Mit Schlossgeist, ohne SolartechnikModerne auf barockem Gut

Schlossherren haben Schlossgeister und künstlerische Schätze. Sie haben aber in modernen Zeiten auch Sorgen, denn so ein Barockbau ist nicht leicht zu erhalten. Auf Gut Ludwigsburg versuchen die Besitzer, sich mit Café, Laden, Trauungen und als Drehort breit aufzustellen.
Natürlich hat Gut Ludwigsburg auch einen Schlossgeist, so wie sich das gehört für ein barockes Gemäuer. Es mag wohl der Namensgeber des Gutes sein, der von den herrschaftlichen Räumen im ersten Stock auch nach Jahrhunderten nicht lassen kann. Er heiße Ludwig, habe ein Herr in historischen Gewändern und mit großem Hut einem Feriengast gesagt, erzählt Ann-Christin Carl, die Tochter des Gutsbesitzers. "Und er lebt schon lange und gerne hier", hatte die kreidebleiche Kopenhagenerin noch wiedergegeben.
Ludwig von Dehn erwarb 1730 das Gut auf der Halbinsel Schwansen (Kreis Rendsburg-Eckernförde), das zuvor lange im Besitz der Adelsfamilie Rantzau gewesen war. 1950 kam dann die Familie Carl aus dem Hannoverschen zum Zuge, die ersten Bauern, wie der heutige Besitzer Kurt-Jürgen Carl sagt. Der bärtige 62-Jährige ist hier groß geworden, in dem barocken, dreigeschossigen Bau, der auf den Mauern einer alten Wasserburg steht, umgeben von im Halbkreis angeordneten Wirtschaftsgebäuden.
Produkte aus eigener Landwirtschaft
Es gibt einen Hofladen, wo die Produkte aus eigener Landwirtschaft vertrieben werden, ein Gestüt, das gekörte Pferde hervorbrachte, und ein Hofcafé. Ungefähr 25 Zimmer und genau 108 Fenster hat das "Einfamilienhaus", wie der Hausherr schmunzelnd sagt. Alle werden genutzt, auch als kleine Ferienappartements, und einige Räume können für Feiern gemietet werden. So wie der goldene Saal, ein heller freundlicher Raum, in dem auch Konzerte stattfinden. An einigen Stellen glänzt neu aufgetragenes Blattgold. Ohne Unterstützung durch öffentliche Stellen kann der unter Denkmalschutz stehende Bau nur schwer erhalten werden.
"Wir machen das auch für die Nachwelt, wir sind zufällige Besitzer und brauchen für den Erhalt staatliche Hilfe", sagt Kurt-Jürgen Carl. Allein 40.000 Liter Heizöl werden jährlich für das Haus benötigt. "Das ist ein Herrenhaus, das zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehört. Es würde den Charakter verändern, wenn das Haus nicht mehr dazugehörte, aber wir würden leichter leben, besser leben, wenn wir es nicht hätten."
Denkmalschutz gegen Solaranlage
Der Denkmalschutz wolle zwar über alles bestimmen - Photovoltaik auf dem Dach erlaubte er nicht - , aber kein Geld ausgeben. Im ersten Stock des Herrenhauses ist ein Zimmer mit einer historischen Tapete verkleidet - eine vollständige Restaurierung steht aber noch aus, auch wenn die Tapete bereits 1998 freigelegt wurde. "Die fällt doch sonst von der Wand", sagt Carl kopfschüttelnd.
"Seit 60 Jahren kämpfen wir für das Gut. So schön wie es ist, und es ist einmalig schön, aber wir müssen auch von was leben, um es zu erhalten." Als Carls Vater das Gut mit 29 Jahren kaufte, sagte dessen Mutter, das Gelände sei in Ordnung, aber "das Haus drauf ist eine Katastrophe".
Die "Katastrophe" birgt aber auch ein kunsthistorisches Kleinod: Die sogenannte Bunte Kammer, ein im Jahr 1673 mit Eichenholz vertäfelter Raum, an dessen Wänden 175 Miniaturen mit Sinnsprüchen das Dasein gebildeter Adliger erhellten. Die Interpretation der Sprüche - auf Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Niederländisch, Italienisch und Lateinisch - dienten einst dem Zeitvertreib der Bewohner des abgelegenen Gutes.
"Das Bernsteinzimmer von Schleswig-Holstein" habe ihr Vater das immer genannt, erzählt Ann-Christin Carl. Als die 29-Jährige noch ein Kind war, wurde der Raum als Esszimmer genutzt: "Das war aber so dunkel", erinnert sich die junge Frau an die damaligen Eindrücke. Heute dient der Raum als beliebtes Trauzimmer. Ob die Frischvermählten den Gemälden und Sprüchen wie dem von Pferd und Peitsche und dem Verweis auf "Güte und Strenge" wohl Aufmerksamkeit schenken?
Filmwelt in verwunschenem Gut
Die Filmwelt jedenfalls hat die leichte Verwunschenheit des Gutes bereits für sich entdeckt. Vor wenigen Jahren drehte hier Nicolette Krebitz für ihren Film "Das Herz ist ein dunkler Wald" mit Nina Hoss und Monica Bleibtreu, erzählt Ann-Christin Carl. Bei den Dreharbeiten habe auch Vater Kurt-Jürgen kurz als "Bauer Schmidt" vor der Kamera gestanden. Im Film habe man ihn dann aber leider kaum erkennen können. "Und im Schlafzimmer von Oma und Opa haben sie auch gedreht."
Auch die Großeltern von Ann-Christin Carl leben heute noch auf Gut Ludwigsburg, inzwischen 90 und 86 Jahre alt. Haben sie und ihr Vater einmal daran gedacht, fortzugehen? "Das ist unsere Heimat", antwortet Kurt-Jürgen Carl schlicht. Tochter Ann-Christin hat es zwischenzeitlich nach Hamburg und München verschlagen, jetzt ist sie auf das Gut zurückgekehrt. Sie hängen eben doch an der "Katastrophe".