Mord aus FremdenhassLebenslang für Alex W.

Der Russlanddeutsche Alex W. wird wegen Mordes an der Ägypterin Marwa El-Sherbini zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Landgericht Dresden stellt zugleich die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.
Der 28-Jährige war wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, aus Fremdenhass die schwangere Marwa El-Sherbini am 1. Juli im Dresdner Landgericht erstochen und ihren Mann Elwy Ali Okaz schwer verletzt zu haben. Die Bluttat spielte sich vor den Augen des dreijährigen Sohnes der Ägypter ab. Sie hatte in der arabischen Welt Bestürzung und Proteste ausgelöst.
Das Dresdner Landgericht folgte mit dem Urteil den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger. Die Verteidigung hatte auf Totschlag und versuchten Totschlag im Affekt plädiert. Alex W., der seit 2003 in Deutschland lebt, hatte in einer Erklärung seines Anwalts die Tat gestanden, das Motiv Fremdenhass aber bestritten.
Verteidigung prüft Möglichkeit zur Berufung
Das Verbrechen an Marwa El-Sherbini geschah während eines Berufungsprozesses wegen Beleidigung. Der arbeitslose Spätaussiedler Alex W. hatte die 31-jährige Ägypterin im August 2008 wegen ihres Kopftuchs als "Islamistin" und Terroristin beschimpft.
Die Verteidiger des Russlanddeutschen Alex W. wollen vor allem hinsichtlich der Schuldfähigkeit ihres Mandanten eine Revision gründlich prüfen. "Ich tendiere momentan sehr stark dazu, in Revision zu gehen", sagte Pflichtverteidiger Michael Sturm. Der 28-Jährige sei von ihnen auf die Höchststrafe vorbereitet worden, sagte sein Kollege Veikko Bartel. "Das kam nicht unterwartet." Alex W. habe das Urteil stoisch aufgenommen.