Panorama

Ende zweijähriger VakanzNeymeyr wird Bischof im Bistum Erfurt

19.09.2014, 13:46 Uhr
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Der Erfurter Dom in der Altstadt stammt aus dem 8. Jahrhundert. (Foto: picture alliance / dpa)

Fast zwei Jahre braucht die katholische Kirche für die Suche nach einem neuen Bischof für das Bistum Erfurt. Nun bekommen die 150.000 Gläubigen einen neuen Hirten. Der Mainzer Weihbischof Neymeyr übernimmt das Amt

Der bisherige Mainzer Weihbischof Ulrich Neymeyr wird neuer Bischof im Bistum Erfurt. Der 55-jährige katholische Geistliche wurde von Papst Franziskus zum Nachfolger des vor zwei Jahren aus Altersgründen zurückgetretenen Joachim Wanke ernannt, wie das Bistum Erfurt mitteilte. In seinem neuen Amt wolle er "erst einmal hören, sehen und lernen". Von seiner Wahl habe er erst vor einer Woche erfahren, sagte er.

Nach der feierlichen Verkündung im Erfurter Dom wurden die große Domglocke Gloriosa sowie alle Glocken katholischer Kirchen im Bistum Erfurt geläutet. Die Gloriosa ist die größte freischwingende Glocke aus dem Mittelalter und erklingt nur bei hohen Kirchenfeiertagen.

Großeltern aus dem Freistaat

Der 1982 zum Priester geweihte Neymeyr ist promovierter Theologe. Nach Stationen als Pfarrer in Mainz und Worms (Rheinland-Pfalz) wurde er 2003 Weihbischof im Bistum Mainz. In sein Amt als Bischof von Erfurt soll er am 22. November eingeführt werden. Im Bistum Erfurt leben 152.000 Katholiken.

Neymeyr ist Thüringen nicht unbekannt: Laut Bistum stammen seine Großeltern mütterlicherseits aus Pößneck und Sonneberg. Der neue Bischof hatte 1973 erstmals Erfurt besucht. Der 55-Jährige zählte während des Papstbesuchs 2011 zu den Bischöfen, die Benedikt XVI. nach Erfurt und Etzelsbach begleiteten. Es war zugleich der erste Besuch eines Papstes im Stammland der Reformation. Martin Luther hatte an der Universität Erfurt studiert und später auf der Wartburg bei Eisenach die Bibel ins Deutsche übertragen.

Landesregierung gibt grünes Licht

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach von einer gute Entscheidung, "dass die lange Vakanz auf dem Bischöflichen Stuhl von Erfurt nun ein Ende hat". Die Wartzeit war auch im Bistum auf Kritik verstoßen. Die "Thüringer Allgemeine" berichtet, dass ein Kandidat im vergangenen Jahr am Ende des langen Verfahrens abgesagt habe.

Die Ernennung eines neuen Bischofs für Erfurt erfolgt nach Bistumsangaben entsprechend Artikel 6 des sogenannten "Preußischen Konkordates". Auf diesem Vertrag zwischen Preußen und dem Heiligen Stuhl aus dem Jahr 1929 basiert auch das Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Thüringen über die Errichtung des Bistums Erfurt vom 14. Juni 1994. Laut der Zeitung habe die amtierende Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht - selbst Theologin - am Dienstag das Kabinett informiert. Laut den Verträgen muss sich das Bistum die Zustimmung der Regierung einholen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa