Politisch auf anderen PositionenMerkel trauert um ihren Vater
Bundeskanzlerin Merkel hat ihren Vater verloren. Auch wenn sie politisch kaum einer Meinung gewesen sein dürften, war er wohl einer der prägendsten Menschen für ihr Leben. Sie sagt alle Termine ab. Horst Kasner wurde 85 Jahre alt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat wegen des Todes ihres Vaters alle Termine am Samstag abgesagt. "Ihr Vater Horst Kasner ist Freitagabend im Alter von 85 Jahren gestorben", bestätigte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Nachfrage. Die CDU-Vorsitzende sagte deshalb auch den geplanten Auftritt auf der CDU-Abschlusskundgebung in Waren/Müritz für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ab.
Der in Berlin geborene Kasner siedelte 1954 - mit der damals schon geborenen Angela Merkel - von Hamburg in die DDR über, wo er als Pfarrer tätig war. 1957 zog er mit seiner Familie in die Kleinstadt Templin in Brandenburg, wo er ein Pastoralkolleg aufbaute, eine Weiterbildungseinrichtung für Theologen in Berlin-Brandenburg.
Der Superintendent der evangelischen Kirchengemeinde "Maria Magdalenen" in Templin, Uwe Simon, zeigte sich betroffen: "Das ist ein großer Verlust. Horst Kasner war ein sehr engagierter Mann", sagte Simon. Kasner habe bis zuletzt noch im "Kirchlein im Grünen" in Alt Placht bei Templin Trauungen vorgenommen. "Er war die gute Seele des dortigen Fördervereins", sagte Simon.
Öffentlich in Erscheinung getreten sind Merkels Eltern selten. Als ihre Tochter 2005 und 2009 im Bundestag ins Amt gewählt wurde, war das Ehepaar Kasner auf der Besuchertribüne zu sehen. Zu Beginn der ersten Amtszeit seiner Tochter hatte der Vater stolz gesagt: "Das kommt nicht alle Tage vor." Damals hatte Kasner zum ersten Mal das Reichstagsgebäude in Berlin besucht und sich "sehr beeindruckt" gezeigt.
In seiner Merkel-Biographie hat der Politikwissenschaftler Gerd Langguth das Verhältnis der Bundeskanzlerin zu ihrem Vater als prägend für ihr Leben bezeichnet. "Er dominierte die Familie, sein 'unnahbares' Wesen, seine Strenge, sein Absolutheitsanspruch haben die Tochter, die die Liebe des Vaters suchte, besonders gezeichnet." Merkels heutiges Leben sei "eine politische Emanzipation von ihrem in das DDR-System tief verstrickten Vater."
Seine Tochter könnte ihm unterschwellig vorgeworfen haben: "Wäre er 1954 nicht freiwillig (von Hamburg) in die DDR zurückgekehrt, wäre ihr ein Leben in der Diktatur erspart geblieben!" Langguth betont, dass Merkels Vater bis zuletzt an seinem kritischen Blick auf die Bundesrepublik festgehalten habe.