Noch mehr Alkohol-ToteMitschüler werden verhört
Nach dem Tod von drei Lübecker Schülern durch gepanschten Alkohol auf einer Klassenreise hat die Staatsanwaltschaft in der Hansestadt mit der Vernehmung der Mitschüler begonnen.
Nach dem Tod von drei Lübecker Schülern durch gepanschten Alkohol auf einer Klassenreise hat die Staatsanwaltschaft in der Hansestadt mit der Vernehmung der Mitschüler begonnen. Dadurch erhoffe man sich Aufschluss über den tatsächlichen Hergang der Ereignisse in der Türkei, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Klaus-Dieter Schultz.
Erst danach werde entschieden, ob ein Ermittlungsverfahren gegen den Lehrer eingeleitet werde, der die Gruppe begleitet hatte. Die Schüler im Alter von 21, 19 und 17 Jahren waren gestorben, nachdem sie in ihrem Hotel im südtürkischen Badeort Kemer Alkohol getrunken hatten, der hochgiftiges Methanol enthielt.
Trauerfeier für 17-Jährigen
In einer Trauerfeier nahmen unterdessen Angehörige und Freunde von dem 17-Jährigen Abschied. Zu dem Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Stockelsdorf bei Lübeck waren mehr als hundert Menschen erschienen, darunter auch viele Mitschüler und Lehrer.
Ein überlebender Mitschüler hatte in einem Interview schwere Vorwürfe gegen den Lehrer erhoben. Der 19-Jährige behauptete, der Lehrer habe sich kaum um die Gruppe gekümmert. Ein 21 Jahre alter Schüler, der noch im Hotel an einer Methanolvergiftung gestorben war, habe mehr als 20 Stunden unbemerkt in seinem Hotelzimmer gelegen, bevor der Lehrer nach ihm gesehen hätte, sagte der 19-Jährige.
Obduktionsergebnisse angefordert
Die Staatsanwaltschaft wollte diese Äußerungen nicht bewerten. "Wir müssen abwarten, bis wir die Zeugenaussagen aller Beteiligten haben, erst dann können wir bewerten, ob dem Lehrer ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorzuwerfen ist", sagte Schultz.
Die für die Ermittlungen zuständige türkische Staatsanwaltschaft in Kemer hat die Obduktionsergebnisse aus Deutschland angefordert. Die Leichenöffnung des 21-Jährigen hat als Todesursache eine Methanolvergiftung ergeben. Die endgültigen Obduktionsergebnisse für den 17-Jährigen und den 19-Jährigen stehen noch aus. "Es laufen noch toxikologische Untersuchungen, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden", sagte Schultz.
Weitere Todesopfer
Unterdessen sind in der Türkei erneut zwei Menschen nach dem Genuss von mutmaßlich gepanschtem Alkohol gestorben. Im westtürkischen Bornova starb nun ein 37-jähriger Mann im Krankenhaus, nachdem er Wodka getrunken hatte, wie die Zeitung "Star" berichtete. Im nordwesttürkischen Bursa starb ein Mann nach dem Genuss von Raki, wie der staatliche Fernsehsender TRT meldete. Der Mann habe ein Paket mit Raki-Flaschen im Straßengraben gefunden und zusammen mit Freunden von dem Schnaps getrunken.
Vier Trinkkumpane wurden noch im Krankenhaus behandelt; der Zustand von drei Männern sei kritisch. In Bursa war bereits vor Wochen gepanschter Raki aufgetaucht. Mit dem neuesten Fall stieg die Zahl der Opfer von schwarz gebranntem Alkohol in Bursa laut TRT innerhalb eines Monats auf sechs.