Panorama

Kompetenz fürs LebenLernen im Glück

08.08.2008, 08:39 Uhr

Eine Heidelberger Schule unterrichtet die Schüler im Fach Glück. Dabei sollen die jungen Menschen Lebenskompetenz erwerben und sich selbst davon überzeugen: Es gibt viele gute Gründe, glücklich zu sein.

Das Glück hat Hochkonjunktur: An der Elite-Universität Harvard sind Happiness-Kurse seit Jahren ausgebucht. Nun zeigt die Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg: Schule macht glücklich. Als erste Schule in Deutschland setzte sie 2007 das Fach "Glück" auf den Stundenplan. Nach einem Jahr Pilotphase zieht Schulleiter Ernst Fritz-Schubert ein positives Fazit. "Die Persönlichkeit der Schüler wurde durch den Unterricht gestärkt", sagt der 60-Jährige. "Sie sind selbstbewusster und sensibler geworden."

Im Unterrichtsfach Glück sollen die Schüler vor allem eines: Lebenskompetenz erwerben. "Es war nie unsere Absicht, alle glücklich zu machen", sagt Fritz-Schubert. "Unser Ziel ist, den Schülern gute Gründe mit auf den Weg zum Glücklichsein zu geben."

Glücksgruppe deutlich besser

An dem Projekt in der Willy-Hellpach-Schule beteiligen sich Theaterwissenschaftler, Psychologen, Sportwissenschaftler und Motivationstrainer. Erlebnispädagogik ist eine wichtige Stütze des Konzeptes. Sport, Klettern, Körpererfahrung beim Theaterspielen, Ernährung und Philosophie gehören zum Unterricht. Prominente Unterstützung bekommt das Fach vom Erfolgscoach und fünfmaligen Hockey-Weltmeister Bernhard Peters.

Der Wiener OECD-Beauftragte für Sozialforschung, Ernst Gehmacher, und der Heidelberger Professor für Sportpädagogik, Wolfgang Knörzer, haben das Projekt evaluiert. Ihre beiden Studien bescheinigen dem Fach positive Effekte. In zwei Testverfahren wurden 78 Schüler - die Glücksgruppe sowie eine Kontrollgruppe - abgefragt.

Die "Glückskinder" schnitten weit besser ab. "Bei der Glücksgruppe gab es einen klar erkennbaren Zuwachs: Die Schüler haben die Zuversicht gewonnen, ihre Ziele erreichen zu können", schildert Knörzer. Im Gegensatz zur Kontrollgruppe wüssten die jungen Leute bereits nach einem Jahr Glücksunterricht genau, was sie wollten und was nicht. Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen seien damit gewachsen.

Kein esoterisches Geschwätz

Im kommenden Schuljahr will sich die Schule nun verstärkt um die Berufsfachschüler kümmern und deren Selbstbewusstsein stärken. "Erschreckend war, dass am Anfang viele der Berufsfachschüler keine eigenen Stärken benennen konnten", sagt Knörzer. "Durch das negative Selbstbild haben sie sich nichts zugetraut."

Das Fach wird sowohl am Wirtschaftsgymnasium als auch an der zweijährigen Berufsfachschule für Wirtschaft, die die Willy-Hellpach- Schule unter einem Dach vereint, unterrichtet. "Diese Schüler sind oft die Verlierer des Bildungssystems", kritisiert Knörzer. Auch Schulleiter Fritz-Schubert will hier ansetzen: "Wir müssen frühzeitig Gruppen aus einem problematischen Umfeld fördern", so der 60-Jährige. "Wir sind in einer guten Sache unterwegs - es ist kein Glücksrittertum und kein esoterisches Geschwätz." Mitte August erscheint sein Buch "Schulfach Glück".

Bildungslücke stopfen

Mit "Glück" füllte die Schule anscheinend eine Lücke im Bildungssystem. In den vergangenen Monaten gingen in Heidelberg Anfragen von Schulen aus ganz Deutschland ein. Ein neugegründetes Privat-Gymnasium im benachbarten Weinheim startet nach den Ferien mit dem Fach "Glück" bereits ab Klasse 5.

Auch Wissenschaftler aus Europa sind hellhörig geworden: Der Soziologie-Professor Ruut Veenhoven von der Erasmus-Universität Rotterdam will das Projekt künftig wissenschaftlich begleiten und die Ergebnisse auswerten. Der Forscher hat in den vergangenen Jahren die "World Database of Happiness" aufgebaut. Die einzigartige Sammlung von Forschungsergebnissen gibt Auskunft über die Lebenszufriedenheit von Menschen - weltweit. Schulleiter Fritz-Schubert arbeitet derweil am nächsten Projekt: Die B-Jugend des Fussball-Aufsteigers 1899 Hoffenheim will künftig auch ein professionelles Coaching in Sachen Glück.

Panja Schollbach, dpa