Panorama

"Die Unfähigkeit zu trauern"Margarete Mitscherlich ist tot

12.06.2012, 20:33 Uhr
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Eine der bekanntesten deutschen Psychoanalytikerinnen ist tot. Margarete Mitscherlich starb kurz vor ihrem 95. Geburtstag. Gemeinsam mit ihrem Mann veröffentlichte sie 1967 "Die Unfähigkeit zu trauern". Das Buch über kollektive Verdrängungsmechanismen regte zahllose Debatten an.

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Margarete Mitscherlich wurde 94 Jahre alt. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Psychoanalytikerin und Autorin Margarete Mitscherlich ist tot. Sie starb kurz vor ihrem 95. Geburtstag in einer Klinik in Frankfurt am Main, teilte das Frankfurter Sigmund-Freud-Institut mit.

Die gebürtige Dänin gilt als Grande Dame der Psychoanalyse und war viele Jahre am dem Institut in Frankfurt tätig. Gemeinsam mit ihrem 1982 gestorbenen Mann Alexander Mitscherlich analysierte sie in dem Bestseller "Die Unfähigkeit zu trauern" von 1967 die Nachkriegsgesellschaft.

Der Essayband gilt als Schlüsseltext zur NS-Vergangenheit, die nach Meinung der Autoren von den Deutschen nicht bewältigt war. Das Paar setzte sich für eine kollektive Aufarbeitung der Geschichte des Dritten Reiches ein. Das Buch, das auch für die westdeutsche Studentenbewegung bedeutend war, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

"Die Zukunft ist weiblich"

Das Lachen der MörderAls Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin kam Margarete Nielsen 1917 in Dänemark zur Welt. Ihr Abitur machte sie während der Nazi-Diktatur in Flensburg. Nach dem Medizin-Studium in München und Heidelberg arbeitete sie vorübergehend in der Schweiz, wo sie Alexander Mitscherlich kennenlernte.

Den 1949 geborenen gemeinsamen Sohn Matthias vertraute sie zeitweise ihrer Mutter an, weil sie ihn wegen der eigenen Berufstätigkeit dort besser versorgt glaubte. Das brachte ihr später viel Kritik ein. Erst 1955 heiratete das Paar und begründete eine jahrzehntelange Liebes- und Arbeitsbeziehung.

Margarete Mitscherlich wandte sich später der Frauenbewegung zu. In ihrem bedeutendsten eigenen Buch, "Die friedfertige Frau" (1985), legte sie dar, dass Frauen nicht von Natur aus weniger aggressiv sind, sondern ihr vermeintlich ausgleichendes Wesen nur erlernt haben. Weitere Werke von ihr sind "Das Ende der Vorbilder" und "Die Zukunft ist weiblich".

Mit ihrem Leben sei sie rückblickend "ganz zufrieden", sagte Mitscherlich zu ihrem 90. Geburtstag. Bis zuletzt hielt sie noch gelegentlich psychoanalytische Sitzungen ab. Im Herbst 2010 veröffentlichte die Medizinerin ein Buch mit dem Titel "Die Radikalität des Alters".

Quelle: ntv.de, dpa/AFP