Panorama

Lederhose trifft Palästinenser Oktoberfest in Taybeh

Das Rumtata klingt noch fremd in den Ohren, und vor dem Mitsingen von "Oans, zwoa, drei, gsuffa" steht irgendwie eine Sprach- und Kulturbarriere. Dennoch sind die Musiker der bayerischen Blaskapelle Dürnbach vom Tegernsee mit ihren Lederhosen die Stars und Exoten auf dem einzigen Oktoberfest im Nahen Osten. In der Palästinenserstadt Taybeh fließt das vierte Jahr hintereinander auf einer "arabischen Wiesn" das Bier, aber heuer zum ersten Mal mit original Münchner Oktoberfestklängen. Zwar mangelt es an einer treffenden arabischen Übersetzung für "O'zapft is", dafür gibt der griechisch-orthodoxe Bischof Jussef seinen Segen.

Rund 2000 Palästinenser leben in Taybeh und alle sind Christen. Anders als die Muslime in den 16 umliegenden Dörfern dürfen sie auch Bier trinken. Und deshalb hat Nadim Churi 1994 nach der Rückkehr vom Studium in den USA seine Brauerei hier aufgemacht. Der 49 Jahre alte Braumeister mit dem dicken Oberlippenbart steht persönlich hinter dem Zapfhahn und erklärt mit einem Augenzwinkern, wie er muslimische Biergegner austrickst: "Wir sagen, dass wir nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 brauen. Nur Wasser, Hopfen und Gerste. Wir schütten da keinen Alkohol rein. Der entsteht auf ganz natürliche Weise. So wie Gottes Wille."

Für Null-Promille-Bier ist gesorgt

Für alle Muslime, Autofahrer und Nichttrinker hat Churi alkoholfreies Bier auf den Tresen gestellt. Das erste in den Palästinensergebieten gebraute Null-Promille-Bier hat ein grünes Etikett - grün wie die Farbe des Propheten Mohammed. Der Christ Churi hat sich damit nicht nur neue Märkte erschlossen, sondern auch bei den Radikalislamisten von der Hamas viele Freunde gemacht.

Bei der Herstellung des alkoholfreien Bieres hat die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung geholfen. Sie fördert auch die Brautechnische Akadademie in Wuhan, und so kam der chinesische Braumeister Fei Qian 2006 nach Taybeh. Und die Idee mit einer bayerischen Blaskapelle für das Oktoberfest trieb Hanns-Seidel-Regionaldirektor Rudolf Sussmann schon lange um. Der bayerische Europaminister Markus Söder habe dann während seines letzten Besuches versprochen, etwas für die Christen im Heiligen Land zu tun, sagt Sussmann.

Politische Dimensionen

Eigentlich ist die Lage in den Palästinensergebieten nicht so rosig, um große Feste zu feiern. Bürgermeister Daud Churi sieht aber eine politische Dimension: "Das Oktoberfest ist wahrhafter und friedlicher Widerstand gegen (die Besatzungsmacht) Israel. Wir wollen einfach ganz normale Bürger sein. Ich hoffe, dass wir uns eines Tages mit den Israelis mit einem Taybeh-Bier auf den Frieden zuprosten."

Die zehn Musiker der Blaskapelle Dürnbach haben inzwischen mit Bierzeltklassikern wie "In München steht ein ein Hofbräuhaus" und "Ein Prosit auf die Gemütlichkeit" viel Beifall geerntet. "Hilwa ketir" (Sehr schön), sagt Dschaliha. "Ich höre solche Musik zum ersten Mal." Eduard ist aus dem Häuschen: "Ich habe allen Musikern die Hand geschüttelt und mich bedankt", sagt er. Eine Gruppe von Jugendlichen findet Blasmusik immerhin "gut", räumt aber ein, dass sie auf den Auftritt der ersten palästinensischen Rock-Rapper von "Cultureshoc" wartet. Mittendrin steht Manal mit einer modischen Neukreation: Original-Dirndl und Kopftuch, wie es nahezu alle Palästinenserinnen tragen. Die 44-Jährige hatte elf Jahre gemeinsam mit ihrem Mann Bassam in München gelebt.

"Du traust di wos"

Andi Forstner spielt nicht nur Flügelhorn, sondern ist selbst Braumeister im bayerischen Holzkirchen. Der 35-Jährige hält einen Becher mit Golden-Taybeh in der Hand und sagt: "Das ist ein sehr gutes Bier. Einwandfrei. Wie ein gutes Helles, mild gehopft. Das kann ich unbedenklich empfehlen." Wie die anderen Musiker spielt er das erste Mal in den Palästinensergebieten. "Du traust di wos", habe sein Nachbar gesagt. Die Palästinenser hätten sie in der Tracht mit Lederhosen "sehr fröhlich" angesehen. "Und das Wetter ist schöner als beim Oktoberfest in München", sagt er. Am Ende ist er glücklich über das positive Echo: "Super, dass si die Leit so frein."

Quelle: n-tv.de, Hans Dahne, dpa