Panorama

Fall Marie Trintignant Noir-Désir-Sänger spricht über Totschlag

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Bertrand Cantat auf einem Bild aus dem Jahr 2009.

Reuters

Erstmals spricht Bertrand Cantat öffentlich über den Tod seiner Freundin Marie Trintignant. Cantat hatte die junge Frau 2003 in betrunkenem Zustand erschlagen. Dass Cantat noch lebe, so Trintignants Vater in einer Reaktion, sei allein "sein Problem".

Der französische Sänger Bertrand Cantat hat sich zum Tod seiner Freundin Marie Trintignant geäußert, die er vor zehn Jahren erschlagen hatte. "Ich leugne nicht, was geschehen ist. Ich weiß, dass ich etwas getan habe, was nicht mehr gutzumachen ist", sagte der einstige Sänger der Kultband Noir Désir der Musikzeitschrift "Les Inrockuptibles". Er sei auch nie vor seiner Verantwortung geflüchtet, "außer vielleicht beim Wunsch zu sterben".

Als Sänger der in den 80er Jahren gegründeten Formation Noir Désir war Cantat in Frankreich zum Idol einer ganzen Generation geworden. Im Juli 2003 erschlug der Musiker bei einem Streit in einem Hotel in der litauischen Hauptstadt Vilnius seine Freundin Marie Trintignant, eine gefeierte Schauspielerin. Cantat war bei der Tat betrunken, wegen Totschlags wurde er 2004 von einem Gericht in Vilnius zu acht Jahren Haft verurteilt. Im selben Jahr wurde er nach Frankreich überstellt, wo er einen Teil seiner Haft in der Nähe von Toulouse absaß. 2007 wurde Cantat wegen guter Führung vorzeitig entlassen.

Er habe bis heute "nichts von dem verstanden", was sich in jener dramatischen Nacht abgespielt habe, sagte Cantat dem Magazin. "Ich erinnere mich nicht, in welchem Zustand wir uns befanden", weder emotional noch körperlich. "Nachdem ich Marie ins Krankenhaus begleitet hatte, wurde ich rausgeschmissen und bin ins Hotel zurückgekehrt. Um mich zu erschießen."

Im Jahr 2010 brachte sich zudem Cantats damalige Ehefrau Kristina Rady um, mit der der Sänger zwei Kinder hat. Seitdem treibe ihn ihr Motiv um. "Jeder Angehörige fragt sich, was er nicht gesehen, was er getan oder nicht getan hat", sagte Cantat. Die Anschuldigungen gegen ihn seien aber nicht hinnehmbar: "Es ist schrecklich und abstoßend, das Symbol für Gewalt gegen Frauen geworden zu sein."

Einer Umfrage zufolge haben drei von vier Franzosen eine schlechte Meinung von Cantat, allerdings halten die meisten seine Rückkehr ins Musikgeschäft nach Verbüßen der Strafe für normal. Bis 2010 war es Cantat untersagt, Werke mit Bezug zu Marie Trintignants Tod zu produzieren oder sich öffentlich dazu zu äußern.

Ihr Vater Jean-Louis Trintignant sagte dem Radiosender Europe 1 nach dem Interview Cantats, er habe den Ex-Freund seiner Tochter aus seinem Leben gestrichen. Angesprochen auf den versuchten Selbstmord Cantats sagte Trintignant: "Er hat das nicht gemacht. Ich dachte, dass er das nach diesem Drama tun würde, aber er hat das nicht getan. Das ist sein Problem."

Quelle: n-tv.de, hvo/AFP

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