Panorama

Eiskalter zweifacher MordLebenslang für Manager

20.03.2007, 11:41 Uhr

Der Mörder der spurlos mit ihrem Baby verschwundenen Karen Gaucke aus Hannover ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Der Mörder der spurlos mit ihrem Baby verschwundenen Karen Gaucke aus Hannover ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Hannover stellte am Dienstag zudem die besondere Schwere der Schuld des 38 Jahre alten Ex-Freundes von Gaucke und Vater des Kindes fest. "Das Schwurgericht hat keine Zweifel daran, dass der Angeklagte Karen und Clara Gaucke getötet hat", sagte der Vorsitzende Richter Bernd Rümke.

Die Kammer räumte zwar ein, dass sie in dem Indizienprozess nicht alle Einzelheiten des Geschehens im Juni vergangenen Jahres habe aufklären können. "Niemand hat die Tat gesehen oder gehört. Trotz intensiver Suche wurden die Leichen bisher nicht gefunden", sagte Rümke. Aber nach den Zeugenaussagen und Gutachten von Sachverständigen sei sicher, dass die 37-Jährige und ihre damals sieben Monate alte Tochter tot seien. Das Schwurgericht folgte im Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigerin des Mannes hatte Freispruch gefordert.

Der Manager hörte den Urteilspruch reglos an. Während der 15 Prozesstage hatte der Mann eisern geschwiegen. Meist reglos und mit halb geschlossenen Augen hörte der 38-Jährige sich im Landgericht Hannover an, was Polizisten, Gutachter und andere Zeugen zum mutmaßlichen Schicksal seiner verschwundenen kleinen Tochter Clara und Ex-Freundin Karen aussagten. Die Opfer standen offenbar seiner neuen Lebensplanung im Weg.

In dem spektakulären Kriminalfall, der seit Juni vorigen Jahres die Öffentlichkeit bewegt, gibt es nichts als Indizien: eine große Blutlache in der Küche von Karen Gaucke, Blutspritzer an den Turnschuhen des Angeklagten, Blutschüppchen im Mietwagen des Mannes. Die Suche nach den Leichen von Mutter und Tochter in Wäldern und Seen rund um Hannover blieb dagegen bis heute erfolglos. "Wir wissen nichts. Nicht einmal, ob Karen Gaucke tot ist", sagte Anwältin Rischmöller-Pörtner. Das letzte Lebenszeichen von Gaucke stammt vom 15. Juni. Am Abend dieses Tages war sie mit dem Manager verabredet.

Fest steht aber, dass der 38-Jährige sich mit seiner Kurzzeit-Freundin Karen Gaucke nicht verstanden hat. Die Frau wurde ungeplant schwanger. Noch bevor Clara im November 2005 geboren wurde, trennte sich das Paar. Gut zwei Monate nach Claras Geburt wurde der Angeklagte erneut Vater, seine damalige Lebensgefährtin, mit der er bis zu seiner Verhaftung zusammenlebte, brachte einen Sohn zur Welt. Zusätzlich hatte der Mann verschiedene Bettgeschichten, seine Ex-Geliebten sagten im Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Gaucke und der beruflich erfolgreiche, gut verdienende Controller sollen sich um Unterhalt gestritten haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet darin ein Motiv für das Verbrechen.

"Sein bequemes Leben war ihm wichtig genug, das Leben der jungen Mutter und seiner Tochter zu opfern", sagte Oberststaatsanwalt Klinge in seinem Plädoyer. "Eiskalt" habe er die Tat geplant und ausgeführt. Computer-Spezialisten hatten herausgefunden, dass sich der 38-Jährige bei einer Internet-Versteigerung um ein Bolzenschuss-Gerät bemüht hatte. Zudem rekonstruierten sie auf seinem Rechner Daten, nach denen sich der Mann im Web über die juristischen Feinheiten zwischen Mord und Totschlag informierte.

Dass er im Prozess nichts gesagt hat, darf dem 38-Jährigen nicht zum Nachteil ausgelegt werden; jeder Angeklagte hat das Recht zu schweigen. Gelitten unter seinem Schweigen haben jedoch die Eltern von Karen Gaucke, die den Prozess als Nebenkläger verfolgt haben. Hans und Gabriele Gaucke glauben, dass nur der Manager ihnen sagen kann, wo Tochter und Enkelkind sind. Hinweise auf einen anderen, bislang unbekannten Täter gibt es nicht.