Panorama

Nagel im KopfMuseum zeigt das Grauen

22.02.2010, 15:38 Uhr

Knochen, Reste abgehackter Hände, Daumenschrauben, Galgen und Beile künden in der Schau "Galgen, Rad und Scheiterhaufen" von blutigem Gebaren aus der Zeit um 1700.

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Nachgebauter Galgen im Eingangsbereich des Museums. (Foto: dpa)

Für die Folter verlangte der Scharfrichter einen festen Preis: "Einem Nasen und Ohren abzuschneiden" kostete fünf Thaler, "einen mit dem Schwert hinzurichten" brachte sieben Thaler und 30 Kreuzer ins Säckel. Der gruselige Leistungskatalog aus der Zeit um 1700 gibt Einblicke in eine Zeit, in der Todesstrafe und Verstümmeln im Namen der Obrigkeit an der Tagesordnung waren. Das Neanderthal Museum in Mettmann (Nordrhein-Westfalen) beschäftigt sich in der Sonderausstellung "Galgen, Rad und Scheiterhaufen" mit diesen Orten des Grauens. Die Schau ist bis zum 27. Juni 2010 zu sehen.

Knochen, die Reste abgehackter Hände, Daumenschrauben, Stiche von mittelalterlichen Folterkellern, Galgen, furchterregende Beile und Schwerter künden in der Schau von dem blutigen Gebaren. Auf etwa 400 Quadratmetern präsentiert das Museum rund 40 Exponate zum Thema.

In jeder Stadt eine Richtstätte

"Ab dem 13. Jahrhundert gab es vor jeder Stadt eine Richtstätte", berichtet Ausstellungsmacher Jan Graefe. Noch heute weisen Straßennamen wie Am Pranger, Galgenbusch oder Galgenfeld darauf hin. Inzwischen hat die Archäologie diese Schreckensorte entdeckt, wo vor Jahrhunderten Menschen geköpft, aufgehängt, verbrannt oder aufs Rad geflochten wurden. Die Toten blieben zur Abschreckung lange hängen und wurden in der Nähe verscharrt.

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Lebensgroßes Foto eines Scheiterhaufens. (Foto: dpa)

Bei Luzern in der Schweiz wurden an einer solchen Fundstelle Skelette untersucht und konnten mit Hilfe historischer Akten Hingerichteten zugeordnet werden. Darunter ist ein Hans Waldesperg, dem 1630 im Alter von nicht mal 20 Jahren Hand und Kopf abgeschlagen wurden. Seine Straftat: "reden wider die obrigkeit".

Nagel im Kopf

Dagegen sind weder Name noch Vergehen einer jungen Frau aus dem Rheinischen bekannt: Sie wurde Ende des 17. Jahrhunderts enthauptet. 1964 wurde der Schädel in Langenfeld (Kreis Mettmann) bei Baggerarbeiten entdeckt. Der Kopf war mit einem riesigen Nagel durchlöchert und dem Volk zur Abschreckung präsentiert worden. Vergoldete Silberfäden deuten auf eine Herkunft der Toten aus gutem Haus hin.

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Mit einem dicken Nagel durchbohrter Schädel einer jungen Frau um 1650. (Foto: dpa)

Die Scharfrichter standen selbst am Rande der Gesellschaft, aber sie waren Vollstrecker in Diensten der Stadt. Zu ihren Aufgaben gehörten genau festgelegte Foltermethoden und der Vollzug der Todesstrafe. Das war ein Massenevent. "Hinrichtungen hatten zum Teil Jahrmarktcharakter, Tausende von Menschen wohnten den Exekutionen bei", berichtet Archäologe Graefe. 1740 wurde in Preußen die Folter zur Wahrheitsfindung im Prozess abgeschafft - aber die Hinrichtungsarten blieben noch lange Zeit dieselben. Die letzte Verbrennung auf deutschem Boden soll 1804 stattgefunden haben.

Die Ausstellungsmacher aus Mettmann untersuchten sogar den Ablauf einer Verbrennung, anhand der über 200 Jahre alten Anleitung eines Scharfrichters der Stadt Lemgo. Allerdings hing auf dem Scheiterhaufen beim historischen Experiment natürlich nur eine Schweinehälfte.

Quelle: Ulrike Hofsähs, dpa