betrugs für schuldig. Den Vorwurf der
Bildung einer kriminellen Organisation dagegen ließ er nicht gelten. Es ging in
dem mehrjährigen Prozess um die Erpressung reicher Frauen mit heimlich gefilmten
amourösen Videos. Laut Anklage soll Barretta die Filmaufnahmen gemacht haben.
Barretta wurde auch verurteilt,
der Nebenklägerin Susanne Klatten sieben Millionen Euro Schadenersatz zu zahlen
sowie an zwei andere Frauen etwa zwei Millionen und 400 000 Euro, berichtete die
Nachrichtenagentur Ansa am Dienstagabend. Die übrigen sechs Angeklagten, darunter
Barrettas Frau und zwei erwachsene Kinder des Paares, wurden freigesprochen.
Ein Sprecher Klattens brachte
auf Anfrage seinen Respekt vor der Arbeit der italienischen Behörden zum Ausdruck.
Das Urteil kommentierte er aber nicht.
Falsche Liebe
Der bereits vor drei Jahren
wegen Betrugs und versuchter Erpressung verurteilte Helg Sgarbi hatte von der Milliardärin
Klatten 14 Millionen Euro für Fotos ihrer intimen Begegnungen in einem Hotel kassieren
wollen. Klatten wandte sich an die Polizei, hatte dem Erpresser zuvor aber bereits
freiwillig sieben Millionen Euro überlassen.
Bei den Ermittlungen gegen
Sgarbi war auch Barretta, der aus einem Dorf in den Abruzzen kommt, ins Visier der
Polizei geraten. Er soll mit seiner Familie eine Art Sekte geleitet haben und ein
Drahtzieher der Erpressungen betuchter Frauen gewesen sein.
In dem Verfahren gegen Barretta
hatte Sgarbi seinen Komplizen und dessen Familie noch zu entlasten versucht: "Diese
Leute sind unschuldig", beteuerte er.
Der Staatsanwalt dagegen
hatte auch jeweils sechs Jahre Haft für die beiden Kinder und die Frau Barrettas
verlangt: "Das war eine Gruppe von Personen, die von Erpressung lebte, und
die über die Aktivitäten Sgarbis Bescheid wusste." Barretta habe die amourösen
Begegnungen Sgarbis mit den danach erpressten reichen Frauen gefilmt. Die Verteidigung
Barrettas erwägt, in Revision zu gehen.