Panorama

Angst vor Pornografie und Homosexualität Kroatien stoppt Sexualkundeunterricht

Mit sexueller Aufklärung von Kindern und Jugendlichen an den Schulen Kroatiens hatte die Mitte-Links-Regierung Neuland betreten. Die erst wenige Wochen alte Neuerung ist jetzt schon wieder Geschichte, denn die katholische Kirche befürchtet, die Jugend würde verdorben.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nach Beschwerden konservativer Gruppierungen hat das kroatische Verfassungsgericht Sexualkundestunden in öffentlichen Schulen vorerst gestoppt. Es sei eine "grundgesetzliche Verpflichtung", Eltern in die "Ausarbeitung eines Lehrplans" einzubeziehen, was jedoch nicht geschehen sei, hieß es am Mittwoch zur Begründung. Bei Themen, zu denen "unterschiedliche Haltungen und Überzeugungen" vorherrschten, sei eine Einbeziehung der Eltern "besonders wichtig".

Die Mitte-links-Regierung von Ministerpräsident Zoran Milanovic hatte den Sexualkundeunterricht im Februar eingeführt, um insbesondere über sexuell übertragbare Krankheiten aufzuklären. Dagegen wehrten sich jedoch mehrere von der katholischen Kirche unterstützte Gruppierungen. Milanovic gab an, er werde "in diesem Kampf nicht aufgeben".

Der Sexualkundeunterricht für Schüler im Alter zwischen neun und 18 Jahren soll durchschnittlich drei Schulstunden pro Jahr umfassen. Thematisiert werden soll auch die Empfängnisverhütung. In Kroatien werden nach offiziellen Angaben jährlich etwa 2000 Minderjährige schwanger. In rund 400 Fällen folgen Abtreibungen. Die Gegner des Unterrichts fürchten "Pornografie, Promiskuität und Homosexualität".

Auch hohe Kirchenvertreter hatten kritisiert, die Lehrpläne "über Sex von Minderjährigen, Masturbation, Pornografie, Empfängnisverhütung und Abtreibung" verdürben die Jugend. Sie enthielten "absolut unannehmbare Positionen zur Sexualität und zur Ehe im Gegensatz zur christlichen Anthropologie und zum Wesen des kroatischen Volkes".

Quelle: ntv.de, dpa