Bergbahnunglück im ÖtztalNeun deutsche Opfer
Alle Opfer des schweren Seilbahnunglücks in den Ötztaler Alpen in Tirol vom Montag sind Deutsche. Dies bestätigte am Abend die Polizei in Sölden. Bei den Opfern handelt es sich den Angaben zufolge um drei Erwachsene und sechs Kinder. Meldungen, es handele sich möglicherweise um Mitglieder des Deutschen Alpenvereins, konnte der Verband in München nicht bestätigen.
Alle Opfer des schweren Seilbahnunglücks in den Ötztaler Alpen in Tirol vom Montag sind Deutsche. Dies bestätigte am Abend die Polizei in Sölden. Bei den Opfern handelt es sich den Angaben zufolge um drei Erwachsene und sechs Kinder zwischen elf und 13 Jahren. Meldungen, wonach es sich möglicherweise um Mitglieder des Deutschen Alpenvereins handelt, konnte der Verband in München nicht bestätigen. Die Sprecherin Andrea Händel sagte n-tv.de, es gebe keine Hinweise darauf. Laut Südwestrundfunk sollen mindestens zwei Opfer aus dem Raum Karlsruhe stammen. Nach offiziell unbestätigten Angaben aus Kreisen der Retter kamen die Opfer aus dem Schwarzwald.
Die Badischen Neuesten Nachrichten" (Karlsruhe) berichteten, dass es sich bei fünf Verletzten um Angehörige der Skiabteilung der Rheinbrüder Karlsruhe handelt. Der renommierte Skiclub, aus dem auch Olympiasiegerin Katja Seizinger kommt, veranstaltet traditionell in der letzten Woche der baden-württembergischen Sommerferien ein Sommeskicamp auf dem Rettenbachferner. Die Verletzungen der Karlsruher – zwei erwachsene und drei Kinder – seien nicht lebensgefährlich.
Es war das schwerste Gondelunglück der Alpenrepublik seit dem Zweiten Weltkrieg. Bundesaußenminister Joschka Fischer sprach den Angehörigen am Abend sein Beileid aus.
Beton-Kübel prallt gegen Gondel
Nach Angaben von Augenzeugen hatte ein Transporthubschrauber einen Kübel mit 750 Kilogramm Beton verloren. Er habe mit voller Wucht zunächst das Seil und anschließend die Gondel getroffen, sagte der Geschäftsführer der Bergbahn in Sölden, Jakob Falkner. Wie durch einen riesigen Peitschenschlag seien auch die Kabinen darüber und darunter in Schwingungen geraten.
Mehrere Menschen wurden durch die Fenster 50 Meter in die Tiefe auf felsigen Grund geschleudert. Wie die Behörden mitteilten, waren alle Opfer auf der Stelle tot. Sieben Menschen erlitten schwere Verletzungen. Zwei befinden sich in kritischem Zustand. Das Österreichische Rote Kreuz sprach von bis zu zehn Verletzten. Über 100 Passagiere wurden aus den anderen Gondeln gerettet. An anderer Stelle hieß es, 35 Passagiere waren in ihren Gondeln eingeschlossen und mussten aus der Luft gerettet werden.
Pilot steht unter Schock
Die Seilbahn führt auf die 3.309 Meter hohe Schwarze Schneid. Sie verbindet den Rettenbachferner und den Tiefenbachferner. Der Absturzort liegt in etwa 3.000 Meter Höhe. Der Transporthubschrauber war auf dem Weg zu einer Baustelle an der Bergstation der Seilbahn, als sich der mit flüssigem Beton beladene Metallkübel aus der Verankerung löste. Wie Johannes Schwamberger von Life-Radio Tirol für n-tv berichtete, deutet derzeit nichts darauf hin, dass die Bau- und Transportarbeiten nicht den Normen entsprachen. Der Pilot, der unter Schock steht, habe versichert, kein Fehlsignal gegeben zu haben. Die österreichische Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen.
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks flogen Rettungsmannschaften zur Unglücksstelle. Für die meisten Opfer kam jedoch jede Hilfe zu spät. Die Schwerverletzten wurden in die Universitätsklinik nach Innsbruck geflogen.
Nicht der erste Unfall
Sölden hat zwei Gletscherskigebiete und im Winter mehr als 150 Kilometer Piste. Der Ort ist vor allem bei jungen Urlaubern beliebt. Die Seilbahn auf die Schwarze Schneid am Tiefenbachferner war bereits im vergangenen Jahr Schauplatz eines spektakulären Unfalls. Am 14. November hatte sich das Steuerseil der Bahn mit einer leeren, talwärts fahrenden Gondel verfangen. Eine Kabine war daraufhin abgestürzt. In der Folge mussten 113 Fahrgäste, darunter viele Deutsche, in etwa 50 Metern bei starkem Frost mehrere Stunden in ihren Gondeln warten, bis sie schließlich abgeseilt werden konnten. Zwei Mitarbeiter der Bahn wurden später vom Dienst suspendiert.
Das Unglück in Tirol ist der zweite schwere Seilbahn-Unfall, bei dem ein Fluggerät beteiligt ist. Im Februar 1998 hatte bei Cavalese in den italienischen Dolomiten ein US-Militärjet das Tragseil einer Gondelbahn mit der Heckflosse durchtrennt. Die Kabine stürzte 80 Meter in die Tiefe. Alle 20 Insassen, unter ihnen 8 deutsche Skiurlauber, starben. Der Militärjet war unerlaubt im Tiefflug geflogen. Im April 2000 akzeptierten die Hinterbliebenen einen Schadenersatz von 40 Millionen Dollar (2 Millionen je Opfer).