Panorama
Blick vom Annapurna.
Blick vom Annapurna.(Foto: dpa)
Dienstag, 27. April 2010

"Tödlichster Berg des Himalaya": Oh Eun Sun schafft Rekord

Es war ein Zweikampf in der Todeszone. Nun geht die Extrembergsteigerin Oh daraus als Sieger hervor. Vor ihrer spanischen Rivalin schafft sie es, als erste Frau der Welt alle 14 Berge über 8000 Meter zu besteigen. Wegen ihrer Methoden steht Oh aber auch in der Kritik.

Oh wird am Ziel von Kollegen begrüßt.
Oh wird am Ziel von Kollegen begrüßt.(Foto: REUTERS)

Die Extrembergsteigerin Oh Eun Sun aus Südkorea hat als erste Frau die Gipfel aller 14 Berge über 8000 Meter bestiegen. Der koreanische Fernsehsender KBS zeigte, wie die 44-Jährige auf dem Gipfel des 8091 Meter hohen Annapurna im Himalaya-Gebirge jubelnd ihre Arme in die Höhe warf. Als erster Mann hatte Reinhold Messner es 1986 geschafft, auf der Spitze aller 14 Achttausender gestanden zu haben. Oh begleiteten auf ihrem etwa 13-stündigen Gipfelanstieg unter anderem drei Träger und ein Kameramann.

Die Besteigung der Annapurna wurde in Südkorea live übertragen. "Ich bin so glücklich", sagte Oh und grüßte ihre Eltern: "Mama und Papa, ich vermisse euch. Nun komme ich nach Hause. Für Oh ist das "Projekt 14" abgeschlossen - was bleibt, ist die Leidenschaft für die Berge. "Ihnen zu begegnen ist wie die Begegnung mit einem Verlobten", sagte Oh.

Zweikampf mit Spanierin

In den vergangenen Tagen gipfelte das Rennen in der Todeszone in einen Zweikampf zwischen Oh und der Spanierin Edurne Pasaban. Dabei musste Eun-Sun zum Abschluss ihrer Mission die Annapurna, den "tödlichsten Berg des Himalaya", bewältigen.

Geschafft: Oh auf dem Gipfel ihres Erfolgs.
Geschafft: Oh auf dem Gipfel ihres Erfolgs.(Foto: dpa)


Mehr als 60 Bergsteiger sind dort bereits ums Leben gekommen. Auf weniger als drei erfolgreiche Besteigungen kommt ein Todesfall. Zudem stand Oh unter Zeitdruck. Nur im April und Mai zwischen dem schneereichen Wintermonsun und den Unwettern des Sommermonsuns sind die Bedingungen passend.


Oh gilt als Senkrechtstarterin. Bis 2007 hatte sie zehn Jahre für die Besteigung von fünf Achttausendern benötigt. Ab Mai 2008 bezwang sie in 15 Monaten weitere acht der welthöchsten Gipfel.


Wegen ihrer Methoden steht Oh aber auch in der Kritik. Kosten spielten keine Rolle, unterstützt wurde sie vom Staat. Sie ließ sich von Helfern Spuren ziehen und den Rucksack tragen. Mehrfach nutzte sie künstlichen Sauerstoff. Umstritten ist zudem das Erreichen des Kangchendzönga im Mai 2009. Als Beweis gibt es nur ein Foto einer vermummten Gestalt am Gipfel.

Kritik an Wettkampf

Die in Bühl lebende Österreicherin Gerlinde Kaltenbrummer, der selbst nur noch der K2 und der Mount Everest in ihrer "Sammlung" fehlen, hatte das Rennen um die Krone der Bergsteigerinnen stark kritisiert: "Das Höhenbergsteigen ist viel zu gefährlich, um darin einen Wettstreit sehen zu wollen."

Tausende Bergsteiger haben den Himalaya seit der Erstbesteigung durch Sherpa Tenzing Norgay und Edmund Hillary im Jahr 1953 erklommen.
Tausende Bergsteiger haben den Himalaya seit der Erstbesteigung durch Sherpa Tenzing Norgay und Edmund Hillary im Jahr 1953 erklommen.(Foto: REUTERS)


Auch mit den Methoden von Oh war Kaltenbrunner ins Gericht gegangen: "Mit selbstverantwortlichem Bergsteigen hat das nichts zu tun. Ich möchte es zwar nicht als Doping bezeichnen, aber für mich ist Sauerstoff ein künstliches Hilfsmittel, das ich ablehne."


Doch beim Kampf um die Krone der Bergsteigerinnen ging es nicht nur um Ruhm, sondern auch um viel Geld. Oh winken nun gut dotierte Sponsorenverträge. Auch mit Büchern und Vorträgen wird sie in Zukunft gut verdienen.


Kaltenbrunner lässt das kalt. Die Krankenschwester, die 2007 von einer Lawine verschüttet wurde und sich selbst befreien konnte, bereitet sich zurzeit mit ihrem Mann Ralf Dujmovits auf die Besteigung des Mount Everest vor. "Ralf sagt, wir haben den Everest gerade mal am Hintern gekitzelt", schrieb Kaltenbrunner auf ihrer Homepage: "Immerhin schon was."

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Quelle: n-tv.de